Schimmel-Spürhunde Den richtigen Riecher für Pilzbefall

Es riecht modrig im Zimmer, muffig, nach Keller. Hinter der Tapete könnte etwas im Argen liegen. Ein Fall für Ginger und Djoszy: Die beiden Labradore sind ausgebildete Schimmel-Spürhunde.
28.12.2014, 00:00
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Von Alexandra Penth

Es riecht modrig im Zimmer, einfach unangenehm muffig, nach Keller irgendwie. Hinter der Tapete könnte für die Augen unsichtbar etwas im Argen liegen. Ein Fall für Ginger und Djoszy: Die beiden Labrador-Hündinnen sind ausgebildete Schimmel-Spürhunde – sie haben den richtigen Riecher.

Ihre Kunden rufen sie, wenn sie nicht sichtbaren Schimmelbefall in ihren vier Wänden vermuten. Dann rückt Angelika Hustedt mit ihren beiden Labradoren an, die erschnüffeln, ob sich tatsächlich gesundheitsschädliche Pilze im Bauwerk gebildet haben. Ginger und Djoszy haben mithilfe eines speziellen Trainings den richtigen Riecher für Schimmel: Sie legen sich blitzschnell hin und zeigen mit der Schnauze an, wo sie wuchernde Sporen gewittert haben. Seit Juli ist das Dreiergespann auf acht Pfoten und zwei Beinen in dieser Mission in und rund um Delmenhorst im Einsatz.

„Nase, Go“, gibt Angelika Hustedt das Startsignal für Hundedame Ginger. Die zweijährige Labradorhündin legt prompt los und beschnüffelt die Fensterwand einer Delmenhorster Wohnung, an der die Bewohnerinnen versteckte Schimmelsporen vermuten. Die Pilze könnten Folgen eines Wasserschadens vor einigen Jahren sein. Die braune Hündin arbeitet sich von oben nach unten die Wand entlang, presst ihre Schnauze gegen die Tapete. Dann sucht sie rundherum die Leisten ab. Zum Schluss springt die Hundedame mit den Vorderpfoten auf die Fensterbank, um den Rahmen abzusuchen. Das einstudierte Signal bleibt aus – diesmal hat Ginger nichts gefunden. Hustedts zweite Hündin, die sechs Jahre ältere Djoszy, wird nicht dazugeholt und wartet im Auto. In der Regel dürfen beide unabhängig voneinander schnüffeln und ihren Befund mitteilen. Im Vorfeld hat Angelika Hustedt mit einem Kugelmessgerät bereits die Feuchtigkeit in der Wand gemessen und dann die dort herrschende Temperatur. Der Vierbeiner hat bei diesem Einsatz den ersten Verdacht bestätigt: Hier sind diesmal keine Schimmelpilze aktiv.

Ginger war es, erzählt Hustedt, die sie überhaupt auf die Idee für diese spezielle Mission gebracht hat. Nachdem die Delmenhorsterin ihren Beruf im kaufmännischen Bereich vor zwei Jahren aufgegeben hatte, erfüllte sie sich einen Herzenswunsch und schaffte sich einen zweiten Hund an. Ginger war vier Monate alt, als die 59-Jährige die Hündin aus dem Tierschutzprogramm holte. „ Sie war so aufgeweckt und hatte ihre Schnauze immer am Boden“, erinnert sich ihr Frauchen. Hustedt recherchierte, was man mit schnüffelnden Hunden machen kann, und stieß auf die Schimmelspürhunde. „Ich fand das so lebensnah, Schimmelpilze lauern überall und können Gesundheitsrisiken sein“, sagt die Delmenhorsterin und fügt hinzu, dass sie mittlerweile ein „regelrechtes Helfersyndrom“ entwickelt habe. „Es steht für mich im Vordergrund, die Leute nicht allein zu lassen.“

Lesen Sie auch

Ausbilden ließ sich Angelika Hustedt gemeinsam mit Djoszy und Ginger im Ausbildungs- und Prüfzentrum für Schimmelspürhunde bei Stuttgart. Nach knapp einem Jahr erhielt das Trio im Juli seine Zertifizierungen. „Es war anstrengend, immer nach Stuttgart zu pendeln, aber das war es wert. Wir haben jetzt eine solide Ausbildung“, findet Hustedt. Eine alte Feuerwache diente während der Ausbildung als Testgelände, um die feinen Hundenasen für verschiedene Schimmelarten zu sensibilisieren. Später versteckten die Trainer Petrischalen mit Pilzen in Schränken, unter Fußböden oder hinter Heizungen. Mit anschließenden Belohnungen bei erfolgreichen Funden wurden die Vierbeiner auf das gezielte Aufspüren von Schimmelpilzen getrimmt. Von denen gibt es Abertausende Arten, die die feinen Geruchsrezeptoren der Hunde erfassen können. Um welchen Schimmeltyp es sich genau handelt, kann erst die Laboruntersuchung ergeben. Dafür entnimmt Angelika Hustedt eine sogenannte Abklatschprobe.

Ihre Auftraggeber wenden sich an Hustedt, wenn zum Beispiel nach einem Wasserschaden Feuchtigkeit in Fugen oder unter den Bodenbelag gelangt ist. Der sich bildende Schimmel ist nicht erkennbar, verströmt höchstens einen eigenartigen Geruch. Die Schimmel-Spürhunde lokalisieren die wuchernden Sporen, indem sie sich an der betroffenen Stelle abrupt hinlegen und mit ihren Schnauzen dorthin deuten. Nachdem der endgültige Beweis vorliegt, können sich die Betroffenen mit dem Bauträger, dem Vermieter oder der Versicherung in Verbindung setzen.

Angelika Hustedt und ihre Spürnasen seien viel beschäftigt, sagt sie. Einmal in der Woche stehe immer ein Auftrag an. Die meisten Anfragen kämen aus dem Umkreis, manchmal aber auch von weiter her. Vor zwei Wochen war das Trio in Wilhelmshaven, erzählt Angelika Hustedt. Zusätzlich werde dann noch ein- bis zweimal pro Woche trainiert. „Wir üben immer wieder mit neuen Materialien, die wir teilweise vom Bundesgesundheitsamt bekommen. Das sind schimmelbelastete Baumaterialien, wie Tapeten und Bodenbelag.“

Angelika Hustedts Arbeit ist ihrer Aussage nach in der Region einzigartig. Und bisher hätten ihre Hundedamen immer den richtigen Riecher bewiesen: „Wir haben eine Trefferquote von 100 Prozent. Aber natürlich können Hunde auch einmal einen schlechten Tag haben. Das sind ja schließlich keine Maschinen, mit denen ich da arbeite.“

Lesen Sie auch

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+