Erste deutsche Stadt mit Auszeichnung für vorbildliche Unfallprävention Delmenhorst ist nun offiziell eine sichere Stadt

Delmenhorst. Delmenhorst trägt nach zwölf Jahren Vorarbeit als erste deutsche Stadt das Zertifikat "Safe Community" (sichere Gemeinschaft). Anlässlich dieser Zertifizierung ist im Hanse-Wissenschaftskolleg über Kindersicherheit diskutiert worden.
26.03.2011, 05:00
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Von Ayleen Finkenzeller

Delmenhorst. Was lange währt, wird bekanntlich gut. Oder: Delmenhorst trägt nun nach zwölf Jahren Vorarbeit als erste deutsche Stadt das Zertifikat "Safe Community" (sichere Gemeinschaft). Anlässlich dieser Zertifizierung trafen sich gestern im Hanse-Wissenschaftskolleg (HWK) zahlreiche Wissenschaftler aus dem Bereich Prävention von Kinderunfällen, um zusammen mit Vertretern der Bundesarbeitsgemeinschaft (BAG) Kindersicherheit und der Weltgesundheitsorganisation (WHO) bisherige Ergebnisse zu präsentieren und zu diskutieren.

"Hier ist alles vertreten, was auf dem Gebiet Rang und Namen hat", erklärte Dr. Johann Böhmann, Leiter der Kinderklinik und Koordinator der "Safe Community" Delmenhorst. Bevor am Nachmittag das Zertifikat offiziell im Großen Ratssaal zusammen mit WHO-Mann Bo Henricson aus Schweden verliehen wurde, stellten die Unfallforscher unter anderem die Maßnahmen zur Kinderunfallprävention in Deutschland sowie praktische Beispiele aus Delmenhorst vor.

Was in Deutschland getan wird, um Unfälle von Kindern zu vermeiden, sei unzureichend, findet Böhmann. Seiner Ansicht nach beruhe dieses Problem auch auf dem geringen Engagement deutscher Ärzte. "Ich finde es unverständlich, dass so wenig seitens der Kinderärzte gemacht wird", betonte Böhmann. Dabei sterben jedes Jahr 500 bis 600 Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren bei einem Unfall - damit sei es Haupttodesursache in dieser Altersgruppe, noch vor einer Krebserkrankung.

Schätzungen zufolge seien 60 Prozent der Vorfälle vermeidbar. "Die Hochrisikogruppe sind Kinder im Alter von null bis vier Jahren", berichtete er. Häufigste Unfallursachen seien in diesem Zusammenhang Verbrennungen mit heißem Wasser, gefolgt von Stürzen und sogar Ertrinken, erläuterte Böhmann. In manchen Fällen passten die Eltern nicht genug auf oder seien sich der Gefahren, die im Alltag lauern, nicht bewusst. Daher sei in Delmenhorst unter anderem die "Riesenküche" entwickelt und aufgebaut worden. "Wir wollen Eltern dafür sensibilisieren, dass auch in der Küche etwas passieren kann", erklärt er.

Die Verleihung des Zertifikates sei Anlass dafür, die bisherige Arbeit für Kinderunfallprävention zu intensivieren. "Mit diesem Zertifikat haben wir auch eine gewisse Verpflichtung", verkündete der Chefarzt. Mit einem Honorar für die bisherigen Leistungen in diesem Gebiet sei aber nicht zu rechnen. Generell sei die finanzielle Unterstützung vom Staat für die Unfallprävention bei Kindern eher gering. "Weltweit wird für die Unfallprävention von Kindern, genauso viel gezahlt, wie für die Erkrankung von Schuppenflechte", berichtet er missmutig. Anscheinend sei kaum jemand bereit, präventiv tätig zu werden.

Mit dem Titel "Safe Community" erhoffen sich der Chefarzt sowie die Wissenschaftler, die sich für Kinderunfallprävention einsetzen, dass die Aufmerksamkeit auf dieses Thema gelenkt und das allgemeine Interesse daran größer wird. "Wir hoffen, dass sich auch andere Landkreise dafür interessieren", sagt er. Er wünscht sich, dass Delmenhorst nicht die einzige sichere Gemeinschaft in Deutschland bleibt.

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