Als Seelsorgerin in San Francisco Delmenhorsterin im Auftrag des Vaters und des Sohnes in der Bay Area

Seit Jahren arbeitet die gebürtige Delmenhorsterin Kerstin Weidmann als evangelische Pastorin in den USA. Ihre aktuelle Station ist San Francisco. Dort ist sie einer ganz speziellen Gemeinde tätig.
14.01.2015, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Andreas D. Becker

Es war ein weiter Weg, der die gebürtige Delmenhorsterin Kerstin Weidmann zu ihrer aktuellen Stelle geführt hat, einer über Länder- und Konfessionsgrenzen hinweg. Seit mehreren Jahren arbeitet sie als evangelisch-lutherische Pastorin in den USA, seit Neuestem in der deutschen Gemeinde von San Francisco.

Es ist einfach anders. Nur weil evangelisch-lutherisch draufsteht, lässt sich die Arbeit von Kerstin Weidmann nicht mit der eines deutschen Kollegen vergleichen. „Das fängt schon damit an, dass das System anders ist, unsere Kirche agiert wie eine Freikirche“, erklärt die Pastorin der St. Matthew’s Lutheran Church, die die meisten aber St. Matthäus nennen. Es ist eine deutsche Gemeinde, sogar eine größtenteils deutschsprachige Gemeinde. Mitten im Herzen von San Francisco.

Große Exilgemeinde

Von daher war Kerstin Weidmann prädestiniert für den Posten, eine Muttersprachlerin für die Exilgemeinde. Und es ist eine große Exilgemeinde. „Allein in der Bay Area leben rund 40 000 Deutsche“, erzählt die 45-Jährige. Allerdings bietet die Bay Area auch viel Platz, sie umfasst eine Vielzahl von Städten und Gemeinden rund um die Bucht von San Francisco, rund sieben Millionen Menschen leben dort.

Kerstin Weidmann ist seit Ende 1997 selbst Teil dieser Gemeinde. „Ich hatte damals gerade mein Vikariat in Großenkneten begonnen. Aber mein Mann, ein Amerikaner, fand keinen Job in Deutschland.“ Zusammen mit den beiden Kindern ging es dann direkt an die Westküste. Ein Jahr später meldete sie sich bei ihrer neuen Landeskirche, um sich vorzustellen. Aber ihre Ausbildung, das Studium in Göttingen und Münster, das begonnene Vikariat, reichte nicht aus, es musste noch einmal Unterricht im lutheranischen Glauben US-amerikanischer Ausrichtung sein. „2002 wurde ich schließlich ordiniert.“ Ihr Vikariat absolvierte sie damals bereits in der St.-Matthäus-Kirche. Danach kamen zwei weitere Stationen, bevor es in St. Matthew’s 2014 die Vakanz gab.

Das Deutsche spielt große Rolle

Es ist eine spezielle Gemeinde. Es geht in St. Matthäus nicht nur um den Glauben, die Religion. Es geht auch um ein Stück Deutschland. „Das Deutsche spielt sicherlich auch eine große Rolle, die Gemeinschaft mit den anderen“, erklärt sie. Das zeigt sich vor allem auch an Weihnachten. Zwar gibt es kein Krippenspiel, das liegt aber vor allem daran, dass es so wenige Kinder in der Gemeinde gibt. „Für sie habe ich die Weihnachtsgeschichte dann mit Puppen gespielt.“ Im Gottesdienst selbst sind dann die traditionellen deutschen Weihnachtslieder gefragt: „Alle Jahre wieder“, „Stille Nacht“, „O du fröhliche“. Das wollen die Gemeindemitglieder nicht nur hören, sie wollen es mitsingen. Die Kirchengemeinde als ein Stück Heimat.

Ihre eigene Heimat sieht Kerstin Weidmann natürlich nicht mehr so häufig. Im April wird sie wieder in Delmenhorst sein, Familienbesuch. „Meine Schwester mit ihrer Familie und meine Eltern leben alle noch in Delmenhorst“, erzählt sie. 1969 wurde sie als Kerstin Backhaus in Delmenhorst geboren, eine besondere religiöse Prägung kannte ihre Familie nicht. „Ich komme aus einer Arbeiterfamilie.“ Getauft wurde sie zudem in St. Marien – also in der katholischen Kirche. Doch schon im Kindesalter konvertierte sie zum evangelischen Glauben, konfirmiert wurde sie in St. Paulus. Ihr Abi legte sie am Willms-Gymnasium ab. Alte Freunde leben auch noch in der Nähe Delmenhorsts, sie werden auch besucht. Und natürlich wird sie auch Gottesdienste in der Stadt anschauen, das gehört halt dazu.

Viel im Auto unterwegs

Erleben wird sie dann Andachten, die formal vielleicht etwas strenger als die in den USA sind, die eher auf traditionelle denn auf moderne Musik setzen. Sie wird dann aber vielleicht denken, dass es ihre deutschen Kollegen mit dem Sozialsystem und der Altersvorsorge auch nicht schlecht haben. „Das ganze gute System fehlt halt in den USA“, sagt sie. In den Staaten muss sich ihre Kirche selbst finanzieren, es gibt keine Kirchensteuer. „Jede Gemeinde muss für ihre Gebäude und ihr Personal Spenden sammeln“, erzählt sie. „Von daher ist die Arbeit eher wettbewerbsmäßig, jede Kirche muss sich profilieren.“ Allein in San Francisco gibt es mehr als 200 Kirchen, die sich um Mitglieder bemühen. Und um das Geld dieser Mitglieder.

Das bedeutet für Kerstin Weidmann: Sie muss sich kümmern, muss in Kontakt bleiben. Deswegen sitzt sie zum Beispiel sehr viel im Auto, denn die Deutschen in der Bay Area leben überall verteilt, es gibt kein Little Germany in der Stadt, also ein deutsches Viertel. „Ich übernehme auch viele repräsentative Aufgaben.“ Sie wird zu Empfängen ins Konsulat geladen, ist das Gesicht der deutschen Gemeinde bei Veranstaltungen wie dem Volkstrauertag, wird von Männer- und Frauengesangsvereinen gebeten, doch mal zur Probe zu kommen. Auch das macht sie – und setzt sich ins Auto, um durch die Bay Area zu fahren, im Dienste des Vaters und des Sohnes.

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