Niederdeutsches Theater Bremerin gibt Regie-Debüt bei „Allens för Mama“ in Delmenhorst

Die Bremerin Nina Arena gibt mit „Allens för Mama“ ihr Regie-Debüt beim Niederdeutschen Theater Delmenhorst. Am Sonnabend, 21. März, feiert das Stück Premiere.
03.03.2020, 15:00
Lesedauer: 5 Min
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Von Heide Rethschulte

„Man muss jeden Charakter verstehen, mit ihm mitfiebern“, fordert Nina Arena von ihren Spielern und ist, wenn das gelingt, überzeugt davon, dass „das Charaktere sind, mit denen man sich identifizieren kann.“ Die Bremerin gibt mit der Inszenierung der Komödie „Allens för Mama“ ihr Regie-Debüt beim Niederdeutschen Theater Delmenhorst (NTD). Die Geschichte über drei unbegabte Kidnapper, eine resolute Geisel und einen undankbaren Filius hat als plattdeutsche Uraufführung im Bühnenbund Niedersachsen/Bremen am Sonnabend, 21. März, um 20 Uhr im Kleinen Haus Premiere.

Arena stand beim NTD-Vorsitzenden Dirk Wieting schon länger auf der Regisseur-Wunschliste. Schließlich ist der Name in plattdeutschen Kreisen kein unbekannter: Die gebürtige Bremerin war im 2013 insolvent gegangenen Waldau-Theater eine feste Größe – nicht nur bei plattdeutschen Inszenierungen. Außerdem hat sie seit 2015 an mehreren Bühnen des Bühnenbundes Regie geführt. „Das waren sehr gute Inszenierungen“, berichtet Wieting. In dieser Saison nun passten endlich die Terminpläne beider Seiten zusammen.

Seit Anfang Januar probt das fünfköpfige Ensemble, bestehend aus Birgit Schütte, Heiko Petershagen, Andreas Giehoff, Markus Flügger und Niklas Müller ein Stück, das trotz allem Spaß auch Einiges zu sagen hat. Das ist Arena wichtig. „Theater ohne Botschaft geht nicht“, sagt sie entschieden und fügt hinzu: „Aber ohne erhobenen Zeigefinger.“ Das neue Stück aus der Feder des Österreichers Stefan Vögel ist genau das, was die 54-Jährige mag.

In dem Stück geht es um drei Brüder, die Firmenchefin Konstanze Papenburg entführen, weil diese die Mutter der Brüder nach jahrzehntelanger redlicher Arbeit kurz vor der Rente aus Job und Firmenwohnung warf. Sie wollen Gerechtigkeit. Doch so einfach gestaltet sich die Sache für die drei so unterschiedlichen Brüder nicht. Zum einen entpuppt sich Konstanze als wirklich harte Nuss und zum Anderen rückt ihr Sohn nicht wie erhofft zügig mit dem Geld heraus.

Völlig verschiedene Charaktere

Allein die Konstellation der völlig verschiedenen Charaktere, von denen sich immer einer im Ausnahmezustand befindet, sorgt für jede Menge Spaß und Arena verspricht: „Wo wir zusätzlichen Spaß herausholen können, tun wir das. Aber wir werden ernste Themen wie das Verhältnis von Eltern und Kindern oder die Fragen 'Was ist Liebe?' oder 'Heiligt der Zweck die Mittel?' nicht unterschlagen.“

Da das Stück recht textlastig ist, will Nina Arena den Zuschauern auch etwas fürs Auge bieten. Das fängt mit Requisiten an, geht weiter über Bewegungen der Spieler und hört bei der Kulisse von Roland Wehner auf. „Er hat ein tolles Bühnenbild gemacht“, schwärmt die Bremerin, die Wehner aus ihrer gemeinsamen Zeit am Waldau-Theater gut kennt. Doch trotz der Eyecatcher steht und fällt der Spaß mit der Leistung der Schauspieler. Denen bescheinigt Arena, weit über das Amateurniveau hinaus zu sein. „Das ist schon mehr als semiprofessionell“, hat sie festgestellt. Und genau das werde gebraucht. „Das ist keine typische Boulevardkomödie, in der ständig Türen auf und zu gehen. Hier muss man wirklich Schauspiel bringen, weil man sich nicht auf die Action drumherum verlassen kann.“

