DELMENHORST Vor 25 Jahren

Das Leiden der Bekleidungsindustrie wird spürbarer

In der Bekleidungsindustrie herrscht vor 25 Jahren schlechte Stimmung, weil immer mehr Arbeitsplätze ausgelagert werden. Und im Rathaus ist man enttäuscht gewesen von einem Brief von Norbert Blüm.
15.07.2018, 07:26
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Von Volkmar Friedrichs
Das Leiden der Bekleidungsindustrie wird spürbarer

1993 wurde bei L amod vor der Entwicklung in der Textilindustrie gewarnt, zehn Jahre später schloss das U nternehmen .

Ingo Möllers

Die Bekleidungsindustrie leidet unter einer zunehmenden Produktionsverlagerung ins Ausland – vor allem in osteuropäische Länder. Auch der Textilstandort Delmenhorst ist von dieser Entwicklung betroffen. Die Betriebsratsvorsitzende der Delmenhorster Firma Lamod, Gerda Nolte, hat deshalb anlässlich einer Bundestagsdebatte über die Lage der deutschen Textil- und Bekleidungsindustrie die hiesigen Bundestagsabgeordneten angeschrieben und um Unterstützung gebeten. Und alle Abgeordneten haben Gesprächsbereitschaft versichert. In der Bekleidungsindustrie seien in zwei Jahren 35 000 Arbeitsplätze weggefallen, schildert Gerda Nolte die Lage. In Delmenhorst gebe es mit Lamod nur noch einen Betrieb mit Tarifbindung. Leidtragende der Arbeitsverlagerung seien Frauen. Auch bei Lamod, so Nolte, seien überwiegend Frauen beschäftigt. Die Firma hat rund 220 Arbeitsplätze und bildet auch Lehrlinge aus (14. Juli 1993).


„Mit großer Bestürzung“ ist im Delmenhorster Rathaus von Oberbürgermeister Jürgen Thölke und Oberstadtdirektor Norbert Boese ein Brief aus dem Bonner Bundesarbeitsministerium zur Kenntnis genommen worden. In dem Schreiben wird der Stadt mitgeteilt, dass der seit Jahren geplante Neubau eines Arbeitsamtes an der Friedrich-Ebert-Allee wohl in weite Ferne rücken wird. „Aufgrund der Sparbeschlüsse der Bundesanstalt für Arbeit für das Jahr 1993/94 sind die Aussichten außerordentlich schlecht“, heißt es zur Begründung aus dem Haus von Bundesarbeitsminister Norbert Blüm. Der Neubau eines Arbeitsamtes in Delmenhorst, für den die finanziellen Mittel auch schon eingeplant gewesen seien, sei aber absolut notwendig, protestieren Thölke und Boese und appellieren in ihrer Antwort an den Bundesarbeitsminister: „Wir bitte Sie, besonders unter dem Aspekt der hohen Arbeitslosigkeit und schlechten konjunkturellen Entwicklung der Stadt, Ihre Entscheidung noch einmal zu überdenken“ (14. Juli 1993).


Der Landkreis Oldenburg ist unter die Kunstsammler gegangen und kauft seit etwa sieben Jahren gezielt Werke von Künstlern aus der Region. Die Sammlung umfasst bislang 32 Exponate. Dazu gehören unter anderem der „Schnabelkeimling“, die weithin sichtbare Bronze-Skulptur des Huder Bildhauers Wolf. E. Schultz vor dem Wildeshauser Kreishaus, und der „Frauenakt“ der ebenfalls in Hude lebenden Malerin Halina Chwistek. Größtenteils verschönern die Kunstwerke die Arbeitszimmer der Mitarbeiter im Kreishaus oder hängen oder stehen in kreiseigenen Einrichtungen wie Schulen und Altenheimen. Den Anstoß zum Kunstsammeln hatte die Landessparkasse zu Oldenburg gegeben, die vor sieben Jahren 150 000 Mark für die Anschaffung von Kunstwerken zur Verfügung gestellt hatte (14. Juli 1993).


In ihrem Einsatz gegen zu schnelles Fahren setzt die Delmenhorster Polizei jetzt auch auf Infrarotlicht. Damit ist das nagelneue, fest in einem weißen VW Passat installierte Radargerät Traffipax Speedophot ausgerüstet. Die Anlage kann nun dank Infrarot rund um die Uhr und damit vor allem auch nachts eingesetzt werden. Die vom Radarwagen mitgebrachten Daten werden im Polizeihaus an der Louisenstraße ausgewertet. Dank des Infrarotblitzes sollen die Fotos der Temposünder von „hervorragender Qualität“ sein (15. Juli 1993).


Feuer in Harpstedt auf dem Hof von Werner Finke, dem ehemaligen Landrat des Landkreises Oldenburg. Infolge eines technischen Defekts in der Getreidetrocknungsanlage, so die Kripo Wildeshausen, ist dort am Dienstagnachmittag ein Stall- und Lagergebäude in Brand geraten. Die Feuerwehr hatte die Flammen zwar schnell unter Kontrolle, konnte aber nicht verhindern, dass das Gebäude unter starker Rauchentwicklung niederbrannte. Der Schaden wird auf 300 000 Mark geschätzt (15. Juli 1993).


Im Bereich Platanenstraße/Ellernstraße in Delmenhorst entsteht zurzeit eine neue Wohnanlage mit insgesamt 66 Mietwohnungen. Bauherrin ist die Steucon Grundbesitz- und Beteiligungs-AG, die frühere Delme AG. Der Einzug der ersten Mieter ist Ende dieses oder Anfang nächsten Jahres geplant. Die Anlage besteht aus neun gestaffelten Mehrfamilienhäusern mit separaten Eingängen. In einem Extra-Gebäude werden Abstellräume für Fahrräder geschaffen, und in der Mitte der Wohnanlage wird ein Kinderspielplatz angelegt (17. Juli 1993).

Im Foyer des Kleinen Hauses ist am Sonntag die erste Deutsch-Dänische Gemeinschaftsausstellung eröffnet worden. Zu sehen sind Bilder und Objekte von Hobbykünstlern aus Delmenhorst, Kolding und Bremen-Huchting. Ein Mitglied der Huchtinger Freizeitkünstler ist Manfred Schreiber, er engagiert sich auch im Delmenhorst-Koldinger Partnerschaftskreis und gab den Anstoß, doch einmal gemeinsam mit Delmenhorsts dänischer Partnerstadt Kolding eine Ausstellung auf die Beine zu stellen. Während eines Besuchs der Freizeitkünstler in Kolding nahm die Idee dann festere Formen an und ist nun in die Tat umgesetzt worden (19. Juli 1993).


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