Anlageberater in Delmenhorst erzählen

Die Krise macht die Kleinanleger konservativ

Delmenhorst. Krise macht konservativ. Jedenfalls den typischen Delmenhorster Kleinanleger. 'Kein Geld zu verlieren' sei dem derzeit das Wichtigste, sagt Wolfgang Etrich, Vorstandsmitglied der Raiffeisen-Volksbank Delmenhorst-Schierbrok.
09.03.2010, 05:21
Lesedauer: 2 Min
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Von Ute Winsemann

Delmenhorst. Krise macht konservativ. Jedenfalls den typischen Delmenhorster Kleinanleger. 'Kein Geld zu verlieren' sei dem derzeit das Wichtigste, sagt Wolfgang Etrich, Vorstandsmitglied der Raiffeisen-Volksbank Delmenhorst-Schierbrok. 'Die Garantie muss immer draufstehen.'

Die Garantie für ein einzelnes 'Finanzprodukt', also Sparbrief, Zertifikat oder ähnliches, ist allerdings keine Garantie, dass die Anlagestrategie die individuell passende ist in dem weiten Feld unterschiedlicher Anlageziele von Zielsparen bis Altersvorsorge, zwischen Tagesgeld und langfristiger Bindung und zwischen Sicherheit und größeren Gewinnchancen, aber auch größerem Verlustrisiko.

Für eine passgenaue Anlage, da sind sich Etrich und sein leitender Vermögensberater Rolf-Dieter Duda einig, brauche es vor allem eine intensive Beratung. Dass die seit Jahresbeginn protokolliert werden muss, heißen beide gut. Wobei nach dem Wertpapierhandelsgesetz gewisse Dokumentationspflichten auch schon vorher gegolten hätten - allerdings nur bei Beginn einer Geschäftsbeziehung und bei gravierenden Änderungen, und eine Kopie hätten die Kunden nur auf Wunsch erhalten. Nun müsse jedes einzelne Gespräch protokolliert werden, sogar einschließlich abgelehnter Empfehlungen. Und erst wenn ein Kunde das Protokoll in der Hand habe, dürfe ein Geschäft getätigt werden.

Auch ein derartiges Protokoll sei jedoch 'noch lange keine Garantie, dass die Beratung vernünftig ist', gibt Etrich zu. Trotzdem versprechen sich die Banker von der Protokollpflicht Verbesserungen. Seien manche Einzelheiten vorher nur mündlich besprochen, so könnten die Kunden sie jetzt noch einmal nachlesen. Nach einem Beratungsgespräch und eben spätestens mit dem Protokoll müsse den Kunden klar sein, worauf sie sich jeweils einlassen.

'Da kommen wir auch nicht raus' betont Etrich. Letztlich bleibe es aber den Kunden überlassen, wofür sie sich entscheiden. Womit die Kundenschutz-Funktion des Protokolls beschränkt bleibt, es aber zugleich auch dem Bankenschutz dient: Spätestens wenn eine Anlage nicht die Erwartungen erfüllt und es zum Streit kommt, kann die Bank künftig auf das von ihr erstellte Protokoll verweisen. Wobei das Protokoll ohnehin nichts daran geändert hat, dass gegebenenfalls der Kunde nachweisen muss, schlecht beraten worden zu sein.

Teil jeden Protokolls sind Informationen über das jeweilige Finanzprodukt und die Gründe, gerade dieses in diesem Fall zu empfehlen. Für diesen Zweck entwickeln immer mehr Banken standardisierte 'Beipackzettel', damit sich die Kunden im Wust der Informationen noch zurechtfinden. 'Wir müssen die übersetzen', sagt Etrich. Sätze wie 'Die Kursentwicklung des Zertifikates muss während der Laufzeit nicht mit der Kursentwicklung der zugrunde liegenden Referenzaktion übereinstimmen und kann durch weitere Faktoren wie beispielsweise die Volatilität und Dividendenrendite der Referenzaktien und die Restlaufzeit des Zertifikates beeinflusst werden' sollen dann offenbar auch für Finanz-Laien verständlich sein.

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