Delbus mit neuen Fahrzeugen

Grüner wird's noch

Beim Thema Klimaschutz spielen Bus und Bahn eh eine wichtige Rolle. Die Delbus hat zudem nun technisch aufgerüstet und acht neue Hybridbusse für Delmenhorst gekauft.
10.07.2020, 18:16
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Grüner wird's noch
Von Andreas D. Becker
Grüner wird's noch

Delbus-Chef Carsten Hoffmann und Werkstattleiter Dennis Kramer vor zwei der acht klimafreundlicheren Hybrid-Bussen.

INGO MÖLLERS

Nein, ganz elektrifiziert ist Horst, das Delbus-Maskottchen, noch nicht. Aber immerhin hybridisiert. Acht neue Linienbusse sind nun in die Flotte aufgenommen worden, alle mit modernsten Dieselmotoren und eben einem Elektromotor ausgestattet. Und sollten Kinder einmal Omnibus-Quartett spielen, würden sie alle anderen Modelle mit den neuen MANs in der Kategorie Verbrauch auf 100 Kilometer schlagen: 31 Liter sind es laut Herstellerangaben, 24 Prozent weniger als konventionelle Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor. „Das steht unserer Meinung nach einem E-Bus kaum nach“, sagt Carsten Hoffmann, Geschäftsführer des städtischen Busbetriebes. Und er warb mit Blick auf den Klimaschutz dafür, dass die Menschen vermehrt Bus fahren. „Wir sind immer Teil der Lösung, wenn Menschen dafür ihr eigenes Auto stehen lassen“, warb er für die klimaschonende Wirkung des ÖPNV, des Öffentlichen Personennahverkehrs.

Der Vergleich mit einem E-Bus geht nur auf, wenn der Blick nicht ausschließlich auf die Abgase gerichtet ist. Denn da ist ein E-oder Wasserstoff-Bus natürlich emissionsfrei und unschlagbar. Hoffmann betrachtete es aber globaler, schaute auf die Herstellung eines Akkus, auf die aufwendigere Verschrottung der Fahrzeuge. Und auch die Reichweite ist bis jetzt noch zu beschränkt, erste Modelle kommen langsam an 400 Kilometer ran, was gerade ausreichen würde, 280 bis 380 Kilometer rollt einer der Delbusse im Schnitt pro Tag durch die Stadt. Zwar würden in der Entwicklung dieser Technologien aktuell riesige Fortschritte erzielt, sagten Hofmann und Werkstattleiter Dennis Kramer, aber bevor E-Busse wirklich voll alltagstauglich sind, mache die nun gekaufte Brückentechnologie für den Klimaschutz schon viel aus.

Der Clou der neuen Busse ist, dass der Elektromotor Aufgaben übernimmt, die sonst auch Diesel gefressen haben. „Er versorgt die Bord-Elektronik mit Strom, also Licht, Monitor, Computer“, erzählt Hoffmann. Zudem ermöglicht er eine Start-Stopp-Automatik, die dafür sorgt, dass sich der Motor an Haltestellen oder vor roten Ampeln ausstellt und weniger Abgase in die Luft gepustet werden. Und der Elektromotor unterstützt den Diesel beim Anfahren und Beschleunigen. Die Energie für die Batterie produziert der Bus zudem selbst. „Wir tanken während der Fahrt“, sagt Hoffmann. Das Prinzip heißt Rekuperation, was so viel wie Wiedererlangen bedeutet. Immer wenn der Bus bremst oder sich im Leerlauf befindet, wird die dabei gewonnene Energie genutzt, um die Batterie zu laden. 230 000 Euro kostet eins der Fahrzeuge, 40 Prozent der Gesamtkosten für die Anschaffung wurden gefördert. Drei weitere sind bereits geordert.

Die Busse der neuesten Generation sind aber auch sicherer als ihre älteren Vorgängermodelle. „Wir haben nun Abbiegeassistenten“, erzählt Hoffmann. Eine Technik, die erst Ende vergangenen Jahres Serienreife erlangt hat. Der Busfahrer kann nun auf einem kleinen Monitor sehen, ob sich neben seinem Fahrzeug ein Radler oder Fußgänger bewegt. Ist dieser schneller als der Bus selbst, gibt es ein optisches Signal, spitzt sich die Situation zu, auch ein akustisches. Und: Die neuen Busse sind das erste Mal mit einer antiviral und antibakteriell wirkenden Beschichtung ausgestattet. „Damit wollen wir zumindest die Gefahr einer Schmierinfektion minimieren“, sagt Hoffmann. Damit die Nutzer nicht zu viele Aerosole ausatmen, gilt weiterhin die Maskenpflicht im Öffentlichen Nahverkehr.

Die Busse der neuen Generation sind nicht nur umweltfreundlicher, sie sind wegen der Dachaufbauten auch höher als ihre Vorgänger. Deswegen stößt die Delbus langsam an Kapazitätsgrenzen. „Ich freue mich sehr, dass der Aufsichtsrat der Empfehlung einer Machbarkeitsstudie gefolgt ist, dass wir eine neue Werkstatt bauen können“, sagt Hoffmann. Die jetzige stammt noch aus den 1970er-Jahren und entspricht nicht mehr dem Stand der Technik. Zudem müsste sie dringend saniert werden. „Aber dann verlieren wir auch den Bestandsschutz und müssten in der Folge auch in neuen Brandschutz und Weiteres investieren“, erzählt Hoffmann. Gerade bei den neuen Fahrzeugen müssten die Kollegen, die nach und nach in den neuen Technologien geschult werden, deutlich mehr am Dach arbeiten. Das ist in der jetzigen Halle schlicht schlecht. Um die drei Millionen Euro wird der Neubau wohl kosten. Hoffmann geht davon aus, dass er Ende 2023 eröffnet werden kann.

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