Vor 25 Jahren Delmenhorst damals: Jürgen Mehrtens wird Ehrenbürger

Der ehemalige Delmenhorster Oberstadtdirektor Jürgen Mehrtens ist mit der höchsten Auszeichnung bedacht worden, die seine Vaterstadt zu vergeben hat: dem Ehrenbürgerrecht. Mehrtens werde in die Geschichte der Stadt Delmenhorst eingehen, über die er so viel geschrieben und deren Geschicke er mitgestaltet habe, sagte Oberbürgermeister Jürgen Thölke, als er ihm im Rathaus vor Gästen aus allen gesellschaftlichen Bereichen die Urkunde zur Verleihung des Ehrenbürgerrechts überreichte.
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Delmenhorst damals: Jürgen Mehrtens wird Ehrenbürger
Von Andreas D. Becker

Der ehemalige Delmenhorster Oberstadtdirektor Jürgen Mehrtens ist mit der höchsten Auszeichnung bedacht worden, die seine Vaterstadt zu vergeben hat: dem Ehrenbürgerrecht. Mehrtens werde in die Geschichte der Stadt Delmenhorst eingehen, über die er so viel geschrieben und deren Geschicke er mitgestaltet habe, sagte Oberbürgermeister Jürgen Thölke, als er ihm im Rathaus vor Gästen aus allen gesellschaftlichen Bereichen die Urkunde zur Verleihung des Ehrenbürgerrechts überreichte. Mehrtens war von 1969 bis zu seiner Pensionierung 1977 Oberstadtdirektor. Sein Weg an die Spitze der Delmenhorster Verwaltung sei „eine schöne und geradlinige Karriere“ gewesen, sagte Thölke. Die ihm übertragenen Aufgaben habe Mehrtens mit Sachkompetenz, Geschick, Diplomatie und freundlich-tatkräftiger Schaffenskraft gelöst.

In seine Amtszeit fielen die Verschmelzung Hasbergens mit Delmenhorst, die Hochlegung der Bahn und die damit verbundene Umgestaltung des Bahnhofvorplatzes und auch die Schaffung und Gestaltung der Delmenhorster Fußgängerzone. Aber all das sei nicht der eigentliche Grund für die Ehrung gewesen, sagte der Oberbürgermeister, sondern Mehrtens' vielfältige ehrenamtliche Aufgaben und sein außergewöhnlicher Einsatz im sozialen, kulturellen und gesellschaftlichen Leben der Stadt.

Eine kleine Auswahl: Jürgen Mehrtens beteiligte sich unter anderem als Kreisvorsitzender des Roten Kreuzes am Aufbau der Aktion Essen auf Rädern, engagierte sich für den Katastrophenschutz, drängte auf die Modernisierung des DRK-Altenheims und ist Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Delmenhorster Wohlfahrtsverbände. Die St.-Polykarpus-Gilde verdankt Mehrtens ihre Wiederbelebung, und auch der Delmenhorster Heimatverein hat von ihm viele Impulse zu heimatkundlichen Exkursionen, Forschungen und Publikationen erhalten. Darüber hinaus lag ihm als Vorsitzendem des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge die Aussöhnung mit Frankreich am Herzen, und so vermittelte er durch die Pflege von Soldatengräbern Freundschaften zwischen Jugendlichen aus Frankreich und Deutschland. Und an der Einigung Europas beteiligt er sich durch sein Engagement im Europa-Komitee. Verkehrsverein, Verkehrswacht, Kontaktkreis zur Bundeswehr oder auch die Lehrtätigkeit an der Altenpflegeschule sind weitere Felder, auf denen sich Mehrtens ehrenamtlich betätigt.

Jürgen Mehrtens ist nach Ernst Koch-Weser, Rudolf Königer, Wilhelm von der Heyde, Otto Jenzok und Ernst Eckert der sechste Delmenhorster Ehrenbürger. Elternhaus und Schule hätten ihn entscheidend geprägt, sagte Mehrtens, und auch ein Schlüsselerlebnis gehört dazu: Während des Krieges wurden zwei sogenannte Wehrunwürdige aus einem Konzentrationslager seinem Bataillon zugeteilt, und Mehrtens, der im April 2003 im Alter von 91 Jahren verstarb, nahm sich dieser beiden Soldaten aus einem inneren Antrieb heraus an. Sie vergalten ihm diese Zuwendung: Als er bei einem russischen Angriff verletzt auf dem Gefechtsfeld liegen blieb, holten die beiden ihn unter Einsatz ihres Lebens heraus (29. Oktober 1991).


Mit einem Blumenstrauß wurde gestern Neubürger Franz Kattinger im Delmenhorster Einwohnermeldeamt begrüßt. Grund für diese überaus herzliche Geste: Franz Kattinger ist der 77 000. Einwohner der Stadt. So viele Einwohner hatte Delmenhorst noch nie. Verstärkte Zuwanderungen und steigende Geburtenraten seien für diese Entwicklung ursächlich. Für Mitte der 90er-Jahre rechnen die Statistiker der Stadt sogar mit dem Sprung über die 80 000-Einwohner-Marke (31. Oktober 1991).


Das Friseurhandwerk gerate wirtschaftlich immer mehr unter Druck, hieß es auf der Versammlung der Friseurinnung Delmenhorst/Oldenburg-Land. Dazu trügen vor allem die ständig steigenden Lebenshaltungskosten wie Mieten und steigende Steuern bei, sagte Landesinnungsmeister Schöne im Haus des Handwerks. Der Friseurbesuch müsse für Otto-Normalverbraucher aber bezahlbar bleiben (1. November 1991).


Die Delmenhorster Chemie-Firma Brauns und Heitmann – vielen besser unter ihrem ehemaligen Namen Annen-Chemie bekannt – macht zum Jahresende dicht und geht in den Mutterkonzern in Marburg über. 30 Mitarbeiter, vor allem Frauen, verlieren ihren Arbeitsplatz. In Glanzzeiten beschäftigte Annen-Chemie rund 120 Mitarbeiter. Das Unternehmen hatte sich mit umweltverträglichen Reinigungsmitteln einen Namen gemacht – unter anderem durch das flüssige Waschpulver vom Fass (2. November 1991).


Zunehmender Fremdenhass und Ausschreitungen gegen Ausländer haben den Delmenhorster Stadtsportbund zu einem Aufruf veranlasst. Er appelliert an die in den Vereinen organisierten Sportler zur Solidarität mit Aussiedlern, Ausländern und Asylbewerbern. Jegliche Gewaltanwendung sei verabscheuungswürdig. Vielmehr seien spontane Solidaritätsaktionen vonnöten, um den durch Ausschreitungen verängstigten Asylbewerbern zu helfen (2. November 1991).


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