Konzert in der Stadtkirche thematisiert protestantische Zuversicht ebenso wie katholisches Totengedenken Christliche Klänge

Das Reformationsfest ist seit dem Ende des 18. Jahrhunderts der Gedenktag an den 31. Oktober 1517. Den Tag, an dessen Vorabend Martin Luther mit der Veröffentlichung seiner 95 kirchenkritischen Thesen eine neue christliche Kirche, den Protestantismus, begründete. Früher war er bundesweit gesetzlicher Feiertag, inzwischen nur noch in einigen neuen Bundesländern. Heutzutage vergnügen Kinder und kindliche Erwachsene sich mit Halloween-Schabernack.
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Das Reformationsfest ist seit dem Ende des 18. Jahrhunderts der Gedenktag an den 31. Oktober 1517. Den Tag, an dessen Vorabend Martin Luther mit der Veröffentlichung seiner 95 kirchenkritischen Thesen eine neue christliche Kirche, den Protestantismus, begründete. Früher war er bundesweit gesetzlicher Feiertag, inzwischen nur noch in einigen neuen Bundesländern. Heutzutage vergnügen Kinder und kindliche Erwachsene sich mit Halloween-Schabernack.

Von Günter Matysiak

Delmenhorst. In der Stadtkirche zur Heiligen Dreifaltigkeit beging man den Tag mit Musik. Musik, die nicht nur die protestantische Zuversicht des Luther-Liedes "Ein feste Burg ist unser Gott", sondern auch das Toten- und Heiligengedenken der katholischen Kirche zum Thema hatte. Eingeladen war die "cappella vocale Freudenstadt" unter der Leitung von Jörg-Michael Sander. Stadtkirchenkantor Gerd Hofstadt, den mit Sander biographische Gemeinsamkeiten verbinden, spielte die Orgel.

Trauer, Zorn und Klage

Die "cappella vocale" ist ein sehr ambitionierter Amateur-Chor, der sich mit hohem Können seltener aufgeführter Literatur widmet. Das erste Werk des Abends war in Delmenhorst allerdings nicht unbekannt. Rudolf Mauersberger (gestorben 1971), berühmter Dirigent des Dresdner Kreuzchores hat seine Motette "Wie liegt die Stadt so wüst" angesichts der Zerstörung Dresdens durch amerikanische Bomber im Februar 1945 komponiert. Dem Chor gelang es nun auf beeindruckende Weise, die in dieser Musik versammelten Affekte von Trauer, Zorn, Klage deutlich werden zu lassen in Musik des Pianissimo-Verstummens und des gellenden Fortissimo-Aufschreis.

Dass Gerd Hofstadt daran anschließend "Les Morts - Selig sind die Todten. Ein Gebet für Orgel" von Franz Liszt spielte, war programmplanerisch ein guter Griff. Auch hier handelt es sich um eine Musik, die mit fahlen Klängen, einsamen Melodien Totenklage ist. Sie transportiert aber auf fast zauberische Weise zarte, lichte Zuversicht bis hin zum mächtig-erstrahlendem Orgeljubel. Das Ende allerdings ist "komponiertes Sterben": Ein Akkord verliert seine Töne, nach und nach bis er erlischt.

In den beiden Motetten von Johannes Brahms ("Ach, arme Welt" aus op. 110 und "Es ist das Heil uns kommen her" op. 29) schuf der Chor auf der Basis eines kernig-romantischen Klangs bei allem satztechnischem und harmonischem Reichtum auch den typisch brahmschen Volkslied-Ton. Ein sehr hörenswertes Stück zeitgenössischer Chormusik war dann die Motette "Da pacem Domine" von Józef S'wider (geboren 1930). Zum vielgestaltigem Bekenntnis wurde die Verbindung von Johann Ulrich Steigleders Orgelvariationen über das Lied "Vater unser im Himmelreich" mit dem Chorsatz von Michael Praetorius. Die neun Strophen erklangen im Wechsel von Orgel und Chor, wobei man auch dem barocken Brauch folgte, im Orgelsatz den cantus firmus (die Choralmelodie) von einer Solostimme singen zu lassen.

Dass ein vielstimmiger, polyphoner Satz auch Ausdruck von jubelnder Glaubenssicherheit sein kann, zeigte Hofstadts Interpretation der Choralphantasie "Ein feste Burg ist unser Gott" von Johann Pachelbel.

Romantisch-aufschwingender Chorklang voller Biegsamkeit und barockisierende, hochbewegte Kontrapunktik verbanden sich in der Motette "Das ist mir lieb" des in der Brahmsnachfolge stehenden Heinrich von Herzogenberg.

Der Chor konnte auch mit diesem schweren Werk technisch und musikalisch beeindrucken, erhielt denn auch gemeinsam mit Gerd Hofstadt langen Beifall am Ende des Konzerts.

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