Barrierefreiheit

Treppenlift mit Kinderkrankheiten

Dass Rollstuhlfahrer Probleme in Delmenhorst haben, sei nicht Neues, sagt Christa Behrens vom Behindertenbeirat. Bei der OLB steht für Menschen mit Handycap jetzt ein Fahrstuhl zur Verfügung.
01.05.2021, 15:00
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Von Alexandra Wolff
Treppenlift mit Kinderkrankheiten

Ingrid Fink-Conrad probiert den neuen Treppenlift im Eingang der OLB aus.

INGO MÖLLERS

Man sieht ihn kaum, aber er ist da: der Treppenlift in der Oldenburgischen Landesbank (OLB) an der Bahnhofstraße. „Er befindet sich innen vor der Treppe“, beschreibt Filialleiterin Jutta Jünemann den Standort. „Er sieht aus wie ein Sicherungskasten.“

Doch wenn ein Rollstuhlfahrer, Rollatorbenutzer oder jemand mit einem Kinderwagen die Klingel drückt, kommt ein Mitarbeiter vorbei und sorgt dafür, dass der zusammengeklappte Treppenlift an der Wand eine Plattform vor der Treppe bildet, man darauf fahren kann und sich an der Plattform die Kanten hochklappen, damit der Rollstuhl nicht runterrollen kann. Diesen Zweck erfüllen auch zwei Bügel, die sich vorne und hinten auf Brusthöhe eines sitzenden Menschen herunterlassen.

OLB-Kundin Marion Busch aus Delmenhorst benutzt den Treppenlift zum ersten Mal: „Ich wusste gar nicht, dass ich mit meinem Rollator den Treppenlift auch benutzen darf“, sagt die 71-Jährige. „Ich dachte immer, der sei nur für Rollstuhlfahrer.“ Vorher hatte sie aber auch nie Bedarf, denn den Rollator hat sie erst seit Kurzem.

Nicht nur Rollatorfahrer, auch wer einen Kinderwagen schiebt, darf das Personal rufen und sich nach oben fahren lassen. „Mütter und Väter mit Kinderwagen benutzen den Treppenlift aber eher selten“, sagt Jünemann. „Offensichtlich haben sie sich anders arrangiert.“

Als nächstes will Bernd Neumann nach oben. „Oh, das wird aber eng“, gibt er zu bedenken, als er sieht, dass er nicht sehr viel Platz hat, um mit seinem Rollstuhl auf die Plattform zu fahren. Er hat allerdings auch einen elektrischen Rollstuhl, der größer ist als ein Rollstuhl, den man mit der Hand bedient. Es gelingt ihm aber auf Anhieb, seinen E-Rollstuhl auf die Plattform zu lenken. „Wer nicht so gewieft ist wie ich, könnte da Schwierigkeiten haben“, sagt er. „Ich fahre diesen Rollstuhl ja schon seit 15 Jahren.“ Und dann die nächste Panne: Die Klappen an der Plattform können nicht hochfahren, weil der Rollstuhl dafür zu groß ist. Die Filialleiterin wirkt peinlich berührt, holt mehrere Kollegen, aber auch die können nicht helfen. „Da müssen wir noch einmal mit dem Hersteller sprechen, damit der da etwas ändern kann“, sagt Jünemann.

Timo Cyriacks von der Unternehmenskommunikation der OLB bat nach diesem Vorfall schriftlich um Entschuldigung. „Das ist für alle Beteiligten sehr ärgerlich und für uns tatsächlich zudem eine unangenehme Überraschung. Bisher hat immer alles reibungslos funktioniert“, versicherte er. Noch am selben Tag habe er sich bei dem Hersteller rückversichert, dass die Nutzlast des Lifts 300 Kilogramm beträgt und „ob beispielsweise ein mechanischer oder elektrischer Rollstuhl, ein Kinderwagen oder ein Rollator damit bewegt werden, macht keinen Unterschied“. Um für die Zukunft auszuschließen, dass so etwas noch einmal passiert, „haben wir den Hersteller darum gebeten, bei nächster Gelegenheit einen Techniker nach Delmenhorst zu schicken, der die Anlage noch mal auf Herz und Nieren prüfen wird“, gab er noch bekannt.

Immerhin: Sowohl Marion Busch als auch später Ingrid Fink-Konrad waren mit dem Treppenlift sehr zufrieden. Fink-Konrad ist allerdings aufgefallen, dass man den Treppenlift nur von einer Seite aus bedienen kann – und sie ist rechtsseitig gelähmt. Allerdings lässt sich das Bedienelement abnehmen. So kann auch ein Mitarbeiter der Bank die Steuerung des Treppenlifts übernehmen. „Die Mitarbeiter der OLB sind da sehr freundlich und hilfsbereit“, lobt sie.

Dass Rollstuhlfahrer Probleme in Delmenhorst haben, sei nicht Neues, sagt Christa Behrens vom Behindertenbeirat. „Seit Corona haben Rollstuhlfahrer noch größere Probleme, eine Toilette zu finden“, sagt sie. „Jetzt sind ja auch noch das Rathaus und das City Center zu.“ Selbst in manche Arztpraxen könnten Rollstuhlfahrer nicht ohne Weiteres gelangen. „An Markttagen stehen einige Stände auf dem Blindenleitstreifen, und auch das Restaurant dort stellt manchmal seine Außenbestuhlung darauf“, verdeutlicht Behrens, dass nicht nur Rollstuhlfahrer Probleme haben, durch die Delmenhorster Fußgängerzone zu kommen. Am Bahnhof seien außerdem häufiger die Fahrstühle defekt, kommt sie auf die Rollstuhl- und Rollatornutzer zurück. Dass Rollstuhlfahrer nicht in bestimmte Geschäfte kommen, liege aber auch daran, dass dort viele ältere Gebäude stehen, die nicht ohne Weiteres umgebaut werden können. Selbst eine einfache Rampe sei nicht immer anzubringen. Denn diese dürfe nur eine Steigung von sechs Prozent haben, weil es für die Rollstuhlfahrer sonst zu schwer werde, diese hochzufahren. Und dann müsste die Rampe zu lang werden.

Vor diesem Problem stand auch die OLB. „Eine Rampe hätte bei uns bis an die Straße reichen müssen“, erklärte Jünemann. Das bestätigt auch Pressesprecher Cyriacks: „Da es sich bei der Filiale an der Bahnhofstraße um ein älteres, voll unterkellertes Gebäude in einer recht exponierten Lage handelt, waren einige bauliche Aspekte zu berücksichtigen, so zum Beispiel ganz wesentlich Art, Standort und technische Anschlüsse des Treppenlifts. Diese Fragen ließen sich allesamt gut und zügig lösen, nachdem sich Filialgebietsleiterin Jutta Jünemann sehr engagiert für die Investition zur Einrichtung des Treppenlifts eingesetzt hatte.“

Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+