Lob kommt auch vom Ersten Stadtrat

Bücherei bietet mehr als guten Lesestoff

Der Kulturausschuss nahm den Jahresbericht der Stadtbücherei entgegen. Die Bibliothek bereitet die Gründung einer Zweigstelle im Neubau des Josef-Hospitals vor. Die Kommunalpolitik ist hochzufrieden.
21.04.2021, 20:00
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Bücherei bietet mehr als guten Lesestoff
Von Gerwin Möller
Bücherei bietet mehr als guten Lesestoff

Anika Schmidt leitet die Stadtbücherei seit fünf Jahren und zog am Dienstag vor dem Kulturausschuss Bilanz des ersten Corona-Jahres.

INGO MÖLLERS

Die Kultureinrichtungen der Stadt haben im ersten Jahr der Pandemie ein ständiges Auf und Ab erlebt. Markus Pragal, Erster Stadtrat, würdigte Dienstagnachmittag im Kulturausschuss ausdrücklich, wie gut es gelungen sei, die Arbeit unter erschwerten Bedingungen aufrechtzuerhalten. Auch mit kreativen Lösungen und mit vielfältigen Online-Angeboten, so der Vertreter der Rathausspitze. Harmonie herrschte in so großem Ausmaß, dass ein Antrag auf eine Budgeterhöhung wohl schnell große Zustimmung geerntet hätte. Auf der Tagesordnung standen aber bloß Berichte, und denen wurde auch ohne Debatte um höhere Haushaltsansätze Aufmerksamkeit geschenkt.

Seltener Gast war auch Florian Friedel. Der Geschäftsführer des Josef-Hospitals erläuterte zusammen mit Bibliotheksleiterin Anika Schmidt Pläne für einen Ausbau der Stadtbücherei. Zusammen mit dem Neubau des Krankenhauses werde an der Wildeshauser Straße die bisherige Patientenbibliothek einen ganz neuen Stellenwert erhalten: Als Zweigstelle der Bücherei im City-Center an der Langen Straße werde für die neue Klinik auf rund 50 Quadratmetern ein Raum vorgesehen. „Wir haben gemerkt, dass ein solches Angebot nicht nur kostet“, sagte Friedel. Der Zugang zu den von der Bücherei angebotenen Medien sei neben der medizinischen und pflegerischen Betreuung ein wichtiger Faktor, damit die Patienten gesunden. Im Klinikalltag sei es häufig Realität, dass nicht viel Zeit für menschliche Zuwendung bleibe. Friedel ist froh, dass Seelsorger und der Besuchsdienst die Lücke füllen und eben auch die „zwei Damen, die von Zimmer zu Zimmer gehen“, um Lesestoff anzubieten. Die Patientenbibliothek soll nun aus ihrem Schattendasein herausgeführt werden. Für Anika Schmidt gehört es zu den Aufgaben einer Bücherei, auch soziale Bibliotheksarbeit zu leisten. Sie preist nicht nur Bücher an, sondern kann sich auch vorstellen, dass E-Books und File-Streaming ans Bett gebracht werden. Nachmittags soll die Zweigstelle im Krankenhaus übrigens auch für die Öffentlichkeit geöffnet sein. Zwischen den beiden Standorten wird zudem ein „Leihverkehr“ eingerichtet, sodass die Bücher zum Kunden und nicht umgekehrt kommen. Für Friedel wäre die Zusammenarbeit auch ein Signal nach außen, Bücherei und Klinik sind beide in kommunaler Trägerschaft. Schmidt kann sich vorstellen, Besucher aus der Zweigstelle später auch zur Langen Straße zu locken.

Die Zweigstelle der Bücherei würde im Eingangsbereich des Krankenhauses, gleich neben der Cafeteria angesiedelt werden, berichtete Friedel. Die fälligen Baukosten übernehme das Land, die entsprechende Anerkennung liege schon vor. Natürlich sollten die Delmenhorster noch Geduld aufbringen, der Zeitplan für den Krankenhausneubau stehe noch nicht endgültig, „aber drei bis vier Jahre wird es noch dauern, bis das erste Buch ausgeliehen wird“.

Anika Schmidt blickte vor dem Ausschuss auch auf das abgelaufene Jahr zurück. Rund 30.000 Besucher, etwa 70 Prozent der Vorjahreszahl, hätten das Haus besucht. Das habe an den eingeschränkten Öffnungszeiten und den Zugangsbeschränkungen durch die Corona-Regeln gelegen. Man habe bei der Ausleihe etwa 67 Prozent des Standes von 2019 erreicht, auch das hänge mit den Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie zusammen. Mit viel Enthusiasmus entwickelten die Mitarbeiter schnell ein System für einen Abholservice. Die Bücherei lud regelmäßig zu Vorleseaktionen ein und hielt mit kleinen Briefbotschaften Kontakt zu den Kita-Gruppen. Es wurde ein Auto-Bilderbuch-Kino veranstaltet, Familien mit Kindern ab drei Jahren machten sich mit dem Bobbycar, Dreirad oder Skateboard auf den Weg auf ein Open-Air-Gelände beim Nordwolle-Museum. „Von Mitte Oktober bis Ende Dezember wurde das gesamte Team zur Unterstützung der Kontaktnachverfolgung des Gesundheitsamtes eingesetzt, wodurch die Arbeit der Stadtbücherei komplett zum Erliegen kam.“

Davor habe sie nun angesichts steigender Inzidenzwerte in Delmenhorst erneut Angst. Schmidt bat darum, den Bildungsauftrag, den die Bücherei erfülle, fortsetzen zu dürfen. Würde erneut ihr Team zur Arbeit ins Gesundheitsamt abgeordnet, müsse man die Türen erneut schließen. Eine Diskussion darüber unterband der Erste Stadtrat, mit der Einigkeit war es in der Ausschusssitzung vorbei.

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