In eigener Sache Der WESER-KURIER wird jetzt in Delmenhorst gedruckt

In der Nacht zum 1. Dezember wurde der WESER-KURIER zum ersten Mal in Delmenhorst gedruckt. Ab sofort erfolgt der Druck der Zeitung auf einer hochmodernen Rotationsmaschine. Ein Blick in das neue Druckhaus.
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Der WESER-KURIER wird jetzt in Delmenhorst gedruckt
Von Marc Hagedorn

Der Name passt zum ersten Eindruck. Commander heißt das mächtige Werk der Technik, Commander CL, um ganz genau zu sein. Die Commander ist eine imposante Erscheinung. Groß wie ein Mehrfamilienhaus, drei Geschosse hoch. Wenn Gerhard Tapken sich an den Fuß der Druckmaschine stellen und nach oben schauen würde, müsste er den Kopf ganz schön weit in den Nacken legen, um alles sehen zu können, mehr als zwölf Meter sind es bis ganz nach oben unter die Hallendecke.

Die Commander CL ist die neue Zeitungsrotation im Druckhaus Delmenhorst, das Tapken seit zwei Jahren gehört. Hier werden seit vergangener Nacht der WESER-KURIER, die Bremer Nachrichten und die Verdener Nachrichten gedruckt.

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Ortstermin im Druckhaus ein paar Tage vorher: Tapken und Michael Kuth, der den Druckhauswechsel für die Bremer Tageszeitungen AG koordiniert, zeigen ihrem Besuch die Druckerei. So viel Zeit muss sein, obwohl sie noch tausend andere Sachen zu erledigen haben. Draußen zum Beispiel, dort, wo die Lkw und nachts die Sprinter rückwärts ranfahren und die Zeitungsstapel einladen, arbeiten Handwerker noch an einer Rampe, rühren Zement an, mauern, messen ab. Die Rampe wird neu gegossen und soll eine Hebebühne bekommen.

Ein paar Meter weiter um die Ecke sieht es schon fertig aus. Innerhalb von nur drei Wochen hat ein Bautrupp hier die Rampe angepasst. Steine rausgerissen, Erde ausbaggert und das Pflaster neu verlegt. „Sehr viele Leute in Delmenhorst und in Bremen haben hier in den vergangenen Tagen, Wochen und Monaten Höchstleistungen vollbracht“, sagt Kuth, „sie sind regelrecht über sich hinausgewachsen.“

Ein „Weltrekord"

Druckerei-Chef Tapken spricht von einem „Weltrekord“, wenn er die Arbeit der vergangenen zwölf Monate rekapituliert. So viel Zeit nämlich, oder besser, so wenig Zeit lag zwischen dem Vertragsabschluss mit der BTAG und dem Andruck der ersten WESER-­KURIER-Ausgabe in der Nacht zum 1. Dezember. Mindestens zwei, eher noch zweieinhalb Jahre würde eine Operation dieser Größenordnung normalerweise dauern, sagt Tapken. Stattdessen haben sie hier in Delmenhorst die alte Rotation innerhalb von drei Monaten abgebaut, danach ein neues Fundament gegossen und ganz fix die neue Commander zusammengeschraubt. Auch die Versandanlage und die Plattenkopie sind neu. „Und das auch noch unter Corona-­Bedingungen und bei Kurzarbeit“, sagt Tapken. Manchmal kann er es selbst kaum glauben.

Tapken ist ein Spezialist für knifflige Fälle. Allein an ihm liegt es, dass hier in Delmenhorst an der Sulinger Straße überhaupt noch gedruckt wird. Tapken hat die Druckerei im September 2018 aus der Insolvenz erworben. Bis dahin war die Druckerei Rieck an diesem Standort zu Hause gewesen. Tapken, im ostfriesischen Emden groß geworden, hat über 35 Jahre für das Unternehmen gearbeitet, angefangen als Drucker, aufgehört als Geschäftsführer. Jetzt ist er Inhaber.

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„Viele haben mich damals für verrückt erklärt“, sagt Tapken, „aber ich konnte nicht anders.“ Er hätte sich seinerzeit mit fast 60 zur Ruhe setzen können. Doch dann wäre die Firma vermutlich zerschlagen worden. Dafür aber war Tapkens Loyalität zu seinem alten Unternehmen zu groß. Zu groß auch seine Lust am Arbeiten. Und zu innig sein Verhältnis zu den alten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, „sie konnten am allerwenigsten für die Insolvenz“. Heute sagt Tapken, 62 inzwischen, aus tiefster Überzeugung: „Es war genau die richtige Entscheidung.“ Mutig und millionenschwer. Mutig, denn die Druckbranche hat zu kämpfen. 3000 Betriebe sind zwischen 2008 und 2018 geschlossen worden, die Zahl der Beschäftigten ist bundesweit von 172.000 auf rund 130.000 gesunken. Tapken ist von der Zukunft des Druckgewerbes überzeugt: „Wir können gut drucken, und wir können damit auch Geld verdienen.“

Neuer Druck hat Magazinqualität

13,5 Millionen Euro hat Tapken in die neuen Maschinen investiert. Dafür hat er modernste Rotationen und Versandanlagen bekommen. Aus drei Achtertürmen, geeignet zum Druck von 48 Seiten, zwei Klappenfalzapparaten und drei Rollenwechslern besteht die Anlage. Sie ist unter anderem ausgestattet mit Rollertronic Walzenschlössern, Farbwerk- und Zylinderwaschanlage, Farb- und Schnittregisterregelungen und vollautomatischem Plattenwechsler. Böhmische Dörfer für den Laien, Grund zum Schwärmen für den Experten. „Eine tolle Maschine“, sagt Kuth. Schneller, effizienter, präziser. Damit konnte die alte Rotation in Woltmershausen, vor 36 Jahren angeschafft, nicht mehr mithalten. „Die Leser“, sagt Kuth, „werden es merken: Der neue Druck hat Magazinqualität.“ Durchgängig in Farbe kann der WESER-­KURIER jetzt erscheinen.

Tapken ist besonders stolz auf die zwei neuen Thermalbelichter. Würde man alle Druckplatten von allen WESER-KURIER-Ausgaben eines Jahres neben- und untereinander legen, würden sie eine Fläche von 70 000 Quadratmetern bedecken, das sind umgerechnet etwa zehn Fußballfelder. Zur Bearbeitung dieser Druckplatten ist jetzt keine Entwicklerchemie mehr notwendig, insgesamt rund eine Million Liter Wasser spart der Betrieb auf diese Weise außerdem ein.

Beim Gang durch die Halle wird deutlich, wie viel Erfahrung in dem Unternehmen steckt. Hier stapeln sich Beilagen und Prospekte palettenweise, frisch gedruckt und bereit zur Auslieferung, dazu Magazine und Wochenzeitungen. Mehrere Millionen Exemplare verlassen jede Woche das Druckhaus. Und jetzt kommen jede Nacht auch noch WESER-KURIER, Bremer Nachrichten und Verdener Nachrichten mit ihren Regionalausgaben dazu.

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