Tierschutzverein beklagt Missstand

Grausam ausgesetzte Tiere

Wiederholt wurden Tiere, statt sie direkt beim Tierschutzverein abzugeben, auf dem Gelände des Tierschutzhofes ausgesetzt. Dort werden sie nicht sofort entdeckt und müssen sich unbetreut durchkämpfen.
11.03.2021, 16:48
Lesedauer: 3 Min
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Grausam ausgesetzte Tiere
Von Gerwin Möller
Grausam ausgesetzte Tiere

Lena Hollmann, stellvertretende Hofleiterin, mit einem Kater, dem es besser geht als den ausgesetzten Tieren.

INGO MÖLLERS

„Wie können Menschen nur so verantwortungslos sein und ihr kleines Meerschweinchen heimlich auf unserem Hofgelände aussetzen", sagt Lena Hollmann, Schichtleiterin auf dem Tierschutzhof Delmenhorst, Schillbrok 5. Es empört sie, dass das Tier in eisig-kalter Nacht einfach seinem Schicksal überlassen wurde. "Dabei muss eine Menge Gleichgültigkeit im Spiel gewesen sein", sagt sie. In den Wochen zuvor hätten schon zwei Katzen ein ganz ähnliches Schicksal erleiden müssen.

„Cookie“, wie die kleine Meerschweinchen-Dame nun liebevoll genannt wird, hatte allerdings Glück im Unglück. Erst am vergangenen Sonnabend ist sie von einem Hund, der nachmittags zum Gassigehen ausgeführt wurde, auf dem Hofgelände entdeckt worden. Die Tierschützer haben das kleine, schwarz-weiß gestreifte Tierchen sofort in ihre Obhut genommen. Der Nager kam in eine warme Unterkunft, dort gab es dann auch leckeres Futter, frisches Heu und eine kuschelige Unterschlupfmöglichkeit.

Durch Videoüberwachung entdeckt

Und auch der Tierarzt konnte schnell Entwarnung geben: Cookie, so ergab die Untersuchung, ist wohlauf. Sehr wahrscheinlich hat sie nicht lange auf Hilfe warten müssen – und allein das war ihr Glück. Zwei sich in ähnlichen Lagen befindliche Katzen hatten jedoch nicht so viel Glück. Entdeckt worden sind sie über die Überwachungskameras, die das Außengelände des Tierschutzhofes auch nachts im Blick haben.

„In der Videoaufzeichnung von Sonntag, 6. Dezember, haben wir eine fremde Katze gesehen, die geduckt über die Hofauffahrt lief", beschreibt Hollman ihre Beobachtung des anderen Falls. "Wir konnten erkennen, dass es keine Katze aus dem Bestand unserer eigenen Samtpfoten ist", sagt Hollmann. Auf dem Tierschutzhof leben solche Tiere auch als sogenannte Draußenkatzen. Schnell lag die Vermutung nahe, dass es sich um eine auf dem Gelände des Hofes ausgesetzte Katze handelt.

Daraufhin seien an mehreren Tage Katzenfallen aufgestellt worden – allerdings ohne Erfolg. „Eine Katze, die das wilde Leben draußen nicht kennt, hat große Schwierigkeiten, sich durchzuschlagen„, sagt Hollmann. Sie brauche Futter, einen sicheren Rückzugsort und dichtes Fell gegen die Kälte. Es lauern auch Gefahren auf die im Freien lebenden Katzen, dazu zählen auch Angriffe durch Wildtiere. „Wir haben die Katze bis heute nicht einfangen können und wissen nicht, wie es ihr geht.“ Bekannt sei aber, dass die Katze sich in großer Gefahr befinde, die Tierschützerin kann auch das Schlimmste nicht ausschließen.

Konnte zum Glück rechtzeitig gefunden werden: die ausgesetzte Meerschweinchen-Dame "Cookie".

Konnte zum Glück rechtzeitig gefunden werden: die ausgesetzte Meerschweinchen-Dame "Cookie".

Foto: Ulrike Büthe

Die nächste offensichtlich ausgesetzte Katze ist am Donnerstag, 4. Februar, gesichtet worden. Zuerst über die Videoüberwachung und am Tag darauf auch durch Hollmann selbst. „Es war ein rot-weißer Kater mit Halsband, der an einem Gestrüpp auf unserem Hof markiert hat und dann scheu weggelaufen ist.“ Auch er konnte bisher nicht eingefangen werden. Und auch dieser Kater wird jetzt als Hauskatze im Freien um sein nacktes Überleben kämpfen.

Lena Hollmann hat dazu klare Worte: „Mit dem gedankenlosen Aussetzen von Tieren auf unserem Hof ist es absolut nicht getan. Kein Tier klingelt dann bei uns an der Tür und sagt: 'Ich brauche Hilfe, mein Mensch hat mich im Stich gelassen'“, schimpft die Tierschützerin.

Tiere lieber direkt abgeben

Ganz im Gegenteil, die Tiere seien dann verängstigt, versteckten sich und müssten alle Unbilden aushalten. Der Appell der Tierschützerin ist daher deutlich: „Wir sind dafür da, Tiere aufzunehmen, die, aus welchen Gründen auch immer, nicht mehr zu Hause beherbergt werden können. So etwas geschieht, und dafür verurteilen wir niemanden. Aber wir wünschen uns inständig für die Tiere, dass der Mensch dann bei uns klingelt und das Tier in unsere Hände gibt.“

Wer etwas zu den drei Tieren sagen kann, kann sich – auch anonym – auf dem Tierschutzhof unter Telefon 0 42 21 / 6 89 01 50 melden. Auf seiner Internetseite http://tierschutzverein-delmenhorst.de bietet der Verein auch Personen oder Pflegestellen die Möglichkeit, sich über die zur Vermittlung freigegebenen Tiere zu informieren.

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