Delmenhorster Kurier vor 25 Jahren Mehr Beinfreiheit für Straßenbäume

Um einer Reihe von Bäumen Platz zum Wachsen zu geben, hat die Stadt Delmenhorst 30 000 Mark in die Hand genommen. Ein Ganderkeseer Schüler reist nach Bosnien. Das alles geschah vor 25 Jahren in Delmenhorst.
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Von Volkmar Friedrichs

In sechs Wochen können die ersten Mieter in die Sozialwohnungen an der Bremer Straße einziehen. Das Bauprojekt der Niedersächsischen Landesentwicklungsgesellschaft (Nileg) geht schneller seiner Vollendung entgegen als erwartet. Für die Hälfte der 84 bald bezugsfertigen Wohnungen sind bereits die Mietverträge unterschrieben worden. Weitere 40 Wohnungen sollen bis zum 1. Februar folgen. Die Miete schwankt zwischen 9,42 Mark und zwölf Mark pro Quadratmeter. Ein eigenes Blockheizkraftwerk versorgt die Häuser mit Wärme und teilweise auch Strom. Die Heizkosten der Mieter dürften sich in Grenzen halten, denn die Wärmeisolierung ist so gründlich, dass sie noch unter den aktuellen Normwerten liegt. (19. Oktober 1995)

Rund 30 000 Mark will die Stadt Delmenhorst in die Hand nehmen, um einer Reihe von Straßenbäumen das Weiterleben zu sichern. Der offene, also nicht von Straßenpflaster oder Asphalt bedeckte Bereich um ihren Stamm ist zu eng geworden. Betroffen sind Bäume an der Dwostraße, Mühlenstraße, Nutzhorner Straße, Stedinger Straße und Vegesacker Straße. Als diese Straßenbäume vor Jahren gepflanzt wurden, waren ihre „Baumscheiben“, wie der offene Bereich um den Stammfuß bezeichnet wird, noch groß genug. Doch inzwischen brauchen die Bäume im Wurzelbereich mehr Platz, damit sie genug und leichter Wasser aufnehmen können. Außerdem haben ihre Wurzeln teilweise die Pflasterung ringsum hoch gedrückt. Bis Ende des Jahres will das Gartenamt mit den Arbeiten fertig sein und dabei gleich den Wurzelbereich mit einer Wasser speichernden Sandstein-Quarzit-Decke versehen. (17. Oktober 1995)

In der Delmenhorster Innenstadt müssen rund zweieinhalb Kilometer Stromkabel erneuert werden. Bisher hätten dafür Pflastersteine aufgenommen und ein Bagger anrücken müssen. Jetzt nicht mehr: Erstmals wird in der City die neue Horizontalbohrtechnik eingesetzt. Passanten sehen dabei nur das Eintritts- und das Austrittsloch des Bohrgestänges, Gehwege und Straßen bleiben unversehrt. Die längste Trasse mit der neuen Technik läuft unter der Delme hindurch, am Haus Coburg vorbei und unter der Friedrich-Ebert-Allee bis zur Willmsstraße. Sie ist mehr als 100 Meter lang. (21. Oktober 1995)

„Das Boot ist nie voll“, sagte Rupert Neudeck im Delmenhorster Rathaus. Der Mitgründer der Organisation „Cap Anamur/Deutsche Not-Ärzte“ sprach dort im Rahmen der von Martina Thierkopf initiierten Delmenhorster Sonntagsmatineen. Aktueller Hintergrund seines Vortrags war die Flüchtlingsproblematik im von Kriegen gebeutelten Ex-Jugoslawien. Neudeck hatte sich in jüngster Zeit intensiv mit dem Bürgerkrieg auf dem Balkan auseinandergesetzt und war mit erschütternden Eindrücken aus Sarajewo nach Delmenhorst gekommen. (23. Oktober 1995)

Der Fußball-E-Jugend des SV Atlas Delmenhorst steht ein wohl einmaliges Erlebnis bevor: Die acht bis zehn Jahre alten Jungen dürfen das Vorspiel zur Bundesligapartie zwischen Borussia Mönchengladbach und Werder Bremen bestreiten. Die kleinen Fußballer, die ihrem Auftritt vor großer Kulisse bereits entgegenfiebern, werden schon einen Tag vorher anreisen und in einer Jugendherberge übernachten, ehe sie dann am nächsten Tag ins Bökelberg-Stadion einlaufen. (18. Oktober 1995)

In der 165-jährigen Geschichte der katholischen Kirche des Oldenburger
Landes ist erstmals ein Werk erschienen, das über alle Bereiche des kirchlichen Lebens im Offizialatsbezirk Oldenburg informiert – und natürlich auch über die Delmenhorster Gemeinden. Das 751 Seiten starke Nachschlagewerk wurde jetzt in der Gemeinde Allerheiligen in Deichhorst vorgestellt. 29 Autorinnen und Autoren haben in dem Handbuch die geschichtliche Entwicklung und die Organisation der katholischen Kirche in der Region von den Dammer Bergen im Süden bis zur Insel Wangerooge im Norden zusammengetragen. Herausgeber und Mit-Autoren sind die beiden Historiker Willi Baumann und Peter Sieve vom Bischöflich Münsterschen Offizialat in Vechta. (20. Oktober 1995)

Besuch aus Ganderkesee beim EU-Administrator Hans Koschnick im vom Bosnienkrieg zerstörten Mostar. Der Schulsprecher des Gymnasiums Ganderkesee Florian Senda überreichte dort dem ehemaligen Bremer Bürgermeister eine Spende von 1500 Mark für den Wiederaufbau der „Schule 7“. Die Summe war durch den Verkauf von Schülerkalendern zusammengekommen. „Wir hatten das Geld zunächst für unsere Cafeteria gedacht, aber als wir von der Aktion 'Schüler Helfen Leben' und von der zerstörten Schule in Mostar hörten, entschlossen wir uns, es dafür zu verwenden“, erzählt Schulsprecher Senda. – Aber für eine 1500-Mark-Spende persönlich ganz an die Küste von Bosnien-Herzegowina reisen? Die Antwort liegt in der Familie Senda. Florian hat einfach seinen Vater Marjan Senda besucht. Er ist Koschnicks Leibwächter und lebt seit Oktober 1994 mit Koschnick in einem Hotel in Mostar, das auch Hauptsitz der UN-Verwaltung ist; eines der wenigen unzerstörten Gebäude in der Stadt. Die Hilfsaktion „Schüler Helfen Leben“ ist 1993 in Bad Kreuznach von Schülerinnen und Schülern gegründet worden, die etwas gegen das Elend in Ex-Jugoslawien unternehmen wollten. Inzwischen sind 3,5 Millionen Mark gesammelt worden. (21. Oktober 1995)

Wer noch weiter in alten Geschichten stöbern möchte, kann das unter www.weser-kurier.de/plus/archiv tun.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Einwilligung und Werberichtlinie

Ich erkläre mich damit einverstanden, dass die von mir angegebenen Daten dazu genutzt werden, regelmäßig per E-Mail redaktionelle Inhalte des WESER-KURIER seitens der Chefredaktion zu erhalten. Die Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Ich kann diese Einwilligung jederzeit formlos mit Wirkung für die Zukunft widerrufen, z.B. per E-Mail an widerruf@weser-kurier.de.
Weitere Informationen nach Art. 13 finden Sie unter https://www.weser-kurier.de/datenschutz

Schließen

Das Beste mit WK+