Hitze und Wind erhöhen Risiko für Entzündung und Ausbreitung Brandgefahr im roten Bereich

Landkreis Oldenburg. Das Land ist rot. Auf der Karte des Deutschen Wetterdienstes, die die Waldbrandgefahr abbildet, ist für den heutigen Sonnabend der größte Teil Deutschlands mit der Farbe für die zweithöchste von fünf Warnstufen markiert.
04.07.2015, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Ute Winsemann

Das Land ist rot. Auf der Karte des Deutschen Wetterdienstes, die die Waldbrandgefahr abbildet, ist für den heutigen Sonnabend der größte Teil Deutschlands mit der Farbe für die zweithöchste von fünf Warnstufen markiert. Und von seinem Zentrum im Vierländereck zwischen Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und Sachsen-Anhalt breitet sich sogar das Violett für die maximale Alarmstufe immer weiter in alle Richtungen aus und reicht schon bis in Bereiche südöstlich von Bremen.

Zwar wurde der Wert für die Wetterstation Großenkneten, der am Donnerstag noch auf der vierten Stufe stand, nach dem nächtlichen Gewitterregen für Freitag kurzfristig auf die tiefste Stufe abgesenkt. Doch für heute ist immerhin schon wieder mittlere Gefahr angezeigt. Und die Grenze zur hohen Gefahr ist nicht weit, sie ist beispielsweise für Bassum und Diepholz angegeben. Kein Wunder, findet der Pressesprecher des Kreisfeuerwehrverbands, Christian Bahrs: „Wenn es immer so heiß ist und dazu noch so windig, ist die Feuchtigkeit ruckzuck wieder verflogen.“

Wer im Wald Abkühlung sucht oder auch nur am Wald vorbeikommt, sollte sich daher unbedingt umsichtig verhalten, schlossen sich Bahrs und Landesforsten-Sprecher Rainer Städing gestern einem Appell des niedersächsischen Landwirtschaftsministers Christian Meyer an. Rauchen und offenes Feuer ist in Wald, Moor und Heide sowieso von März bis Oktober verboten, unabhängig von der Wetterlage.

Das heißt aber nicht, dass Flammen oder Glut ein paar Meter weiter harmloser wären. „Die Gefahr durch achtlos aus dem Auto geworfene Zigarettenkippen wird häufig unterschätzt“, heißt es dazu in der Mitteilung aus dem Landwirtschaftsministerium. „Oftmals beginnen Waldbrände vom Straßenrand aus.“

Das kann außer mit Kippen auch mit Fahrzeugen zusammenhängen. Vor allem Katalysatoren werden sehr heiß. „Damit sollte man nicht auf langem Gras parken“, mahnte Bahrs. Nebenbei dürfen Autos natürlich auch nur so abgestellt werden, dass Rettungswege freibleiben.

Ebenfalls nicht im Bewusstsein ist vielen Menschen, dass Glasscherben Brände auslösen können. Wenn die Sonne hindurchscheint, können vor allem gebogene Stücke, etwa von Flaschen, die Strahlen so stark bündeln, dass trockenes Material Feuer fängt.

„Augen auf“, riet deshalb Forstsprecher Städing. „Man kann sehen, wo die Vegetation trocken wird und das Risiko steigt.“ Vor allem lichte Kiefernwälder, wie der kleine, aber stark frequentierte Bürsteler Fuhrenkamp, neigten zur Austrocknung. „Zudem enthalten Nadelbäume Harze und Terpene, die gut brennen.“

Deshalb schätzte Städing die jetzige durchschnittliche Gefahr auch etwas geringer ein als zur Zeit der großen Heidebrände Ende der 1970er-Jahre. „Die Waldbestände haben sich seitdem deutlich verändert.“ Insbesondere würden immer mehr Flächen, die früher ausschließlich mit Nadelbäumen bestückt waren, in Mischwälder umgewandelt. Die Laubbäume brennen erstens nicht ganz so schnell. Und „durch deren Beschattung des Waldbodens wird die Austrocknung und Entzündungsgefahr geringer“, erklärte Städing. Trotzdem blieben aber Hochsommerphasen wie jetzt neben Frühjahrstrockenheit – wenn es noch kein frisches Grün gibt – besonders gefährlich.

Falls tatsächlich irgendwo auch nur der Verdacht auf einen Waldbrand besteht, sollte man sofort den Notruf 112 wählen. Bislang war die Feuerwehr im Kreisgebiet laut Sprecher Bahrs in dieser Saison erst einmal zu einem Flächenbrand ausgerückt, nämlich am Donnerstag in Falkenburg. Dort konnten die Freiwilligen die Ausdehnung aber glücklicherweise auf rund zwei Quadratmeter beschränken.

Um auch für größere Ausmaße gerüstet zu sein, trainiere die Feuerwehr insbesondere die Wasserversorgung in abgelegenen Gebieten. Schließlich sei in Wäldern oder auch auf Äckern, auf denen bei der bald beginnenden Ernte überhitzte Maschinen Brände auslösen können, „nicht immer Teiche oder Hydranten in der Nähe“.

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