In „schwerer See“ hat Inge Holschen das Ruder des Schützenvereins Hoyerswege übernommen Die erste Frau – nach mehr als 100 Jahren

Kaum zu glauben, aber wahr: In der 103-jährigen Geschichte des Ganderkeseer Schützenbundes ist Inge Holschen die erste weibliche Vorsitzende eines Mitgliedsvereins des Schützenbundes. Seit März führt sie die rund 200 Mitglieder des Schützenvereins Hoyerswege. "Ich möchte, dass dieser Verein weiterlebt", nennt sie den Grund für ihr Engagement.
03.07.2013, 05:00
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Von Jochen Brünner

Kaum zu glauben, aber wahr: In der 103-jährigen Geschichte des Ganderkeseer Schützenbundes ist Inge Holschen die erste weibliche Vorsitzende eines Mitgliedsvereins des Schützenbundes. Seit März führt sie die rund 200 Mitglieder des Schützenvereins Hoyerswege. "Ich möchte, dass dieser Verein weiterlebt", nennt sie den Grund für ihr Engagement.

Ganderkesee-Hoyerswege. Kaum ein Ehrenamt ist bislang so konsequent in männlichen Händen gewesen wie die Leitung eines Schützenvereins. Dem Schützenbund Ganderkesee, der inzwischen auf eine 103-jährige Tradition zurückblickt, gehören elf Mitgliedsvereine an, und auch wenn alle inzwischen Damen-Abteilungen etabliert haben und ihre Königinnen küren, hat in all den Jahren noch nie eine Frau die Gesamtverantwortung für einen Ganderkeseer Schützenverein übernommen. Das ist seit März anders – seit Inge Holschen die Position der Vorsitzenden beim Schützenverein Hoyerswege übernommen hat. Gegründet wurde der Verein im Jahr 1899, also vor 114 Jahren.

Die Situation der Hoyersweger Schützen stellte sich im vergangen Herbst ziemlich dramatisch dar. Mit dem damals bevorstehenden Pächterwechsel im ehemaligen Hof Hoyerswege, in den bekanntlich das asiatische Restaurant "Mongolei" eingezogen ist, hat der Verein einen Großteil seiner Infrastruktur verloren. In den vergangenen 30 Jahren hatten die Schützen nicht nur die sanitären Einrichtungen der Gaststätte, sondern auch den Festsaal und weitere Räume nutzen können, was fortan nicht mehr der Fall sein wird. Zudem muss das Vereinsheim dringend renoviert werden.

Auf einer außerordentlichen Versammlung im November entschieden die Mitglieder dann: "Dieser Verein soll weiterleben." Mit Inge Holschen hat der Aufbruch jetzt auch ein neues Gesicht. Im März hat sie das Amt der Vorsitzenden von Rainer Jüchter übernommen, der seinen Posten aus gesundheitlichen Gründen zur Verfügung gestellt hat. Auch wenn die 44-Jährige rein pragmatische Gründe für diesen Wechsel anführt, ist die Personalie für den Ganderkeseer Schützenbund nichts weniger als eine kleine Revolution.

Es spricht für ihren Mut, dass Inge Holschen den Verein in einer solch schwierigen Phase übernommen hat. Denn schließlich liegen wegweisende Aufgaben vor dem Verein. Denn bevor die Sanierung des Vereinsheims starten kann, gilt es zunächst, einen neuen Pachtvertrag für das Grundstück abzuschließen und damit überhaupt die Grundlage für eine Zukunft an diesem Standort zu schaffen. Insgesamt kommen wohl Investitionen in sechsstelliger Höhe auf die Hoyersweger Schützen zu.

Das Verhältnis zu den neuen Gastronomen beschreibt Holschen übrigens als "nettes und freundschaftliches Miteinander". Das ändere aber nichts an der Tatsache, dass Räumlichkeiten und Mobiliar für die Schützen nicht mehr nutzbar seien.

Im Augenblick stecken Inge Holschen und ihr Team mitten in den Vorbereitungen für das Hoyersweger Schützenfest, das am Wochenende, 13. und 14. Juli, stattfinden wird. Gehörte der Schützenverein Hoyerswege dabei schon in der Vergangenheit zu den eher experimentierfreudigen Vereinen, so wird es in diesem Jahr abermals drei Neuerungen geben: Weil der bisherige Saal nicht mehr zur Verfügung steht, wird das Spektakel erstmals in einem Festzelt stattfinden. Der bisherige Schützenball nennt sich ab sofort Disco und wendet sich an ein jüngeres Publikum. Mit ihrer Proklamation kehren die Hoyersweger schließlich auf den angestammten Sonntag zurück. Im vergangenen Jahr hatte man das neue Königshaus versuchsweise bereits am Sonnabend ausgerufen. "Aber wir haben festgestellt, dass der Termin am Sonntag vor allem auch für die befreundeten Vereine angenehmer ist", begründet Holschen die Entscheidung. Das Spektakel beginnt am Sonnabend, 13. Juli, um 14 Uhr mit dem Umzug durch den Ort. Höhepunkt ist dann die Königsproklamation am Sonntag, 14. Juli, um 19.30 Uhr.

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