Hoher Besuch "Was wir dem Ministerpräsidenten zeigen können"

Ministerpräsident Stephan Weil war zu Besuch auf dem Gut Dauelsberg in Delmenhorst.
02.08.2022, 08:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Emil Stock

"Wir freuen uns immer, wenn der Ministerpräsident hier nach Delmenhorst kommt", leitete Deniz Kurku, SPD-Landtagsabgeordneter, den Besuch von Landesvater Stephan Weil ein. Dieser besuchte an diesem Montag den Sozialbetrieb Gut Dauelsberg an der Syker Straße. "Auf die Frage, was wir zeigen könnten, ist dieses besondere Konstrukt die Antwort", erklärte Kurku. Auf einem Rundgang wurden dem Ministerpräsidenten die verschiedenen Bereiche des Guts präsentiert und vorgestellt. "Die Verbindung zwischen sozialem Bereich, Landwirtschaft und Nachhaltigkeit macht das Gut zu einem besonderen Ort", so der Landtagsabgeordnete. Zusätzlich sei die Einrichtung auch mit der Delmenhorster Stadtgesellschaft verbunden.

Der Rundgang begann in der hauseigenen Kirche, der deutschlandweit drittältesten Einrichtung für obdachlose Menschen. "Die Kirche bietet vielen hier gesellschaftlichen Anschluss", sagte Einrichtungsleiter Carsten Sauerwein. Insgesamt wohnen rund 100 Menschen auf dem Gut. "Hier leben ehemals Obdachlose, die hiergeblieben sind", sagte Sauerwein. Es kämen aber auch viele Anfragen von alten Menschen, die einfach dort leben wollen würden oder sich vollstationär pflegen lassen möchten. Allen könne das Gut Dauelsberg etwas bieten. "Wir beschäftigen hier alle Berufsgruppen, vom Landwirt, über den Pfleger bis zum Sozialpädagogen", so Sauerwein. Auf dem Gut sind 65 Menschen beschäftigt. Ministerpräsident Weil zeigte sich beeindruckt: "In den ersten fünf Minuten wurde ich schon drei Mal überrascht."

"Wir müssen sparen"

Weiter ging es über das Blockblockheizkraftwerk und die hauseigene Großwäscherei zur Hackschnitzelanlage. "Mit dieser Anlage können wir hier alle Gebäude und auch das Wasser heizen", sagt Sauerwein. Die Hackschnitzel würden alle aus der Region stammen und werden in den alten Silos des Hofes gelagert. Ganz verschont würde der Hof von steigenden Preisen allerdings auch nicht. "Wir hoffen doch, dass die Pflege eine Sonderstellung genießen würde, wenn es um Thema Kosten geht", sagte Jens Haake, Leiter des Gebäudemanagements des Bezirksverbands Oldenburgs. Ministerpräsident Weil schränkte aber ein, dass alle in Deutschland 15 Prozent sparen müssten, um von Russlands Energielieferungen unabhängig zu werden.

Eine zentrale Rolle für Gut Dauelsberg spielt die Landwirtschaft: "Zurzeit machen wir eine Umstellung zum Bio-Betrieb", erklärte Uwe Schuirmann, Betriebsleiter der Landwirtschaft der Einrichtung. Vor allem wolle man sich auf Ackerbau konzentrieren. "Unsere Milchkühe müssen wir abgeben, unser alter Stall ist ein Ausschlusskriterium für Bio-Milcherzeugnisse", so Schuirmann. Dafür wolle man Nischenprodukte finden und diese anbauen und anbieten. "Wir ziehen den Anbau von Dinkel, Hopfen und Hanf in Betracht", führte Schuirmann fort. Man stehe vor einer großen Veränderung und Herausforderung. "Zum Glück gibt es den 'Niedersächsischen Weg'", so Schuirmann. Die steigenden Kosten könne die Einrichtung so etwas abfangen. "Das macht mich stolz, zu sehen, dass der Niedersächsische Weg so gut funktioniert", betonte Weil. Die erzeugten Produkte werden zum einen im hauseigenen Hofladen verkauft. Zum anderen aber auch an die Gastronomie. So auch die von der Einrichtung angebauten Kartoffeln, die in der hofeigenen Kartoffel-Schäl-Anlage für den Verkauf verarbeitet. Das Konzept der Direktvermarktung überzeugte den Ministerpräsidenten.

Jeder Arbeitskraft zählt

Schuirmann betonte aber auch den sozialen Aspekt: "Die Landwirtschaft ist für die Bewohner sehr wichtig, weil die Arbeit ihnen Struktur gibt." Rund ein Viertel der Bewohner arbeite in diesem Bereich. Ullrich Heinken, einer der Arbeiter an der Kartoffel-Schäl-Anlage kam als Obdachloser. Jetzt hat er seit einigen Jahren wieder eine Wohnung und kommt zum Arbeiten auf den Hof. "Es ist uns wichtig, Menschen auch sinnvoll zu beschäftigen", sagte Sauerwein. Die Bewohner könnten sich mit der Arbeit und ihrem Arbeitsplatz identifizieren. "Auf der anderen Seite sind wir so auf alle arbeitenden Bewohner angewiesen", erklärte der Einrichtungsleiter. Jeder Ausfall würde ein Loch in die Arbeitskette reißen. "Wir hängen in der Versorgungskette drin, da brauchen wir jede Kraft", betonte Sauerwein. Auch bei den Angestellten der Einrichtung sei ein Ausfall ein schwerer Schlag. "Unsere Einrichtung leidet sehr unter dem Fachkräftemangel", sagte Einrichtungsleiter Sauerwein. "65 Angestellte hört sich zwar erstmal viel an, wenn man das auf die verschiedenen Bereiche und Schichten verteilt, wird das aber auch knapp."

Zur Sache

Die Einrichtung

Das Gut Dauelsberg besteht aus unterschiedlichen Gebäuden, wie Wohngebäuden, Werkstätten, Ställen und Gastronomie. Es beherbergt eine Einrichtung der Wohnungslosenhilfe, der stationären Eingliederungshilfe für Menschen mit seelischen Beeinträchtigungen und der vollstationären Pflege. Betrieben wird die Einrichtung vom Bezirksverband Oldenburg. Das Gut Dauelsberg bietet die Beschäftigung in den eigenen Werkstätten, dem landwirtschaftlichen Betrieb und Arbeits- und Qualifizierungsangebote für langzeitarbeitslose Menschen. Oberstes Ziel der Einrichtung ist es, Menschen ein Zuhause zu geben.

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