Berufsorientierung Schulpraktika bereiten Schwierigkeiten

Praktika sollen Schülern erste Einblicke in mögliche Berufsfelder vermitteln. Doch in Zeiten der Corona-Pandemie gestaltet sich deren Umsetzung problematisch.
16.09.2020, 18:22
Lesedauer: 3 Min
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Von Lina Wentzlaff

Schulpraktika sollen den Jugendlichen einen ersten Eindruck von der Arbeitswelt geben und somit praktische Erfahrungen in verschiedenen Berufsfeldern ermöglichen. Während in den vergangenen Jahren die Suche für Praktika nahezu reibungslos verlief, stellt die Corona-Pandemie jetzt alle Beteiligten vor Probleme.

Praktika zählen in den meisten weiterführenden Bildungseinrichtungen zu den schulischen Pflichtveranstaltungen. Sie sollen den Mädchen und Jungen während ihrer schulischen Laufbahn die Möglichkeit geben, sich auf den späteren Bildungsweg vorzubereiten und wichtige Einblicke in die Arbeitswelt geben. Berufsorientierung in der Schule, auf Ausbildungsmessen oder in Betrieben kann coronabedingt derzeit aber nur eingeschränkt stattfinden. Viele Schüler müssen deswegen seit diesem Sommer mit Einschränkungen in der Berufsorientierung rechnen.

Einsatzbereich eingeschränkt

Michael Jakisch, stellvertretender Schulleiter der Mosaikschule in Delmenhorst, betont, dass die Praktikumssuche durch die Corona-Pandemie für die Schüler erschwert wurde: „Es gestaltet sich teilweise schwierig.“ Vor allem in der Lebensmittelbranche hätten viele der Schüler wegen der erweiterten Hygienevorschriften Absagen bekommen. „Dadurch reduziert sich der mögliche Einsatzbereich der Jugendlichen enorm“, sagt der Konrektor.

Die Schule mit Förderschwerpunkt wollte ab nächster Woche zwei Schulklassen ins Praktikum schicken. Aufgrund der erschwerten Situation sei es nun aber nur einer neunten Klasse der weiterführenden Schule möglich, praktische Erfahrungen zu sammeln. Die Klasse war wegen der Pandemie schon im Frühjahr vom Ausfall eines ersten Praktikums betroffen.

„Zu der Zeit war es schlicht unmöglich, ein solches Projekt für die Schüler umzusetzen“, sagt Jakisch. Umso mehr freue sich der Lehrer, dass elf von dreizehn Schülern eine Praktikumsstelle vorzuweisen haben und nun in die verschiedenen Berufsfelder reinschnuppern könnten. Die Schüler, die keinen Platz finden, würden in der Schule mit Bildungsmaterialien versorgt.

„Infolge der aktuellen Lage haben wir den Zeitraum des angesetzten Praktikums der zehnten Klasse verschoben“, erzählt Jakisch. Bisher sei der Zeitpunkt noch nicht klar. Auch über Alternativen würde das Lehrerkollegium nachdenken. „Momentan wird noch besprochen, wie eine Alternative für die praktischen Erfahrungen aussehen könnte“, erklärt der Konrektor.

Vorstellbar sei beispielsweise, dass die Schüler nur einmal pro Woche im Betrieb arbeiten und die anderen Tage Unterricht hätten. Denn aufgrund der Corona-Pandemie sei es bisher nicht abschätzbar, ob alle Betriebe bis dahin wieder Schülerpraktikanten im üblichen Rahmen aufnehmen könnten.

Marco Vernisi von der Oberschule Süd hat in den vergangenen Monaten auch die Erfahrung machen müssen, dass aktuell viele Betriebe keine Schülerpraktikanten aufnehmen. Auf der anderen Seite hatten sich auch einige Familien mit Bedenken geäußert, ihre Kinder während der Pandemie in Betriebe zu geben.

So entschieden Lehrer und Eltern der Oberschule Süd zusammen, dass die Jugendlichen „für den Moment von der Pflicht befreit werden, ein Betriebspraktikum zu absolvieren“, erklärt der Oberschulkonrektor: „Wir raten den Schülern, wenn es nur irgendwie möglich ist, das Praktikum zu absolvieren und werden sie währenddessen betreuen.“ Als Alternative würde ihnen angeboten, während der Praktikumszeiträume beschult zu werden.

Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit müsse es verhindert werden, dass die Pandemie „zu einer Krise für die berufliche Zukunft junger Menschen und die Fachkräftesicherung“ werde. Für Ausbildungen wurden deswegen sogar schon Förderprogramme geschaffen. Bei Praktika sind aber vor allem die Bildungseinrichtungen selbst und ihre Schüler gefragt.

Firmen und Betriebe sind vorsichtig

„Viele Firmen haben ihr Angebot an Schülerpraktika aus Gründen der Corona-Vorsorge reduziert“, weiß auch Michael Bruns von der Oldenburgischen Industrie- und Handelskammer (IHK). Unternehmen wüssten allerdings auch um die Möglichkeit, geeignete junge Menschen als künftige Auszubildende und Fachkräfte auf dem Weg eines Praktikums kennenzulernen. „Deswegen empfehlen wir Schülern, Betriebe direkt anzusprechen – die Suche ist zwar schwieriger geworden, aber nicht chancenlos“, betont der Pressesprecher der IHK Oldenburg.

Die Geschäftsstelle der Volksbank Delmenhorst-Schierbrok hatte sich beispielsweise schweren Herzens gegen den Einsatz von Schulpraktikanten ausgesprochen. „Die Verantwortung für alle Beteiligten während der Corona-Pandemie ist dabei zu hoch“, betont Madelaine Maskow. Bis zum Frühjahr kommenden Jahres gelten die Einschränkungen für zweiwöchige Praktika. Bei Jahrespraktika bestände schon vorher die Möglichkeit.

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