Delmenhorster vor Gericht

Prozess um sexuellen Missbrauch

In 32 Fällen soll sich ein heute 54-Jähriger an Mädchen vergangen haben. Die mutmaßlichen Taten liegen rund zwei Jahrzehnte zurück, erst jetzt muss sich der Mann vor dem Landgericht Oldenburg verantworten.
12.04.2021, 17:07
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Prozess um sexuellen Missbrauch
Von Björn Struß
Prozess um sexuellen Missbrauch

Symbolbild

Frank Rumpenhorst/dpa

Es sind Tatvorwürfe, die auch rund zwei Jahrzehnte später immer noch sehr schwer wiegen: sexueller Missbrauch von Kindern in 32 Fällen. Ein heute 54-jähriger Mann soll sich im Zeitraum von 1995 bis 2003 in Delmenhorst an unter 14-jährigen Mädchen vergangen haben. Es waren Verwandte des Mannes, ein Mädchen war die jüngste Schwester seiner inzwischen geschiedenen Frau. Zu den sexuellen Handlungen soll es in der Nacht gekommen sein. Der Mann glaubte, seine Opfer würden schlafen. Dafür muss er sich nun vor dem Landgericht Oldenburg verantworten. Ein weiterer Vorwurf der Anklage: Das Zeigen eines kinderpornografischen Films in Anwesenheit zweier Mädchen.

Zum Prozessauftakt äußerte sich der Angeklagte mit keinem Wort. Sein Verteidiger verwies auf eine Einlassung, die offenbar nur im Schriftverkehr der Prozessbeteiligten existiert. Darin weist der Mann alle Anschuldigungen von sich und bezeichnet sie stattdessen als Komplott seiner geschiedenen Frau. Die Ex-Frau und ihre Schwester hätten ein Trauma nicht verarbeitet, ihr Vater habe sie sexuell missbraucht. Diese Taten projiziere die jüngste Schwester nun auf ihn. Der Verteidiger formulierte seine Zweifel an den Vorwürfen so: „Die Taten sollen sich abgespielt haben, während viele Menschen in der Wohnung untergebracht waren. Warum sollte sich jemand während dieses Bads in der Menge seiner Verwandten an einem Mädchen vergehen?“

Der Vorsitzende Richter Michael Sievers gab aber auch klar zu verstehen, dass sich die Vorwürfe trotz der lange zurückliegenden Taten nicht in Luft auflösen werden: „Es ist nicht unwahrscheinlich, dass etwas von den angeblichen Lügen an Ihnen hängenbleibt.“ Diese Botschaft bekräftigte auch die Nebenanklage. Durch die therapeutische Aufarbeitung könnte ein Opfer die Taten nun deutlich genauer schildern, als es der Frau noch bei der Vernehmung durch die Polizei möglich gewesen war.

Den ersten Verhandlungstag nutzten die Beteiligten für ein längeres Gespräch abseits des öffentlichen Prozesses. Danach stand eine neue Einlassung der Verteidigung im Raum. „Sie können dem Opfer viele detailreiche Schilderungen ersparen“, mahnte Sievers in Richtung des Angeklagten. Diese Worte zeigten offenbar Wirkung, am zweiten Verhandlungstag gab es eine neue vorformulierte Aussage des 54-Jährigen. Vor der Verlesung schloss das Gericht allerdings die Öffentlichkeit von dem Prozess aus. Angesetzt sind vier weitere Verhandlungstermine bis zum 19. Mai.

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