Windpark-Erweiterung

Bürger fürchten Lärm und Schattenwurf

In Stenum und Almsloh regt sich Protest gegen die geplante Erweiterung des Windparks Grüppenbühren. Ein Investor möchte die bestehenden sieben Windräder durch vier 200 Meter große Anlagen ersetzen.
13.02.2015, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Bürger fürchten Lärm und Schattenwurf
Von Jochen Brünner
Bürger fürchten Lärm und Schattenwurf

Lothar Meyer und Reinhard Siemer (v.l.) demonstrieren, bis wohin der Schatten eines 200-Meter-Windrads fallen würde.

Ingo Moellers

In Stenum und Almsloh regt sich Protest gegen die geplante Erweiterung des Windparks Grüppenbühren. Ein Investor möchte die bestehenden sieben älteren Windkraftanlagen durch vier größere, leistungsfähigere ersetzen und ein weiteres Windrad zusätzlich aufstellen.

Vor einer für kommenden Donnerstag terminierten Bürgerversammlung im Ganderkeseer Rathaus legten gestern Vertreter der Orts- und Heimatvereine Schierbrok-Stenum und Elmeloh-Almsloh ihre Sicht der Dinge dar.

Die Orts- und Heimatvereine Elmeloh-Almsloh und Schierbrok-Stenum kämpfen erbittert gegen die geplante Erweiterung des Windparks Grüppenbühren. Sie sind nicht nur besorgt darüber, dass der Windpark in seiner Fläche erweitert werden soll, sondern auch darüber, dass die bestehenden, etwa 100 Meter hohen Anlagen durch größere, bis zu 200 Meter große Windräder ersetzt werden sollen.

Reinhard Siemer, Vorsitzender des Heimat- und Ortsvereins Elmeloh-Almsloh, sowie Lothar Meyer und Heiko Ackermann vom Orts- und Heimatverein Schierbrok-Stenum haben Argumente zusammengetragen, die gegen eine Erweiterung und das sogenannte „Repowering“ sprechen. Das Hauptaugenmerk liegt dabei auf der zu erwartenden Geräuschentwicklung sowie auf dem Schattenwurf.

Höhenbegrenzung aufgehoben

„Bei den Altanlagen hatte man ja den Eindruck, dass die Standorte so ausgesucht waren, dass sie die Wohnbebauung nicht stören, aber bei doppelt so großen Anlagen sieht das völlig anders aus“, sagt Ackermann. Zwar habe der Gemeinderat die Höhenbegrenzung von Windkraftanlagen auf 100 Meter im Jahr 2011 aufgehoben. „Den meisten dürfte aber noch gar nicht klar sein, was sie da eigentlich entschieden haben, und wie groß die neuen Windräder wirklich werden“, meint er und plädiert deshalb dafür, die zulässige Höhe wieder zu begrenzen.

Hinzu kommt die Vorschrift, dass die großen Anlagen zur Sicherheit des Flugverkehrs mit blinkenden Leuchtfeuern ausgestattet werden müssen. Das würde den Anwohnern insbesondere nachts blinkende Wohnungen bescheren. „Die Leuchtfeuer-Problematik gestehen selbst die Investoren zu“, sagt Ackermann.

72 Häuser im Einzugsbereich

72 Wohnhäuser, haben die Vertreter der beiden Ortsvereine ermittelt, befinden sich im Einzugsbereich des Windparks. Eine Studie der Universität Frankfurt sowie eine Untersuchung des Rings Deutscher Makler hätte ergeben, dass Immobilien in einer solchen Lage bis zu 30 Prozent Wertverlust zu befürchten hätten, sagt Ackermann.

Reinhard Siemer, Vorsitzender des Heimat- und Ortsvereins Elmeloh-Almsloh, der bereits im Herbst in einem Fachausschuss seine Bedenken geäußert hatte, ärgert sich vor allem darüber, dass die Verwaltung die Bürger nicht schon im Vorfeld offensiver über das Vorhaben informiert hat. Fachbereichsleiter Peter Meyer hatte in der Sitzung auf die bevorstehende Bürgerbeteiligung und die notwendigen Gutachten verwiesen.

Lobbyarbeit in den Fraktionen

„Die Investoren gehen in allen Kategorien bis an die rechtlichen Grenzen“, ist Ackermann nicht überzeugt, dass die juristischen Vorgaben die Erweiterung tatsächlich stoppen können. Neben der Öffentlichkeitsarbeit betreiben die Ortsvereine deshalb gegenwärtig Lobbyarbeit in den Fraktionen, um die politischen Entscheider dazu zu bewegen, die Erweiterungspläne abzulehnen.

Nach den Vorstellungen des Niedersächsischen Landwirtschaftsministers Christian Meyer (Grüne) solle jeder Landkreis acht Prozent seiner Fläche für Windenergie zur Verfügung stellen. Die Gemeinde Ganderkesee habe diese Quote mit den bestehenden Altanlagen in Bergedorf, Hengsterholz und Grüppenbühren (insgesamt 110 Hektar) sowie dem geplanten Windpark Sannauer Helmer (334 Hektar) bereits zu 25 Prozent übererfüllt, haben die beiden Orts- und Heimatvereine ausgerechnet.

Siemer gibt zu bedenken, dass auch die Anwohner in Kühlingen von den neuen Anlagen betroffen sein könnten. Die beiden Ortsvereine appellieren deshalb eindringlich an die Anwohner in den betreffenden Ortsteilen, die Bürgerversammlung zu besuchen, zu der die Verwaltung am Donnerstag, 19. Februar, um 19 Uhr ins Ganderkeseer Rathaus einlädt. Dort werden die Investoren ihre Pläne im Detail vorstellen.

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