Widerspruch aus Bürgerinitiative

"Oberbürgermeister ist widerlegt"

Als Angstmacherei bezeichnet Harald Groth vom Aktionsbündnis „Rettet die Graft“ die Aussagen des Oberbürgermeisters, wonach die Wiederaufnahme der Trinkwasserförderung zu einer Preiserhöhung führen würde.
17.05.2021, 14:13
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Von Gerwin Möller
"Oberbürgermeister ist widerlegt"

Das Aktionsbündnis "Rettet die Graft" legt Zahlen vor, wonach die kürzlich genannte Preissteigerung fürs Trinkwasser widerlegt werden soll.

Ingo Möllers

"Angstmacherei der Stadtwerke" nennt Harald Groth vom Aktionsbündnis „Rettet die Graft“ die Sorge, der Bau eines neuen Wasserwerks in der Graft könnte eine erhebliche Kostensteigerung fürs Delmenhorster Trinkwasser bedeuten. In einem Bericht hatte der DELMENHORSTER KURIER Oberbürgermeister Axel Jahnz zitiert, wonach die letzte Kostenschätzung vier Jahre alt sei und man damals von über 18 Millionen Euro ausging. Zusätzlich entständen noch hohe Kosten für die Einrichtung eines Trinkwasserschutzgebietes an der Graft.

"Jahnz wiederholt mehrfach widerlegte angebliche Argumente gegen das Trinkwasser aus der Graft", entgegnet Groth. Dass Jahnz auf den Humingehalt des aus dem moorigen Boden geförderten Wassers hinweist, werde dramatisiert. Für Groth könnten die Probleme der Wasserqualität durch eine Ausstattung des neuen Wasserwerks mit entsprechener Technik gelöst werden. "Man kann den Lesern immer wieder nur raten: Nicht glauben, was zweckbestimmt erzählt wird, sondern die Unterlagen bitte lesen." Groth verweist darauf, dass alle Fakten über das Internet zugänglich seien. Selbst der Naturschutzbund habe eingeräumt, dass es keine naturschutzrechtlich ernsthaften Bedenken gegen den Neubau einer Trinkwasserproduktion in der Graft gebe.

Zur Wasserpreisentwicklung wendet Groth ein, dass es dafür an einer von der Stadtwerkegruppe (SWD) nachvollziehbaren Preiskalkulation für einen Wasserpreis nach Inbetriebnahme  eines neuen Wasserwerks in der Graft fehle. "Die Wasserpreiskalkulation nach Inbetriebnahme eines neuen Wasserwerks in der Graft sollte nun endlich mit den diversen Annahmen in Varianten vorgelegt und diskutiert werden, um die Debatte zu versachlichen."

Vertreter des Büros Lührs, die Auftragnehmer der SWD sind, hätten öffentlich erläutert, dass die Gesamtkosten eines neuen Wasserwerks mit einer Jahresleistung von 2,4 Millionen Kubikmeter etwas mehr als 16 Millionen Euro kosten würde. Hinzugerechnet hatten sie diverse Dienstleistungen und kamen so auf 18,2 Millionen Euro. "Preisentwicklungen bis zur Durchführung waren dabei angeblich bedacht", sagt Groth. Abzüglich Eigenbedarfs, einschließlich der Personalkosten, seien dafür jährliche Betriebskosten in Höhe von 1,933 Millionen Euro über die Gebühren aufzubringen. 

Harald Groth bezweifelt die Aussage des Oberbürgermeisters, dass mit einer Kostensteigerung von 35 Prozent zu rechnen wäre. Er rechnet vor, dass die 3,2 Millionen Kubikmeter Trinkwasser, die in Annenheide gefördert werden, zum Preis je Kubikmeter von netto 1,59 Euro je Kubikmeter abgegeben werden. Delmenhorst würde insgesamt 4,1 Millionen Kubikmeter Trinkwasser benötigen und kauft vom Oldenburgisch-Ostfriesischen Wasserverband (OOWV) jährlich 0,9 Kubikmeter Trinkwasser zu. "Der Preis für den Zukauf von Trinkwasser ist bisher nicht öffentlich." Groth nimmt für seine Modellrechnung den im OOWV-Bereich üblichen Abgabepreis von 0,84 Euro je Kubikmeter an, netto würden danach 0,7 Millionen Euro von der SWD an den OOWV geflossen sein. Diese Ausgabe sei gegenzurechnen, Groth schätzt nach Abzug aller Kosten mit einer jährlichen Entlastung in Höhe von rund 417.000 Euro.

Groth geht davon aus, dass die Kosten pro Kubikmeter gefördertes Trinkwasser in der Graft günstiger wären, als derzeit die Nettokosten je Kubikmeter Trinkwasser in Delmenhorst den Verbrauchern berechnet werden.

Seit der für Natur und Liegenschaften folgenschweren Stilllegung der Wassergewinnung in der Graft seien viele „Geschichten“ erzählt worden, "nun auch noch die vom scheidenden OB". Die Verantwortlichen für den Schaden in der Graft und „umzu“ wollten ihren tragischen Fehler nicht einsehen und vor allem nicht beheben müssen.

Groth geht auch davon aus, dass der Bau eines modernen Wasserwerks auf dem Grundstück des „alten“ Wasserwerks sehr wohl erfolgen könne und nennt dafür das Urteil von Gutachtern.

Bisher ist für ihn der Nachweis eines erhöhten Wasserpreises nicht ansatzweise gelungen. "Clever ist derzeit sicher, dass der amtierende OB sich mit seinen unbelegten Mutmaßungen als oberster Chef der Unteren Wasserbehörde befangen gemacht hat", so Groth. Er könne über den Wasserrechtsantrag der SWD kaum noch unvoreingenommen entscheiden.

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