Mehr als nur das Nordwollegelände betrachten

Erinnerung an Industriestandorte wach halten

Der Verein „Förderkreis Industriemuseum“ fordert für ein entsprechendes Konzept auch weitere Orte, als nur das Nordwolle-Gelände ins Auge zu fassen.
22.03.2021, 15:01
Lesedauer: 3 Min
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Erinnerung an Industriestandorte wach halten
Von Gerwin Möller
Erinnerung an Industriestandorte wach halten

2016 wurde das Rathausmodell auf dem Marktplatz aufgestellt, später zog es zum Holzsteg der Delme-Terrassen um. Unser Foto zeigt Oberbürgermeister Axel Jahnz (vorne rechts) und den Vorsitzenden des Heimatvereins, Friedrich Hübner (Mitte).

Ingo Möllers

Auch der Förderkreis Industriemuseum Delmenhorst (FID) begrüßt den Beschluss des Wirtschaftsausschusses aus der vorvergangenen Woche, die Delmenhorster Geschichte in der Innenstadt stärker ins Bewusstsein der Einwohner zu bringen. Das erklärt der Vorsitzende Friedrich Hübner. Das stärke die Identifikation der Bevölkerung mit der Geschichte ihrer Stadt. Schon vor über einem Jahr habe man der Stadt eine Vorschlagsliste mit 25 Orten überreicht. Damit könnte die Delmenhorster Industriekultur über die Nordwolle hinaus in der Stadt sichtbar gemacht werden. Es gehe um Geschichte und Aufklärung. Die Industriegeschichte Delmenhorsts sei ein Markenzeichen der Stadt. Immerhin werde seit den 1990er-Jahren mit einer großen Hinweistafel an der Autobahn daran erinnert.

„Auf dem Nordwolle-Gelände gibt es schon seit längerer Zeit den gut auf Informationstafeln erläuterten Außenrundgang“, sagt Hübner. In ähnlicher Weise sollte auch an die vielen anderen früheren Standorte von seinerzeit bedeutenden Industrie- und industrienahen Betrieben in Delmenhorst erinnert werden. „So kann die Marke 'Industriekultur' in der Stadt breiter als bisher unterlegt werden“, sagt der Vorsitzende, der bis 2006 über zwölf Jahre lang als Dezernent im Rathaus fungiert hatte.

„Welcher Kauflandkunde im Markt an der Stedinger Straße weiß denn heute noch, an welchem früheren Industriestandort er dort seine Einkäufe tätigt“, nennt Hübner ein Beispiel. Er bedauert, dass das Handelsunternehmen den Vorschlag, den Parkplatz als „Hansaplatz“ und den Markt danach zu benennen, abgelehnt hatte. Es fehle bis heute wenigstens eine Informationstafel, die über die Geschichte aufklärt. Hübner fallen gleich mehrere Nutzungen ein, einst war dort die Linoleumfabrik Hansa, die Weserflug war dort angesiedelt und es gab das Barackenlager „Hansaplatz“.

Ähnlich liege der Fall in Bezug auf viele andere alte Standorte in der Stadt. Deren Vergangenheit sei nur noch wenigen, besonders interessierten Menschen bekannt. An der Fischstraße stand einmal das Gaswerk, an der Mühlenstraße nahe dem Müller vor der Post war der Standort der Mühlenwerke/Mondamin, am Ort des Feuerwehrhauses an der Rudolf-Königer-Straße befand sich ein Presskorkwerk, und ein anderer Hersteller von Linoleum operierte von der Ludwig-Kaufmann-Straße aus. Hübner meint, auch noch verborgene Schätze zur Geschichte der Industriekultur heben zu können. Einen Ort kennt er nicht, aber er wisse, dass es zur Kaiserzeit in Delmenhorst sogar eine Stätte des Automobilbaus gegeben habe.

„Immerhin sind im Haushalt der Stadt bereits Mittel für einen ersten Standort einer Informationstafel außerhalb der Nordwolle eingestellt“, freut sich Hübner. Dies betreffe eine Tafel für den „Frauenort Ruth Müller“. Erinnert werden soll damit an die Industriearbeiterin auf der Wolle. Und zwar an einem grundsätzlich anderen Standort als dem ehemaligen Fabrikgelände. Es geht um die Aufstellung einer Skulptur und einer Tafel auf dem Bahnhofsvorplatz. Die Erinnerung an Ruth Müller gehört für Hübner genau dorthin, wo viele Menschen vorbeikommen. „Wegen der Pandemie und der noch laufenden Planungen in diesem Bereich konnte diese Tafel, mit der der Frauenort auch in die Stadt gebracht werden soll, noch nicht aufgestellt werden“, sagt er.

Nach schrittweiser Realisierung solcher weiterer Informationstafeln könne man dazu auch einen Rundgang, einen Flyer, eine Karte und eine App für das Handy machen. „Nur es muss nach unserer Meinung auch einen Punkt an dem jeweiligen Standort geben, wo der gezielt kommende Interessierte und auch der zufällige Passant eine Information über den jeweiligen Betrieb findet“, sagt Hübner. Der Freundeskreis regt an, dass der Kulturausschuss sich einmal mit diesem Vorschlag beschäftigt, und wünscht, „dass eine weitere, wenigstens schrittweise Umsetzung des Vorschlags in Gang gebracht wird“.

Auch in seiner weiteren Funktion, als Vorsitzender des Heimatvereins Delmenhorst, begrüßt Hübner den Beschluss des Wirtschaftsausschusses und verweist auf die Aktivitäten zur Aufstellung der Skulptur Jan Tut, der Zeittafel am Burginseleingang, das Schlossmodell am Zugang zur Burginsel und das Rathausmodell auf dem Rathausplatz.

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