Acht Frauen besuchen derzeit einen Erwachsenen-Schwimmkurs der Deutschen Lebensrettungs-Gesellschaft Die Angst vor dem Wasser überwinden

Mit Mitte 40 oder sogar 70 Jahren noch schwimmen zu lernen, das trauen sich derzeit acht Frauen bei einem Erwachsenen-Kurs der DLRG in Delmenhorst. Seit zwei Monaten läuft das Training inzwischen, die Unsicherheit haben die Teilnehmerinnen aber noch nicht ganz abstellen können.
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Die Angst vor dem Wasser überwinden
Von Esther Nöggerath

Mit Mitte 40 oder sogar 70 Jahren noch schwimmen zu lernen, das trauen sich derzeit acht Frauen bei einem Erwachsenen-Kurs der DLRG in Delmenhorst. Seit zwei Monaten läuft das Training inzwischen, die Unsicherheit haben die Teilnehmerinnen aber noch nicht ganz abstellen können.

Die Angst vorm Ertrinken – sie ist immer noch da, irgendwo im Hinterkopf. Aber die Hürde, ins Becken zu steigen und sich ins Wasser gleiten zu lassen, wird von mal zu mal kleiner. „Es kostet auch jetzt immer noch wieder Überwindung“, berichtet eine Frau. Sie ist eine von acht Teilnehmerinnen, die seit rund zwei Monaten einen Schwimmkurs für Erwachsene der Deutschen Lebensrettungs-Gesellschaft (DLRG) in der Delmestadt besuchen.

Wenn sie erst einmal drin sind, im Becken der Grafttherme, wird es einfacher. Zum Aufwärmen wird eine Runde auf der Stelle gehüpft und gestampft. Trainer Thomas Bruns gibt dabei die ganze Zeit klare Anweisungen: „Jetzt lasst euch auf dem Rücken treiben und paddelt mit den Füßen!“ Gesagt – getan. Jede der Frauen ist mit einer Poolnudel ausgestattet, sie gibt zusätzlichen Halt und hilft den Schwimmanfängerinnen dabei, an der Wasseroberfläche zu bleiben.

Insgesamt vier ehrenamtliche Betreuer der DLRG begleiten die Frauen bei dem Training. „Das gibt Sicherheit“, findet eine 70-jährige Teilnehmerin. Für sie war die Hemmnis, sich für den Kurs überhaupt anzumelden, nicht besonders groß. „Das war kein Problem, weil sich der Aufruf ja gezielt an Unsichere und Ältere gerichtet hat“, sagt sie. Richtig Angst vor dem Schwimmen hatte die 70-Jährige vorher auch nicht. „Ich war nur einfach sehr unsicher.“

Anders erging es ihrer 44-jährigen Mitschwimmerin. „Für mich war da schon eine Hemmschwelle, mich hier anzumelden“, gesteht sie. „Aber meine Kinder haben mich darin bestärkt.“ Ein traumatisches Erlebnis in der Kindheit löste bei ihr die Angst vor dem Wasser aus. In jungen Jahren wäre sie beinahe ertrunken, erzählt die 44-Jährige. Seitdem war die Angst so groß, dass sie Badbesuche lieber vermied. Ins Wasser sei sie nur am Meer gegangen, aber auch dort maximal nur bis zu der Taille, wo man noch sicher stehen konnte. „So war das bei mir auch“, pflichtet ihr eine 45-jährige Teilnehmerin bei. „Ins Schwimmbad bin ich nie gegangen.“

Eifrig paddeln die Schwimmanfängerinnen nun mit den Füßen, um im Wasser vorwärtszukommen und das andere Ende des Beckens zu erreichen. Die Betreuer beobachten jede der Bewegungen, geben Tipps oder halten bei Bedarf die Schaumstoffnudel fest, damit sie nicht wegrutschen kann.

Auf zwei Teilnehmer kommt ein DLRG-Mitglied. „So ist die Betreuung optimal gesichert“, erklärt Thomas Bruns. „Diese Gruppenstärke ist für unsere Verhältnisse hier genau richtig.“ Bis zu den Sommerferien im kommenden Jahr soll der Kurs gehen, derzeit stehen die Teilnehmerinnen noch ganz am Anfang des Trainings. „Wir sind jetzt am Ende der ersten Phase und fangen nun mit Gleitübungen und den ersten Schwimmtechniken an“, berichtet Bruns.

Nach wie vor haben einige der Frauen mit ihrer Angst zu kämpfen. „Aber wir haben ja auch noch Zeit“, sagt die 44-jährige Teilnehmerin froh. Alle acht Frauen sind laut Trainer etwa auf dem gleichen Level. „Das ist eine sehr heterogene Gruppe“, sagt Bruns.

Inzwischen herrscht ausgelassene Stimmung im Becken. Es wird gelacht und gescherzt, und die Frauen helfen sich auch gegenseitig. Man spürt, dass die Gruppe mittlerweile zusammengewachsen ist. Das war aber nicht immer so. „Gerade bei Erwachsenen ist anfangs immer eine Distanziertheit da, die erstmal überwunden werden muss“, erzählt Thomas Bruns. Das sei bei den meisten Kinderschwimmkursen anders. „Die Kinder gehen wesentlich gelassener an die Sache heran“, auch, was das Training betreffe. „Kinder lernen mit Armen und Beinen“, stimmt ihm Manfred Scharm zu, der seit rund 30 Jahren bei der Schwimmausbildung dabei ist, „Erwachsene mit dem Kopf.“

Dass sich für den Erwachsenen-Schwimmkurs nur Frauen angemeldet haben, könnte wohl damit zusammenhängen, dass die Hemmschwelle für Männer möglicherweise noch größer ist. „Ich glaube aber auch, dass Frauen generell eher dazu neigen, solche Gruppen zu besuchen“, sagt Bruns. Das sei in allen Bereichen so, ob nun beim Schwimmtraining oder einem Yoga-Kurs.

Mit der Resonanz für das Erwachsenen-Training sind die Leiter zufrieden. „Wir waren überrascht, dass sich so viele nach dem Aufruf gemeldet haben“, erzählt Bruns. „Ich empfinde das als eine sehr positive Reaktion, mit der ich in dem Umfeld gar nicht so gerechnet habe.“ Grund für den Aufruf der DLRG waren diverse Badeunfälle im Sommer, bei denen Menschen unter anderem in der Ostsee ums Leben gekommen waren. „Knapp 25 Prozent der Erwachsenen können nicht oder nur schlecht schwimmen“, berichtet DLRG-Pressesprecher Stefan Bollweg. Und die Anzahl der Nichtschwimmer werde wohl auch noch weiter ansteigen. „Das ist alarmierend.“ Weil der Kurs so gut läuft und um auch anderen Nichtschwimmern die Gelegenheit zu geben, das Schwimmen nachträglich noch zu lernen, stehe auch schon die Überlegung im Raum, nach den Sommerferien 2015 einen weiteren Erwachsenen-Schwimmkurs anzubieten.

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