Kiosk und Corona „Das ist schon existenzbedrohend“

Angelika Limberg 62 Jahre alt, betreibt zusammen mit ihrem Ehemann einen Kiosk und Getränkehandel in Delmenhorst. Auch an ihnen geht Corona nicht spurlos vorüber, auch wenn die Menschen mehr Zigaretten kaufen.
15.05.2020, 13:03
Lesedauer: 2 Min
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Von Gerald Weßel
Wie wirkt sich Covid-19 auf ihren Kiosk aus?

Angelika Limberg: Umsatzmäßig haben wir das in den ersten 14 Tagen der Kontaktsperre schon gemerkt. Da hatten wir schon Angst, dass es uns stärker treffen könnte. Im Getränkehandel und Lieferdienst sieht das dagegen anders aus.

Haben Sie Angst vor einer Ansteckung?

Nein, ich selber habe keine Angst, da bin ich komplett entspannt.

Was haben Sie im Geschäft geändert?

Eigentlich nicht viel. Wir haben zwei Schutzblenden angebracht, einmal draußen am Kiosk und einmal im Laden. Zudem haben wir die Öffnungszeiten verändert. Wir öffnen morgens zwei Stunden später und schließen abends eine Stunde früher. Hinzu kommt, dass Personen nur noch einzeln in den Laden kommen sollen und nicht mehrere zugleich.

Also dürfen Eheleute auch nicht zeitgleich eintreten?

Doch, natürlich. Familien dürfen zusammen rein, es dreht sich für uns um Leute, die in verschiedenen Haushalten leben.

Verhalten sich die Kunde anders?

Manche sind sehr ängstlich, andere kaum, manche tragen nur eine Maske, andere sind extrem eingepackt. Das ist sehr unterschiedlich. Aber es kehrt alles in allem langsam wieder eine Art Normalität ein.

Kaufen die Kunden anders ein?

Ja, doch. Es werden mehr Zeitschriften gekauft, da man ja mehr Zeit zum Beispiel zum Lesen hat. Tabakwaren und Zigaretten werden auch mehr eingekauft.

Haben manche Stammkunden vielleicht auch aufgehört zu rauchen? Die Ärzte weisen ja immer wieder darauf hin, dass Rauchen das Risiko einer schweren Erkrankung an Covid-19 stark erhöht.

Nein, ist mir nicht bekannt. Die meisten wissen, dass Rauchen ungesund ist. Das war es ja auch schon vor Covid-19 so. Aber dadurch hat sich keiner bisher vom Rauchen abhalten lassen.

Sie erwähnten bereits einmal den Lieferdienst für Getränke. Was hat sich in dem Geschäftsbereich getan?

Da hat das neue Virus uns von einem Tag auf den anderen in manchen Feldern auf null gesetzt. Wir beliefern keine Hochzeiten mehr mit Getränken, keine anderen Großveranstaltungen – einfach null. Es bleiben derzeit nur noch die Privathaushalte und ein paar Firmen. Dabei laufen alle Kosten natürlich weiter, die Kühlanhänger, die Lagerhalle.

Wie schwer trifft Sie das?

Die Krise hat uns bisher etwa im monatlichen Schnitt gut 70 Prozent des Getränkehandels gekostet und das ist, auf längere Sicht gesehen, schon existenzbedrohend.

Haben Bestellungen von Firmen oder Privathaushalten zugenommen?

Nein, das ist ungefähr gleich geblieben. Wir hatten da auch andere Erwartungen, aber es hat sich anders entwickelt. Viele Firmen sind im Homeoffice und bestellen daher im Moment weniger.

Hat sich etwas zum Positiven verändert?

Durch die kürzeren Öffnungszeiten haben wir schon mehr Freizeit, das ist ganz nett. Aber die negativen Folgen sind natürlich auch zahlreich. Persönliche Kontakte zu den Kunden sind im Moment leider sehr kurz gehalten. Geliebte Menschen nicht mehr so sehen zu können, sie nicht mehr alle umarmen zu können, das fehlt schon irgendwie. Die Einführung der Maskenpflicht ist auch nicht angenehm, da ja in letzter Zeit auch viele Kiosküberfalle vorkamen.

Das Interview führte Gerald Weßel.

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Zur Person

Angelika Limberg 62 Jahre alt, betreibt zusammen mit ihrem Ehemann einen Kiosk und Getränkehandel in Delmenhorst.

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