Städtische Galerie zeigt ab heute eine Ausstellung des Berliners Thomas Kapielski Der alberne Künstler

Delmenhorst. Es ist eines dieser Puzzles, die gerahmt in vielen Wohnzimmern hängen. Zwei Pferde sind darauf zu sehen, die an einem Fluss grasen. Die zwei bunten Farbkleckse über den Tieren wollen jedoch nicht so recht ins Bild passen, dabei machen sie es erst zur Kunst. In einem der Kleckse steht "Gesundheit", in dem anderen "Geld" - gemalt hat sie der Berliner Künstler Thomas Kapielski. Er nannte das Werk "Das Glück dieser Erde liegt auf dem Rücken der Pferde". Solche Verbindungen zwischen Sprache und Bild ziehen sich durch seine gesamte Ausstellung in der Städtischen Galerie Delmenhorst.
01.07.2011, 05:00
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Der alberne Künstler
Von Christoph Bähr

Delmenhorst. Es ist eines dieser Puzzles, die gerahmt in vielen Wohnzimmern hängen. Zwei Pferde sind darauf zu sehen, die an einem Fluss grasen. Die zwei bunten Farbkleckse über den Tieren wollen jedoch nicht so recht ins Bild passen, dabei machen sie es erst zur Kunst. In einem der Kleckse steht "Gesundheit", in dem anderen "Geld" - gemalt hat sie der Berliner Künstler Thomas Kapielski. Er nannte das Werk "Das Glück dieser Erde liegt auf dem Rücken der Pferde". Solche Verbindungen zwischen Sprache und Bild ziehen sich durch seine gesamte Ausstellung in der Städtischen Galerie Delmenhorst.

Sie trägt den ungewöhnlichen Titel "De Dingsbums non est disputandum" (Über Dingsbums lässt sich nicht streiten) und wird heute ab 20 Uhr unter anderen von Wulf Herzogenrath, dem Direktor der Kunsthalle Bremen, eröffnet. Gestern führte Thomas Kapielski schon einmal vorab durch das Haus Coburg und stellte seine Werke vor. Dabei wurde eines sogleich klar: Kapielskis Arbeiten sind vieles, nur bierernst ganz sicher nicht. Ein Bild - es trägt den Titel "Saufdilemma" - zeigt etwa Korkenzieher mit Händen, die sich dagegen wehren in den Korken gepresst zu werden. Besonders bekannt ist Kapielskis "Ölschinken". Hier spielte der 59-Jährige wieder mit der Sprache: Der Begriff Ölschinken bezeichnet eigentlich ein großes Gemälde, Kapielski nahm ihn jedoch wörtlich und malte einen Schinken in Öl. "Unklare sprachliche Klarheiten faszinieren mich", sagte Kapielski.

"Er zeigt das Thema Humor in all seinen Spielarten bis hin zum Albernen. Dabei hinterfragt er zugleich auch immer: Was ist eigentlich die Rolle der Kunst", sagte Annett Reckert, die Leiterin der Städtischen Galerie, über Kapielskis Werke. Diese ließ der Berliner nicht etwa in Delmenhorst anliefern wie die meisten anderen Künstler. Er weilt vielmehr seit Dienstag in Delmenhorst und hat die Ausstellung selbst konzipiert. Zusammen mit dem Haustechniker Artur Rau installierte der 59-Jährige seine Werke auch selbst. "Das mache ich immer so - aber nicht als revolutionären Akt, sondern aus praktischen Gründen", erklärte Kapielski.

Und da der Berliner so ein praktischer Mensch ist, nutzt er auch viele Gegenstände des Alltags für seine Kunst. Kapielski stellte zum Beispiel eine Rolle Toilettenpapier mit Häkelbezug auf einen Sockel - Titel des Werks "Die Rolle der Frau". Kapielski will mit solchen Arbeiten zum Nachdenken anregen. Zum Beispiel hängt in der Städtischen Galerie nun ein Bild von ihm, auf dem vor hellgrauem Hintergrund lediglich geschrieben steht: "Hellgraues Bild, auf dem es wenig zu sehen, doch viel zu deuten gibt." Ein Hinweis an die Kunstkritiker: "Die haben es ja immer gerne, wenn sie möglichst viel in ein Kunstwerk hineininterpretieren können", unkte Kapielski. Doch der Künstler teilt nicht nur aus, er nimmt sich auch selbst nicht zu ernst. Ein Werk besteht aus einem weißen Umschlag in einem Bilderrahmen. Es heißt "Drei Künstler, die besser sind als ich".

Kapielskis Ausstellung "De Dingsbums non est disputandem" ist bis zum 4. September im Haus Coburg zu sehen. Geöffnet ist sie dienstags bis sonntags von 11 bis 17 Uhr und donnerstags von 11 bis 20 Uhr. Für diesen Sonntag, 3. Juli, lädt die Städtische Galerie zu einer Kuratorenführung ein. Ab 15 Uhr unternimmt Leiterin Annett Reckert einen Rundgang mit Interessierten.

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