DELMENHORSTER KURIER VOR 25 JAHREN

Elternstreik in Annenheide

An der Grundschule in Annenheide fiel für einen Tag der Unterricht aus, zudem traf sich die CDU-Prominenz zum Parteitag in der Delmeburg. Das alles passierte vor 25 Jahren.
05.06.2020, 18:12
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Von Volkmar Friedrichs
Elternstreik in Annenheide
TAMMO ERNST

An der Grundschule in Annenheide fiel für einen Tag der Unterricht aus. Die Eltern der Schüler hatten zum Schulstreik aufgerufen und dazu den Eingang blockiert, um auf die in ihren Augen unhaltbare Personalsituation an der Grundschule zu protestieren. Das Fass zum Überlaufen hat bei Schulelternrat und Elternvertretungen der einzelnen Klassen die drohende Abberufung von zwei sogenannten Springerinnen gebracht, die als Vertretung für zwei seit vergangenem Herbst schwer erkrankte Klassenlehrer nach Annenheide abgeordnet worden waren. Die beiden Lehrer werden laut Elternrat auch im nächsten Schuljahr fehlen. (8./9. Juni 1995)


Die Personalausgaben der Stadt Delmenhorst werden in diesem Jahr voraussichtlich auf 72,7 Millionen Mark klettern. Und das, obwohl die Stadtverwaltung doch bestrebt war, möglichst eine Million an Personalkosten einzusparen. Aber daraus wird nun nichts. Schuld daran sind vor allem die wider Erwarten kräftigen Tariferhöhungen im öffentlichen Dienst. (7. Juni 1995)


Das Gymnasium an der Willmsstraße war über Pfingsten Domizil von 65 Schülern aus ganz Niedersachsen. Die Mädchen und Jungen waren nach Delmenhorst gekommen, um am „Umwelt-Kindergipfel“ teilzunehmen, zu dem die Delmenhorster Tierschutzjugend zusammen mit Umweltschutzgruppen eingeladen hatte. Themen des Treffens waren Tiere, Regenwald und Müll. Die Schirmherrschaft hatte Oberbürgermeister Jürgen Thölke übernommen, und die Gesamtleitung lag in Händen von Henning Suhrkamp. Die Kinder im Alter zwischen sieben und 14 Jahren wollten über Pfingsten gemeinsam darüber nachdenken, worunter die Natur leidet und was in der Umweltpolitik alles falsch läuft. Dazu wurden Arbeitsgruppen gebildet, die sich mit den Bereichen Tropenholz, Massentierhaltung und allgemeiner Ökologie befassten. Mit dem erworbenen Wissen ging es anschließend nach draußen. Dort stieß zum Beispiel eine Gruppe in einem Baumarkt auf Artikel aus Tropenholz und brachte daraufhin den stellvertretenden Filialleiter mit der Frage in Verlegenheit, warum er Waren aus Mahagoni-Holz anbietet. Andere junge Umweltschützer erkundeten derweil den Stenumer Wald und den Garten des BUND am Poggenpohl in Heide. (6. Juni 1995)


So viel CDU-Prominenz gab es wohl noch nie an einem Wochenende in Delmenhorst. Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth, Bundesforschungsminister Jürgen Rüttgers, CDU-Generalsekretär Peter Hinze und der Oppositionsführer im niedersächsischen Landtag, Christian Wulff, waren zumindest für einen Tag nach Delmenhorst gekommen, um am Landesparteitag der niedersächsischen CDU in der Delmeburg teilzunehmen. (10./12. Juni 1995)


Beliebteste Inszenierung der Niederdeutschen Bühne Delmenhorst war in der vergangenen Spielzeit „De Düvelsblitz“. Mehr als 7000 Besucher haben sich das Volksstück angesehen. Insgesamt gab es in der Saison 1994/95 vier Inszenierungen mit 52 Aufführungen und 23 317 Zuschauern. Damit sind die Zuschauerzahlen wieder gestiegen, was auf der Jahreshauptversammlung der Bühne für Freude sorgte. Vorsitzender Hans Rosenboom, zweiter Vorsitzender Heinrich Caspers und Geschäftsführerin Luzie Piest wurden bei der Zusammenkunft in ihren Ämtern bestätigt. (8. Juni 1995)


Die Hasberger Wassermühle erwies sich am Pfingstmontag, dem bundesweiten Mühlentag, wieder einmal als attraktives Ausflugsziel. Laut Kurt Freimuth, dem Vorsitzenden der Dörfergemeinschaft Hasbergen, sahen sich rund 300 Gäste in dem Mühlenmuseum um. Viele Besucher werden auch zu der in zwei Tagen startenden Sonderausstellung „Reet“ erhofft. Die von Roland Buschmeyer initiierte und auch mit vorbereitete Schau zeigt anhand von Fotos, Objekten und praktischen Demonstrationen den Weg von der Ernte bis zur Verarbeitung des Reets. (9. Juni 1995)


In Delmenhorst soll man bald auch seinen „Doktor Del“ machen können. Das jedenfalls plant der Delmenhorster Verkehrsverein, der jetzt auf ein erfolgreiches Jahr zurückblickte. Die Mitgliederzahl sei im vergangenen Jahr um 26 Personen auf 111 gewachsen, teilte Verkehrsvereins-Vorsitzender Norbert Boese der Versammlung mit. Noch trage die Stadt drei Viertel zum Haushalt des Vereins bei, die privaten Unternehmen den Rest. „Langfristig ist es unser Ziel, dieses Verhältnis umzukehren“, sagte Boese. (10. Juni 1995)


Massenkarambolage auf der Autobahn 28 in Ganderkesee. Ursache: eine auf die Fahrbahn gelaufene Katze. Eine Autofahrerin aus Weyhe hatte das beobachtet und hielt auf dem befestigten Seitenstreifen an, um dem Tier das Leben zu retten. Hinter ihr fuhren Bekannte von ihr, die ebenfalls anhielten. Der nachfolgende Autofahrer konnte das Geschehen nicht so richtig einordnen und bremste erst mal vorsichtshalber. Das zwang einen weiteren Fahrzeugführer, nach links auf die Überholspur auszuweichen, wo er von einem mit hoher Geschwindigkeit nahenden Wagen gerammt wurde. Sein Wagen drehte sich durch den Aufprall und stieß auf den Randstreifen gegen die Fahrzeuge der Katzenretter. Fazit: Drei Verletzte und fünfmal Blechschaden. Die Miezekatze kam mit dem Schrecken davon. (12. Juni 1995)


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