Der Germanist Yoav Sapir wirft den Betreibern von „Muslim-Markt“ antisemitische Hetze vor „Der Staat Israel wird verteufelt“

Im Auftrag der Friedrich-Ebert-Stiftung hat der 33-jährige Israeli Yoav Sapir das Internetportal "Muslim-Markt", an dem der Delmenhorster Yavus Özoguz beteiligt ist, unter die Lupe genommen. Sein Fazit ist eindeutig: Die Betreiber des Portals, das seit Jahren vom Verfassungsschutz im Auge behalten wird, hetzen antisemitisch und setzen Israel mit dem Teufel gleich.
13.04.2013, 05:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Marco Julius

Im Auftrag der Friedrich-Ebert-Stiftung hat der 33-jährige Israeli Yoav Sapir das Internetportal "Muslim-Markt", an dem der Delmenhorster Yavus Özoguz beteiligt ist, unter die Lupe genommen. Sein Fazit ist eindeutig: Die Betreiber des Portals, das seit Jahren vom Verfassungsschutz im Auge behalten wird, hetzen antisemitisch und setzen Israel mit dem Teufel gleich.

Delmenhorst. Anitsemitische Hetze, so lauter der Vorwurf, den der irsaelische Germanist und Journalist Yoav Sapir in seinem Vortrag am Donnerstag im Hotel Goldenstedt den Betreibern des Internetportals "Muslim-Markt" gemacht hat. Sapir stellte auf Einladung des Projekts "Delmenhorster Forum Parallelgesellschaft" seine 2009 veröffentlichte Studie für die Friedrich-Ebert-Stiftung vor, in der er das Portal "Muslim-Markt" als Fallstudie für israelbezogenen Antisemitismus eingehend unter die Lupe nahm.

Etwa 30 Zuhörer hatten sich zum Vortrag eingefunden. Unter den Zuhörern war auch der Delmenhorster Yavus Özoguz selbst, der gemeinsam mit seinem Bruder Gürhan das Internetportal betreibt.

",Muslim-Markt’ ist die meistbesuchte deutschsprachige islamische Website", sagte Sapir. Sie werde seit Jahren vom Verfassungsschutz beobachtet. Und das völlig zurecht, wie Saphir meint: "Meine Studie hat eindeutig ergeben, dass auf der Seite immer wieder antisemitisch gehetzt wird."Das habe sich seit der Studie bis heute nicht geändert. Drei Formen des Antisemitismus erkennt Sapir im "Muslim-Markt". Dabei bezieht er sich vor allem auf die Kategorie "Palästina-Spezial", einem prominenten Bereich der Website.

"Wir finden dort den altbekannten Antisemitismus, die Klischees vom geldgierigen Juden, den angeblichen jüdischen Drang nach Weltherrschaft. Wir finden aber auch israelfeindlichen Antisemitismus, der dem Staat Israel das Existenzrecht und den Juden das Selbstbestimmungsrecht abspricht. Alles Jüdische wird da auf Religiöses reduziert", führte Sapir aus. Neu und besonders am "Muslim-Markt" sei der "islambedingte Antisemitismus". "Hier wird von der Autoren immer wieder Israel mit dem Teufel gleichgesetzt", sagte Sapir. Der Wahl-Berliner warf den Betreibern der Website anhand von Beispielen ("sreen-shots") vor, mit rhetorischen Tricks und fadenscheinigen Stellungnahmen gegen den Antisemitismus ihre wahren Absichten mitunter zu verbergen. Bestimmte Worte würden vermieden. Sapir nannte das "Amtisemitismus ohne Juden". Der Israel-Hass sei aber im "Palästina-Spezial" virulent. Am Beispiel von "Muslim-Markt" ließen sich aktuelle Tendenzen in der Gesellschaft aufzeigen. Tendenzen, die Anlass zur Sorge böten. Der Antisemitismus komme wieder stärker hervor.

An der sich an den Vortrag anschließenden Diskussion beteiligte sich schließlich auch Yavus Özoguz, dessen Website sich als "Startpunkt zum Islam für deutschsprachige Gläubige"versteht. Er wies die Vorwürfe des Antisemitismus zurück, die Kritik auf der Website beziehe sich allein auf die Politik Israels.

Die komplette Studie Sapirs finden Interessierte im Internet unter www.scilogs.de/chrono/gallery/8/Muslim-Markt.pdf.

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