Vier Wochen vor dem eigentlichen Probenbeginn hat die Mutter einer erwachsenen Tochter eine Konzeptionsprobe mit dem Ensemble durchgeführt. Anfang des Jahres ging es dann in die Detailarbeit. „Die Spieler sind immer super vorbereitet“, hat Arena festgestellt und plaudert dann aus dem Probe-Nähkästchen. „Ich muss viel lachen und wir haben auch schon alle zusammen Lachkrämpfe gehabt. Die Stimmung ist sehr gut“, verrät die Regisseurin und erzählt, dass sie während der Proben die Impulse der Spieler aufnimmt.“ Ich gucke da auch als Schauspielerin hin. Es muss innerlich passen.“ Arena bezeichnet ihren Regiestil als kooperativ. „Man darf nicht mit Schema F kommen, da kriegt man kein Ergebnis, kann nicht aus jedem etwas herauskitzeln. Es ist kreativer, wenn sich alle einbringen können, alles miteinander entwickeln.“ Die Anforderung an die Spieler ist in diesem Stück sehr hoch. Neben der zu bewältigenden großen Textmenge „müssen sie auf der Bühne auf zwei Ebenen arbeiten“. „Jeder muss genau wissen, was gerade für ihn, aber auch bei den anderen wichtig ist. Es kommt alles aufs Timing an“, sagt Nina Arena.

Sie selbst hat sich dem Theater mit Leib und Seele verschrieben, obwohl sie sich erst dagegen wehrte. Schon in der Theater-AG des Hermann-Böse-Gymnasiums habe man ihr gesagt, sie solle unbedingt Schauspielerin werden, erinnert sie sich. „Aber ich habe mich nicht getraut“, erzählt Arena, die Tourismus- und Freizeitwissenschaften mit Schwerpunkt Theater in Fulda studierte. „Aber das Theater hat mich nie verlassen, sondern immer wieder eingeholt.“ Als sich die temperamentvolle Frau über die Waldau-Schauspielschule in Bremen informieren wollte, wurde sie gleich zum Workshop eingeladen. Die Ausbildung schloss sich nahtlos an. „Meine schönste Zeit“, schwärmt sie. Und weil das Theater sie wirklich immer wieder einzuholen scheint, fiel sie auch nach der Waldau-Insolvenz, trotz Angst vor der Arbeitslosigkeit, nicht ins Nichts.

Lebensunterhalt mit Hobbies

Heute ist sie in der glücklichen Lage, mit ihren Hobbies Singen, Tanzen, Unterrichten und Regie ihren Lebensunterhalt bestreiten zu können. Die 54-Jährige spielt weiterhin jedes Jahr ein Weihnachtsmärchen, schreibt Stücke, tritt bei der Bremer Musical Company und im Kriminaltheater auf, ist am Kippenberg-Gymnasium und nicht zuletzt im Bühnenbund tätig. Eine Aufgabe, die sie auch aufgrund der plattdeutschen Sprache, die sie erst in einer dreijährigen Ausbildung am Waldau-Theater lernte, sehr mag. „Platt ist ein Herzensanliegen“, sagt die Frau, die sich beim NTD „wie zuhause fühlt“. „Es herrscht eine tolle Atmosphäre“, hat die Bremerin festgestellt, die dankbar ist, dass sie von ihrer Regieassistentin Helga Fleckenstein so gut unterstützt wird: „Helga führt das Regiebuch, mit ihr bespreche ich die Proben. Sie ist meine seelische Stütze.“ Neben Fleckenstein helfen auch noch zahlreiche weitere Akteure mit, damit Arenas Einstand ein Erfolg wird.

Bis zum 26. April wird die nach Worten von Arena „wunderschöne Komödie mit ernsthaften Hintergrund und Überraschungseffekten“ elfmal gespielt. Für eine der Vorstellungen im April (der genaue Termin steht noch nicht fest) hat sich großer Besuch angesagt: Ohnsorg-Star Meike Meiners, die Ende Januar beim Ohnsorg-Gastspiel „Alarm in't Grand Hotel“ als nervige Senatoren-Gattin für viel Spaß sorgte, hat die Vorlage von Stefan Vögel ins Plattdeutsche übersetzt und möchte sich nun die NTD-Inszenierung ansehen.


Der Kartenvorverkauf hat bereits begonnen. Karten gibt es bei der Konzert- und Theaterdirektion im Kleinen Haus, Telefon 0 42 21 / 1 65 65, bei allen Nordwest-Ticket-Vorverkaufsstellen wie dem DELMENHORSTER KURIER, Lange Straße 41, und online unter www.ntd-del.de. Bei der KuT können auch Reservierungen für Kaffee und Kuchen für die drei Sonntagsveranstaltungen (29. März, 5. und 26. April) vorgenommen werden.

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