Mehrere Hundert Besucher beim Integrationsfest „Delmenhorst international“ /Erlös für Flüchtlinge aus Syrien

Demonstration für kulturelle Vielfalt

Delmenhorst. Die Stadt Delmenhorst hat sich am Sonntag auf dem Rathausplatz zur Vielfalt bekannt. Die erste Veranstaltung „Delmenhorst international“ des Integrationsbeirates der Stadt vereinte die Kulturen im Herzen der Stadt.
21.09.2015, 00:00
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Von ALEXANDRA PENTH

Die Stadt Delmenhorst hat sich am Sonntag auf dem Rathausplatz zur Vielfalt bekannt. Die erste Veranstaltung „Delmenhorst international“ des Integrationsbeirates der Stadt vereinte die Kulturen im Herzen der Stadt. Der Leitspruch „Vielfalt macht stark“ zierte das Banner der Kulturveranstaltung, auf dem die Besucher in 16 Sprachen willkommen geheißen wurden.

„Wir werden sehen, wie bunt und international Delmenhorst ist, und darauf dürfen wir stolz sein“, formulierte Oberbürgermeister Axel Jahnz als Schirmherr der Veranstaltung in seinem Grußwort. Das vielfältige Bühnenprogramm moderierte Eni Aksoy, die es in der zweiten Staffel der Castingshow „Deutschland sucht den Superstar“ bis unter die besten 20 geschafft hatte.

Auch die kleineren Regenschauer im Laufe des Nachmittags konnten die ausgelassene Stimmung nicht trüben. Mehrere hundert Besucher verfolgten die Auftritte der insgesamt 18 Solokünstler und Gruppen. Das präsentierte Programm konnte sich sehen lassen. Die Kinderfolklore-Gruppe der syrisch-orthodoxen St.-Johannes-Kirche riss das Publikum etwa mit traditionellem Tanz mit. Pianist Arthur Belousov von der jüdischen Gemeinde brachte Beethoven auf den Rathausplatz. Polnische Folklore spielte Jan Schiteck. Die Balafon-Initiative für afrikanische Kultur in Delmenhorst bot landestypisches Trommelspiel und Gesang – um nur einige zu nennen. Die Boxer des TV Jahn zeigten zwei Ausschnitte aus ihrem Programm, und Fußballvirtuose Sinan Öztürk bewies sein Geschick am runden Leder.

Delmenhorster Religionsgemeinschaften, Vereine, Initiativen und Einrichtungen, die integrative Beiträge leisten, reihten sich auf dem Rathausplatz nebeneinander. Unter ihnen auch die Integrationslotsen, die seit fünf Jahren Menschen mit Migrationshintergrund dabei unterstützen, Fuß zu fassen. 55 Lotsen zählt das Team, seit einem halben Jahr gehört der 19 Jahre alte Yousif Aldahan zu ihnen. Zweimal wöchentlich bringt er Neuankömmlingen aus arabischen Ländern die deutsche Sprache näher. Sechs Jahre ist es her, dass Yousif, der im Irak geboren wurde, aus Syrien fliehen musste. In Ganderkesee fand er eine neue Heimat. „Ich hatte damals mit der Sprache zu kämpfen, und es war eine ganz neue Situation“, erinnerte er sich. Die Sprache bereitet ihm heute keine Schwierigkeiten mehr, derzeit holt Yousif das Fachabi-tur nach. Als Integrationslotse möchte er aber auch nach Beendigung der Schulzeit weiterhin helfen.

Überall auf dem Fest breitete sich der Duft internationaler Speisen aus. Etliche Köstlichkeiten hatte die Delmenhorster Frauenunion Mesopotamien für das Fest gezaubert. „Seit einem Monat haben wir das hier geplant, den ganzen Morgen standen wir in der Küche“, sagte Rihane Demir. Mit Reis gefüllte Paprikaschoten und Auberginen, aramäische Kutle, runde Hackfleischtaschen und gefüllte Weinblätter gab es hier. Die Einnahmen wurden komplett gespendet. „Das Geld geht an Syrer, die auf der Flucht sind“, sagte Maria Mutlu. Die 16-Jährige engagiert sich im Jugendkomitee der European Syriac Union, einem europaweiten Zusammenschluss, um syrischen Christen auf der Flucht zu helfen. Auch die syrisch-orthodoxe Gemeinde sammelte durch den Verkauf Spenden für Menschen auf der Flucht.

Für die kleinen Besucher gab es gleich mehrere Attraktionen. Die Jugendhäuser an der Wittekindstraße und der Sachsenstraße sowie das Spielehaus an der Beethovenstraße boten Kinderschminken und Drucken mit selbst gemachten Stempeln aus Linoleumstreifen an. „Die Platten haben wir vorher im Jugendhaus vorbereitet“, sagte Teresa Hüser, Sozialpädagogin im Jugendhaus an der Wittekindstraße. Der internationale Austausch wird in der Einrichtung stark gefördert, wie sie erzählte „Wir sind eine offene, internationale Einrichtung. Auch wenn manchmal Sprachbarrieren da sind, managen wir das über andere Kinder, dadurch erzielen wir schnelles Lernen“, sagte die 31-Jährige.

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