Diagnose des Instituts für Wirtschaftsforschung: Wachstumsschwäche Der Patient Delmenhorst

Delmenhorst. Der demografische Wandel, die Nachwehen der Wirtschaftskrise oder die Situation auf dem Arbeitsmarkt - diese Trends bringen Herausforderungen für Kommunen mit sich, denen sie sich stellen müssen. Der Regionalreport 2009 zeigt, welche Konsequenzen gezogen werden müssen.
20.05.2010, 05:00
Lesedauer: 2 Min
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Der Patient Delmenhorst
Von Kai Purschke

Delmenhorst. Der demografische Wandel, die Nachwehen der Wirtschaftskrise oder die Situation auf dem Arbeitsmarkt - diese Trends bringen Herausforderungen für Kommunen mit sich, denen sie sich stellen müssen. Welche Problemlagen es in Niedersachsen und speziell in Delmenhorst gibt und wie die daraus resultierenden Anforderungen zur Gestaltung der Daseinsvorsorge aussehen - das hat das Niedersächsische Institut für Wirtschaftsforschung (NIW) nun mit dem Regionalreport 2009 aufgezeigt.

'Auf Grundlage ausgewählter Indikatoren und relevanter Datensätze' erstellt das NIW nach eigenem Bekunden seit 2003 die Regionalreports. In der neuesten Auflage wird ersichtlich, dass auch in Delmenhorst nicht mehr nur weniger Menschen geboren werden, sie ziehen im Rentenalter auch noch überverhältnismäßig viel weg. Was laut NIW für Großstädte normal sei, treffe auch für Delmenhorst, Wilhelmshaven oder Nordenham zu. Gewinner seien dagegen Regionen und Standorte, die für ältere Menschen attraktiv sind - etwa Kurorte, die Küste oder die Heide. Aber auch der Raum Oldenburg.

Ein Indikator für die Attraktivität einer Stadt sind aber auch die Unternehmungsgründungen in ihr. Und während die Gründungsintensität im bremischen Umland im Vergleich zur Region Hannover 'deutlich schwächer' sei, ragen dennoch Delmenhorst sowie die Standorte entlang der A1 in den Landkreisen Diepholz und Verden positiv heraus, bilanzieren die Gutachter. In einer anderen Kategorie aber könnten Delmenhorst und der Landkreis Diepholz unterschiedlicher kaum sein: Arbeitslosigkeit. Während der Landkreis zu den Gegenden mit der geringsten Arbeitslosenquote gehört, zählt die Delmestadt wie etwa Bremen und Wilhelmshaven zu den Städten mit der höchsten. Auch zählt Delmenhorst zu den Städten in den Niedersächsischen Verdichtungsräumen, die das geringste Einkommen der privaten Haushalte haben.

In einer Kategorie liegt Delmenhorst ganz weit vorne, leider: Die Stadt gehöre zu den 'norddeutschen Großstädten mit den größten sozialen Problemen'. Damit ist der Bevölkerungsanteil der Sozialhilfebedürftigen gemeint. Den Zusammenhang zwischen der wirtschaftlichen Dynamik (gemessen an der Beschäftigtenentwicklung der vergangenen acht Jahre) und dem Anteil der Hilfebedürftigen kommentiert das NIW wie folgt: 'Ganz besondere Probleme haben offensichtlich die in der jüngeren Vergangenheit wachstumsschwachen Städte Wilhelmshaven und Delmenhorst.' Die wichtigste Therapie in diesem Zusammenhang sei eine konsequente Wirtschaftsförderung mit dem Ziel der Ausweitung der Beschäftigungschancen vor Ort.

Dass es finanziell schlecht um die Stadt bestellt ist, die allein in diesem Haushaltsjahr 8,8 Millionen Euro auf den Schuldenberg häuft, ist kein Geheimnis. Das NIW spricht von einem Deckungsdefizit, das die Stadt habe. Ein Grund: 'Die kommunalen Steuereinnahmen in Niedersachsen liegen seit langem erheblich unter dem westdeutschen Durchschnitt.' Sowohl die Einkommens- als auch die Gewerbesteuern seien weggebrochen. Und zu erwarten seien für die kommunalen Haushalte noch 'dramatische Verschlechterungen' - gerade vor dem Hintergrund steigender Arbeitslosigkeit und wachsender sozialer Probleme, die Ausgaben erforderlich machen.

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