Jan Oekermann engagiert sich ehrenamtlich Der Teilzeit-Erzieher fährt Rollstuhl

Ganderkesee/Bookholzberg . Jan Oekermann ist an Multipler Sklerose erkrankt und sitzt deshalb im Rollstuhl. Für den 53 Jährigen ist seine Krankheit jedoch kein Grund Trübsal zu blasen. Er engagiert sich als ehrenamtlicher Teilzeit-Erzieher im Bookholzberger Kindergarten.
29.06.2010, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Der Teilzeit-Erzieher fährt Rollstuhl
Von Florian Cordes

Ganderkesee/Bookholzberg . Jan Oekermann ist an Multipler Sklerose erkrankt und sitzt deshalb im Rollstuhl. Für den 53 Jahre alten Rethorner ist seine Krankheit jedoch kein Grund Trübsal zu blasen. Ganz im Gegenteil: Er hat seine Lebensfreude nicht verloren und engagiert sich unter anderem als ehrenamtlicher Teilzeit-Erzieher im Bookholzberger Kindergarten Sonneninsel.

Seit April 2009 kommt Oekermann jeden Montag in den Kindergarten, um dort mit den Kindern zu spielen, zu malen oder zu basteln. 'Bevor ich nur zu Hause ?rumsitze und gar nichts mache, komme ich doch lieber hier in den Kindergarten und verbringe ein paar schöne Stunden mit den Kleinen', sagt Oekermann und fährt fort: 'Ich bin zwar krank, aber außer laufen, kann noch alles machen.'

'Herr Oekermann hat sich bereits im November 2008 mit uns in Kontakt gesetzt und sich erkundigt, welche ehrenamtlichen Arbeiten für ihn möglich sind', sagt Christa Wachtendorf vom Freiwilligen Forum der Gemeinde Ganderkesee, das sich um die Vermittlungen von ehrenamtlichen Arbeitern kümmert. Parallel hatte auch Edith Ohlenbusch, Leiterin des Kindergartens Sonneninsel, signalisiert, dass sie in ihrem Haus eine helfende Hand gebrauchen könnte. 'Wir haben dann beides miteinander verknüpft und mittlerweile gehört der wöchentliche Kindergartenbesuch fest zu Herrn Oekermanns Alltag', erzählt Wachtendorf.

Auch Edith Ohlenbusch ist froh, dass Jan Oekermann jeden Montag in der Einrichtung zu Besuch ist. 'Für die Kinder ist er bereits zu einer festen Größe im Kindergarten geworden. Es ist jeden Montag wieder toll zu erleben, dass die Kinder auf Herrn Oekermann warten und immer wieder fragen wann er denn endlich kommt', sagt sie.

Montags spielt sich fast immer das selbe Schauspiel ab. Die Kinder freuen sich so sehr auf ihren Erzieher, dass dieser so manches Mal Probleme hat mit seinem Rollstuhl in das Haus zu fahren. 'Ich kann mich noch gut daran erinnern, dass ich mir bei einem Besuch gar nicht die Jacke ausziehen konnte, weil mir die Kinder gleich auf den Schoß gesprungen sind', erzählt Oekermann.

Er ist froh, dass die Kindergartenkinder so positiv auf ihn reagieren und ihn auch trotz seiner Behinderung sofort akzeptierten. 'Bei manchen Erwachsenen ist das oft nicht so', berichtet er. Er hat viele unterschiedliche Erfahrungen mit der Reaktion auf seine Krankheit gemacht - leider auch negative.

'Die Kinder haben anfangs natürlich gefragt, warum ich im Rollstuhl sitze und nicht laufen kann', sagt er. Jan Oekermann wusste damals aber, wie den Kindern seine Krankheit auf ganz einfache Art und Weise erklären kann. 'Ich habe ihnen gesagt, dass ich eine Krankheit habe, durch die ich nicht mehr laufen kann. Wenn ich es den Kindern zu kompliziert erklärt hätte, würde ich sie damit bestimmt überfordern', sagt er.

Am liebsten wird gebastelt

Dass Oekermann mit den Knirpsen am liebsten bastelt oder mit Knete kleine Figuren modelliert, liegt nahe. 'Denn auch zu Hause bin ich begeisterter Töpfer', sagt er. Dieses Hobby war für Wachtendorf auch ein Grund, Jan Oekermann und den Kindergarten zusammenzubringen. 'Er hat uns gleich bei unserem ersten Kontakt erzählt, dass er ein sehr kreativer Mensch ist', erinnert sie sich.

Auch wenn es ihm gesundheitlich oft nicht gut geht, war dass noch nie Anlass, dass er seine ehrenamtliche Tätigkeit niederlegt. 'Wenn Herr Oekermann bei einer Reha und auf Kur ist, kommt er kurz darauf wieder zu uns', sagt Ohlenbusch, die sich freut, dass Oekermann die angestellten Erzieherinnen ein wenig entlastet.

Nach Meinung von Christel Wachtendorf ist Oekermann ein perfektes Beispiel dafür, dass behinderte Menschen ebenfalls ein erfülltes Leben haben können. 'Durch ehrenamtliche Arbeit können behinderte Menschen ihrem Alltag einen neuen Sinn geben', so Wachtendorf.

Jan Oekermann wünscht sich, dass er sich noch lange Zeit jeden Montag auf den Weg in die Sonneninsel machen kann. 'Die Kinder geben mir sehr viel und sind dankbar, dass ich mir die Zeit für sie nehme', sagt er und lächelt.

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