Max-Planck-Gymnasium

Die Lust am Lesen und am Diskurs

Delmenhorst. Kreatives Schreiben und Literatur stehen im Mittelpunkt der „IG Deutsch Plus II“ am Max-Planck-Gymnasium. Studiendirektor Andreas Langen hat besonders begabte Schülerinnen um sich gesammelt, um sie zu fördern und fordern.
19.02.2014, 21:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Marco Julius

Kreatives Schreiben und Literatur stehen im Mittelpunkt der „IG Deutsch Plus II“ am Maxe. Studiendirektor Andreas Langen hat besonders begabte Schülerinnen um sich gesammelt, um sie zu fördern und fordern. Die Ergebnisse der Arbeit am Buch werden immer wieder auch in die Öffentlichkeit getragen.

Eines stellt Studiendirektor Andreas Langen gleich klar: „Wir sind nicht der Club der toten Dichter. Wir treffen uns auch nicht heimlich in einer Grotte, wir setzen auf Außenwirkung.“ Doch was den kleinen Kreis von Maxe-Schülerinnen um Langen, der sich als „Interessengemeinschaft Deutsch Plus II“ für Kreatives Schreiben und Literatur regelmäßig trifft, mit den Figuren aus dem Spielfilm verbindet, sind Liebe und Leidenschaft zur Literatur. Langen sagt es mit dem Philosophen Augustinus: „In Dir muss brennen, was Du in anderen entzünden willst.“

Langen befeuert die Liebe zum guten Buch bei seinen Schülern, die wiederum tragen – wenn man so will – die Fackel weiter. Innerhalb und außerhalb der Schule. So stellen die Schülerinnen etwa in Form eines „Literarischen Quartetts“ Neuerscheinungen in der Buchhandlung Jünemann vor – das nächste Mal am Mittwoch, 7. Mai, 20 Uhr –, präsentieren dem Freundeskreis der Schule Ergebnisse ihrer Arbeit mit den Büchern oder stellen in Grundschulen lesenswerte Werke vor.

Gina-Sophia Franke, Philine Bamberger, Merle Stöver und Helena Blum, allesamt aus dem Jahrgang 11, bilden derzeit den harten Kern der Gruppe. Die jungen Frauen – 16, 17 Jahre alt – sind jeweils ab der sechsten oder siebten Klasse zur Gruppe gestoßen. „Aus Liebe zum Lesen – und weil die Gruppe mir ein großes Spektrum an Büchern eröffnen konnte“, sagt etwa Helena Blum. Gina-Sophia Franke fand es stets spannend, dass in der Gruppe auch Bücher gelesen werden konnten, die noch gar nicht erschienen waren. Diese Probe-Exemplare von Verlagen haben die Schülerinnen dann rezensiert und die Ergebnisse an die Verlage zurückgespiegelt.

„Die Verlage sind für motivische, figurative und erzählkompositorische Anregungen sehr dankbar“, sagt Langen. Als Lehrer ist er besonders stolz darauf, dass seine IG, die aus engagierten, leistungsstarken Schülerinnen bestehe, heute längst Erwachsenenliteratur liest. „Pferdeliteratur“, also seichte Unterhaltung für Mädchen, der Begriff steht in der Gruppe stellvertretend für Bücher, zu denen die Schülerinnen längst nicht mehr greifen. Vielmehr stehen Bücher im Mittelpunkt, die Langen als Deutschlehrer in der Jahrgangsstufe 11 nicht zum Unterrichtsthema machen könne, weil sie viele Schüler schlicht überfordern würden. Da geht es zum Beispiel um die literarische Verarbeitung der Flüchtlingsproblematik im Zweiten Weltkrieg oder um das Thema Suizid.

Die Voraussetzungen für die Teilnahme an der IG umreißt er dann auch klar: soziale Reife, schnelles sinnerfassendes, analytisches und auch inszenatorisches (Vor-)Lesen, eine sehr gute Ausdrucksweise in der gesprochenen sowie in der Schriftsprache. „Die Schülerinnen der IG sind aufgrund ihrer Fähigkeiten in der Literaturreflexion im Unterricht oft unterfordert“, weiß Langen. Die IG werde daher auf dem Niveau eines Proseminars an der Uni geführt und ist Teil der Begabtenförderung, wie sie am Maxe großgeschrieben wird. „Die Erarbeitung einer Rezension verlangt von den Schülerinnen ein hohes Maß an Kenntnissen in den formalen, motivischen und sprachlichen Formen der Erzählkunst und in den entscheidenden Beurteilungskriterien“, berichtet Langen.

Aber keine Bange: Wer mit den Schülerinnen über Literatur spricht, der bemerkt natürlich die hohe analytische Kompetenz, das Ausmaß der Reflexion, der stellt aber auch fest, dass bei aller Textanalyse die Liebe für das Buch nicht verloren gegangen ist. So schwärmt Gina-Sophia Franke von der Aktualität des Hermann-Hesse-Klassikers „Unterm Rad“:„Auch heute fühlen sich viele Schüler – wie Hesses Protagonist – überfordert“, sagt sie.

Merle Stöver begeistert sich für die „Tribute von Panem“, eine Buchreihe, die die Gruppe schon gelesen hat, als sie in Deutschland noch nicht auf dem Markt war. Neben der Schwärmerei kommt aber auch die Kritik nicht zu kurz, wie Philine Bamberger sagt:„Es befreit ja auch, wenn man schlechte Dinge beim Namen nennen und Kritik loswerden kann.“ Kritik so zu präsentieren, dass sie für andere nachvollziehbar ist, das ist ein Ziel der IG.

Für die Gruppe versteht es sich übrigens von selbst, dass Literatur in gedruckter Form gelesen wird – und nicht auf einem E-Book-Reader. „Der Geruch von Büchern – egal ob alt oder neu“, der sei eben schon besonders. Und sie machen sich auch besser in der Schulbibliothek. Denn ein Nebeneffekt der literarischen Arbeit der Gruppe ist es, dass die Buchhandlung die rezensierten Bücher der Schule stiftet.

„Die Schülerinnen geben Leseempfehlungen aus erster Hand“, sagt Langen. Das Prinzip der „Literatur von unten“, wie er es nennt, führt er auch in einer AG fort, die sich an Schüler der Klassen 5 und 6 richtet. Auch diese Schüler werden wachsen, sich neue Lesefelder erarbeiten. Die Fackel der Leselust wird also weitergetragen. Für Langen ist das ein wichtiges Ziel gymnasialer Bildung: die individuelle Entfaltung bereits vorhandener analytischer, sozialer und kreativer Kompetenzen. Ein wenig traurig ist er aber auch: Denn die aktuelle IG findet nach dem Abi, wie jedes gute Buch, ein Ende. Die Lust am Lesen und am Diskurs, die wird aber allen bleiben.

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