75 Jahre WESER-KURIER

Viel besser als das Image

Die industrielle Vergangenheit prägt die Stadt Delmenhorst bis heute. Dabei fällt auf: Mit Delmenhorst und dem Landkreis Oldenburg geht es um Nachbarn, die unterschiedlicher kaum sein könnten.
18.09.2020, 07:02
Lesedauer: 3 Min
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Von Andreas D. Becker und Jochen Brünner

Delmenhorst hat ein Imageproblem. Delmenhorster kennen das, wenn sie Menschen aus der Region erzählen, woher sie kommen. Meistens blickt man dann in einen Gesichtsausdruck, der sagt: Puh, auch kein einfaches Schicksal. Menschen aus der Region, die an Delmenhorst denken, haben die tristen Betonburgen des Wolleparks mit seinen vielen Problemen vor Augen, sie denken an eine hohe Arbeitslosenquote, den Niedergang der Industrie; und sowieso sei Delmenhorst doch eine Kriminalitätshochburg.

Alte Industriekultur

Es sind teilweise Altklischees, die an der Stadt kleben und nicht abgehen, obwohl sie nun wirklich nicht mehr stimmen. Was vielleicht auch daran liegt, dass sich Delmenhorster selbst gern über ihre Stadt beschweren. Der Schauspieler Johannes Mitternacht und Stadtkirchenpfarrer Thomas Meyer bieten deswegen genau unter diesem Motto eine Stadtführung an. Sie geben dann typische „Nörgelhorster“, um dann festzustellen: Mensch, die Stadt hat ja echt schöne Seiten.

Größtes Schmuckstück ist wohl die Nordwolle, das Areal der ehemaligen Norddeutschen Wollkämmerei und Kammgarnspinnerei. Das Nordwestdeutsche Museum für Industriekultur ist unbedingt einen Besuch wert, die Überbleibsel der alten Industriekultur dort zu entdecken inklusive des Landschaftsparks der ehemaligen Besitzerfamilie der Fabrik verblüfft Besucher (und übrigens auch viele Delmenhorster) regelmäßig, weil viele gar nicht wissen, welches industriekulturelle Kleinod da in der Region schlummert. Und gar nicht weit entfernt leistet sich Delmenhorst ja tatsächlich mit der Städtischen Galerie eines der renommiertesten Kunstmuseen der Region.

Zugegeben, die Innenstadt leidet aktuell, aber das ist ein Problem, das die Delmenhorster nicht exklusiv haben. Aber wer auf dem Rathausplatz kaffeesiert, wird beim Blick auf das Rathaus eine Ahnung davon bekommen, wie stolz und modern die selbstbewusste, aufstrebende Industriestadt Delmenhorst zu Beginn der 20. Jahrhunderts einmal war. Und von dort ist es nicht weit in die Graftanlagen, einem wunderschönen Park, in dem einst die Burg der Delmenhorster Grafen stand.

Eine ganz andere Welt

Für Menschen, die nicht im Landkreis Oldenburg leben, ist das Gebiet zwischen Ganderkesee, Hude und Wildeshausen vor allem als Fahrradregion attraktiv. Gerade haben die Kommunen in Kooperation mit dem Zweckverband Naturpark Wildeshauser Geest ein neues Knotenpunktsystem installiert, das auch ortsunkundige Radler problemlos durch die Region führt. Erste Anlaufpunkte sind die Kreisstadt Wildeshausen mit dem historischen Rathaus und der Alexanderkirche, der einzigen Basilika im Nordwesten, die Gemeinde Hude mit der Klosterruine aus dem 13. Jahrhundert sowie die Gemeinde Ganderkesee mit der St.-Cyprian-und-Corneliuskirche und ihrer Arp-Schnitger-Orgel.

Als weiteres Ausflugsziel bietet sich der Hasbruch an, in dem einige der ältesten Eichen Niedersachsens zu finden sind. Familien kommen vor allem im Tier- und Freizeitpark Ostrittrum in der Gemeinde Dötlingen auf ihre Kosten. Ebenfalls bei Ausflüglern beliebt ist die historische Kleinbahn „Jan Harpstedt“, die an ausgewählten Sonn- und Feiertagen zwischen Harpstedt und Delmenhorst pendelt. Wer in die Urgeschichte eintauchen mag, folgt der touristischen „Straße der Megalithkultur“, die die vorhandenen, rund 4000 Jahre alten Großsteingräber miteinander verbindet. Die bekanntesten sind etwa Visbeker Braut und Bräutigam sowie das Pestruper Gräberfeld, das vor allem während der Heideblüte im Herbst einen Besuch lohnt.

Erdgas-Gebiet

In seinem jetzigen Zuschnitt ist der Landkreis Oldenburg, in dem etwa 130 000 Menschen leben, ein Konstrukt der niedersächsischen Kreisreform aus dem Jahr 1977.

Außer den genannten Gemeinden gehören auch noch die Gemeinden Großenkneten, Hatten und Wardenburg sowie die Samtgemeinde Harpstedt zum Verwaltungsgebiet. Die Firma Exxon Mobil betreibt in der Gemeinde Großenkneten eine der weltweit größten Aufbereitungsanlagen für Erdgas, zudem gibt es in Dötlingen einen großen Erdgasspeicher. Von Ganderkesee aus liefert der Baggerhersteller Atlas seit mehr als 100 Jahren seine Maschinen in alle Welt.

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Der DELMENHORSTER KURIER erscheint seit 1971 und berichtet aus der kreisfreien Stadt Delmenhorst und dem Landkreis Oldenburg mit den Schwerpunkten Gemeinde Ganderkesee, Gemeinde Hude, Kreisstadt Wildeshausen und Samtgemeinde Harpstedt.

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Dieser Artikel ist Teil der Sonderveröffentlichung zum 75. Geburtstag des WESER-KURIER. Am 19. September 1945 erschien die erste Ausgabe unserer Zeitung. Anlässlich des Jubiläums blicken wir zurück auf die vergangenen Jahrzehnte: Erinnern uns an die Anfänge unserer Zeitung und auch an die ein oder andere Panne. Und wir schauen nach vorn: Wie werden Künstliche Intelligenz und der Einsatz von Algorithmen den Journalismus verändern? Natürlich denken wir auch an Sie, unsere Leser und Nutzer. Wer folgt unseren Social-Media-Kanälen, wer liest unsere Zeitung? Was ist aus den Menschen geworden, über die wir in den vergangenen Jahren berichtet haben? Und wie läuft er eigentlich ab, so ein Tag beim WESER-KURIER?

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