Über 15.000 Delmenhorster geschützt

Impfen, impfen, impfen

Allein dem Impfzentrum ist es in Delmenhorst gelungen, 19,3 Prozent der Menschen zumindest die erste Impfdosis gegen Corona zu spritzen. Hinzu kommen die Impfungen der Hausärzte.
22.04.2021, 17:19
Lesedauer: 3 Min
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Impfen, impfen, impfen
Von Björn Struß
Impfen, impfen, impfen

Michael Pleus, Chef des DRK, leitet in Delmenhorst die Impfkampagne.

INGO MÖLLERS

Offiziell ist er nur ein beratendes Mitglied. Doch schon vor der Sitzung des Ausschusses für Soziales und Gesundheit war klar, dass Michael Pleus, Geschäftsführer des Deutschen Roten Kreuzes (DRK), einmal mehr die Hauptrolle zukommen würde. Denn das DRK leitet in Delmenhorst inzwischen nicht nur das Impfzentrum, sondern auch zwei Corona-Schnellteststationen. So richteten sich viele Fragen der Politik an den wohl wichtigsten Pandemie-Bekämpfer der Stadt. Und nicht immer konnten die Antworten von Pleus am Mittwochabend beruhigen.

„Im Impfzentrum haben wir bisher 15.061 Menschen geimpft, davon haben 4327 auch die Zweitimpfung erhalten“, berichtete Pleus. Bis vor zwei Wochen hatte der Krisenstab der Stadt diese Zahlen auch auf der städtischen Corona-Website veröffentlicht. Weil der Verwaltung aber keine Zahlen zum Impffortschritt bei den Hausärzten vorliegen, verzichtet man nun ganz auf diese Information. Für eine Beurteilung des Impffortschritts in Delmenhorst muss zu der von Pleus genannten Zahl also noch ein „Faktor X“ hinzugerechnet werden. Doch dem Impfzentrum allein ist es gelungen, 19,3 Prozent der Delmenhorster zu impfen, 5,3 Prozent auch ein zweites Mal.

Inzwischen ist das Computerprogramm des Impfzentrums auch in der Lage, über die verimpften Dosen einzelner Hersteller zu informieren. „Der Großteil entfällt mit rund 11.000 Impfdosen auf Biontech/Pfizer, bei Astra-Zeneca waren es 3200. Moderna spielt mit 557 Impfungen nur eine untergeordnete Rolle“, sagte Pleus. Am Sonntag werde sich die Zahl für Astra-Zeneca noch einmal deutlich erhöhen. Um die Warteliste abzuarbeiten, impft das Team des DRK auch an diesem Tag, normalerweise ruht der Betrieb sonntags. Laut Pleus sind in Delmenhorst 530 Termine vergeben worden, zum Einsatz kommt ausschließlich der Wirkstoff von Astra-Zeneca.

Ein Problem für den DRK-Chef ist, dass es vom Land Niedersachsen noch immer keine Lieferzusagen für den Monat Mai gibt. Auf Grundlage von Zusagen des Bundes rechnet Gesundheitsministerin Daniela Behrens (SPD) mit 930.000 Dosen für die Impfzentren. Doch wie sich diese Menge dann regional verteilt, steht offenbar noch nicht fest. „Wir tragen in unser System erst neue Termine für den Mai ein, wenn wir auch sicher sind, dass wir Impfstoff haben. Die Alternative wäre die Gefahr, Menschen nach Hause zu schicken“, erläuterte Pleus. Der vom Land beauftragte Dienstleister Mayorel beschäftige 800 Mitarbeiter, die sich um die Terminvergabe kümmerten. „Doch die können auch nur Termine vergeben, die von den Impfzentren zuvor in das System eingestellt wurden“, betonte Pleus.

Ein weiteres Problem für das Impfzentrum: Vereinzelt nehmen Delmenhorster ein Impfangebot ihres Hausarztes wahr, obwohl sie schon einen festen Termin in der Sporthalle am Wehrhahn haben. „Es gibt inzwischen die technische Möglichkeit, einen Termin abzusagen. Das ist aber nicht ganz einfach“, sagte der DRK-Chef. Sein Wunsch: Bei einem bereits bestehenden Termin bitte nicht dem Hausarzt zusagen. Durch vereinzelt nicht wahrgenommene Termine prüfe sein Team am Nachmittag sehr genau, wie viel Impfstoff tatsächlich noch benötigt werde. „Eine Ampulle ergibt sechs Spritzen, so können am Abend maximal fünf übrig bleiben. Dafür haben wir eine Nachrückerliste aus der Palliativmedizin und dem Pflegebereich“, schilderte Pleus. Es werde kein Impfstoff weggeworfen und gleichzeitig nur im Rahmen der Prioritätengruppen geimpft.

Julia Steitz-Matiszick, Leiterin des Gesundheitsamts, schilderte dem Ausschuss, wie sich der dramatische Anstieg der Infektionszahlen auf die Arbeit ihrer Mitarbeiter auswirkt: „Es ist weiterhin eine stark angespannte Lage. Alle arbeiten über ihrem Limit.“ Auch in Delmenhorst sei die britische Corona-Mutante mit einem Anteil von rund 90 Prozent inzwischen dominant. „In den vergangenen zehn Tagen ist es insbesondere bei privaten Kontakten und in kleinen Haushalten zu Ansteckungen gekommen“, berichtete sie.

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