Solo-Tour führte Paddy Kelly auch ins Kleine Haus, wo er mit Talent, Charme und frechen Sprüchen überzeugte Die Haare sind ab, die Stimme ist geblieben

Als drittjüngstes Mitglied der Pop- und Folkband "The Kelly-Family" stand der Mädchen-Schwarm mit langer Mähne und toller Stimme jahrelang in der Öffentlichkeit. Mittlerweile ist Paddy Kelly 35 Jahre alt und solo unterwegs. Die Haare sind ab, die Stimme ist geblieben. Bei seinem "Solo&Unplugged"-Konzert am Sonntagabend im Kleinen Haus begeisterte er sein Publikum – allerdings nicht nur mit musikalischem Können.
25.06.2013, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Ayleen Finkenzeller

Als drittjüngstes Mitglied der Pop- und Folkband "The Kelly-Family" stand der Mädchen-Schwarm mit langer Mähne und toller Stimme jahrelang in der Öffentlichkeit. Mittlerweile ist Paddy Kelly 35 Jahre alt und solo unterwegs. Die Haare sind ab, die Stimme ist geblieben. Bei seinem "Solo&Unplugged"-Konzert am Sonntagabend im Kleinen Haus begeisterte er sein Publikum – allerdings nicht nur mit musikalischem Können.

Delmenhorst. "Ich komme übrigens aus Irland" – diese Aussage steht wohl stellvertretend für den gesamten Auftritt des einstigen Superstars Paddy Kelly. Der Ire, der mit seiner Familie 20 Millionen Platten verkauft hat und damit zu den erfolgreichsten Interpreten in Europa gehört, will nicht länger im Mittelpunkt stehen. Er stellt lieber seine Musik und den Kontakt zum Publikum in den Vordergrund. Er verzichtete auf eine große Begrüßung, spielte stattdessen im Jubel seines Publikums direkt die ersten Akkorde von "Every breath you take" von The Police auf seiner Gitarre.

Euphorische Fans erlebte der Sänger während seiner "Kelly Family"-Zeit sehr häufig. Vielleicht zu häufig, denn 2003 machte er Schluss damit, zog auf der Suche nach sich selbst in ein Kloster in Frankreich. Dort blieb er sechs Jahre – bis er 2010 wieder anfing, an seiner Karriere zu arbeiten. Im Kleinen Haus sah man nun einen Paddy Kelly, der sich über den Jubel seines Publikums wieder freuen kann. Das war mal anders. In einigen seiner Songs singt er von der Schattenseite des Ruhms. "Ich nehme in dem nächsten Song die Scheinwelt des Show-Business auf die Schippe", sagte er.

Die Chöre, die die Refrains mitsingen und zum Klatschen aufstehen, zauberten ihm jedes Mal ein Lächeln ins Gesicht. Und der Künstler selbst sorgte immer wieder für Gänsehaut. Einige Lieder spielte auf seiner Gitarre, andere am Keyboard. Er spielte eigens komponierte Songs aus der Zeit als Solo-Künstler, aber auch gecoverte Lieder. Die Hits aus der "Kelly Family"-Zeit ließen vor allem bei den etwas älteren Besuchern Erinnerungen an alte Zeiten wach werden. Paddy Kelly kann eben nicht nur langsame Balladen, er kann auch schnelle Nummern. Und eines kann er damit ganz besonders: mitreißen. Mehr als ein paar Instrumente und ein Mikrofon braucht er dafür nicht.

Als er dann von einem Nachmittag erzählte, als die "Kelly Family" einen Auftritt in Delmenhorst auf dem Marktplatz hatte, merkte man, dass einige Besucher nicht erst seit gestern Fans des Sängers sind. "Jetzt spiele ich ein Lied, bei dem ein paar von uns sich wahrscheinlich das erste Mal gesehen haben", kündigte er an. Damit meinte der frisch verheiratete Paddy wohl ein Konzert von ihm und seinen Geschwistern im September 1994. Die ersten sanften Töne von "Fell in Love with an Alien", die er ins Mikrofon hauchte, wurden schon bald von den Jubelrufen aus dem Publikum übertönt. Niemand hielt es mehr auf seinem Sitz.

Die Zuhörer kannten nicht nur die Texte der meisten Lieder und belohnten den 35-Jährigen mit tosendem Applaus, sie und Paddy Kelly suchten auch immer wieder Kontakt zueinander. "Jetzt heben mal bitte alle die Hand hoch, die heute aus Delmenhorst da sind", wollte der sympathische Sänger wissen. Ein Dutzend Hände ragten daraufhin in die Luft. "Und was ist mit dem Rest?", fragte sich der Dubliner. Nach und nach riefen ihm die Zuhörer Länder wie "Holland", "Polen" und sogar "Schweden" zu.

Bei seinem nächsten Song holte er seinen Freund und Bassisten Dirk Schulz auf die Bühne. Während er für die entsprechende musikalische Begleitung sorgte, lief Paddy Kelly mit seinem Mikrofon die rechte Seite der Zuschauerränge hoch und begrüßte die äußeren Plätze mit Handschlag. Von dem wohl jüngsten Fan, der kleinen Lea, bekam er sogar eine Rose beschenkt. "Und was ist mit mir?", rief eine Frau aus der Mitte der Sitzplätze. Paddy Kelly zuckte nicht lange mit der Wimper und kletterte Lehne für Lehne und über etliche Köpfe zu seinem weiblichen Fan nach oben und schüttelte auch die Hand der begeisterten Frau.

Es muss dieser Mix aus musikalischem Talent (er singt, spielt Bass, Gitarre und Keyboard), frechen Sprüchen und einem sympathischen und charmanten Umgang mit seinem Publikum sein, der Fans dazu veranlasst, mehrere Tausend Kilometer für eines seiner Konzerte zurückzulegen. Die Freundinnen Izabela und Monika aus Polen gehören mit ihren 20 Jahren nicht nur zu den jüngsten, sondern wohl auch zu den größten Fans. Zwölf Konzerte haben sie bereits gesehen. Delmenhorst ist die geringste Entfernung gewesen, erzählte Monika. "Einmal sind wir bis nach Paris für ein Konzert gefahren. Das waren 3000 Kilometer. Wir haben drei Nächte im Auto geschlafen. Aber er ist einfach ein toller Künstler, der tiefgründige Texte schreibt, total sympathisch ist und einfach eine grandiose Stimme hat."

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