Wichernstift ab Anfang April in Bassum Die Nachbarn waren auch schon da

Ganderkesee·Bassum. 'Familie zuerst', betont Claus Langer. Doch der Geschäftsführer der Jugendhilfe im Wichernstift weiß auch, dass es Eltern gibt, die aus unterschiedlichsten Gründen nicht in der Lage sind, Kinder zu erziehen.
07.02.2010, 16:05
Lesedauer: 2 Min
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Von Ute Frankenfeld

Ganderkesee·Bassum. 'Familie zuerst', betont Claus Langer. Doch der Geschäftsführer der Jugendhilfe im Wichernstift weiß auch, dass es Eltern gibt, die aus unterschiedlichsten Gründen nicht in der Lage sind, Kinder zu erziehen. Bei der Suche nach neuen Unterbringungsmöglichkeiten für junge Menschen, die nicht mehr zu Hause leben können, wurde die Jugendhilfe-Einrichtung aus Ganderkesee in Bassum fündig.

Anfang April, wenn die Ostertage vorüber sind, ziehen neun Mädchen und Jungen zwischen acht und vierzehn Jahren in die neue Wohngruppe des Wichernstifts in der Harpstedter Straße 13. Dabei werden sie von vier Pädagogen betreut und unterstützt.

In Zusammenarbeit mit dem Fachdienst Jugend im Landkreis Diepholz bietet das Wichernstift auch im Nordkreis Hilfen für Kinder und Eltern an. In Syke und Bruchhausen-Vilsen ist die Einrichtung schon seit längerem aktiv. In der Ernst-Boden-Straße der Hachestadt führen die Mitarbeiter seit zwei Jahren sozialpädagogische Familienhilfen, Nachmittagsbetreuung, Fünf-Tage-Wohngruppen sowie individuelle Beratungen durch.

Vier Pädagogen im Einsatz

'Die Wohngruppe in Bassum ist vollstationär', erklärt Langer. Das bedeutet, dass die Kinder an sieben Tagen in der Woche dort wohnen und auch das Wochenende nicht im Elternhaus verbringen. Die vier Pädagogen begleiteten die Jungen und Mädchen im gemeinsamen Alltag, kümmern sich um Frühstück, Kochen und Hausaufgaben. Jeder hat ein eigenes Zimmer, dazu kommen Gemeinschaftsräume, ein Wohnzimmer sowie ein Raum für heilpädagogische Angebote und kreative Projekte.

'Die Kinder werden auch in Bassum zur Schule gehen', sagt der Geschäftsführer aus Ganderkesee. Obwohl Ängste oder Vorbehalte gegenüber Kindern aus Problemfamilien häufig sind, baut Langer darauf, dass die Mädchen und Jungen in der Lindenstadt gut aufgenommen werden. Soziale Begegnung und Freundschaften seien gerade für junge Menschen wichtig, die aufgrund ihres familiären Hintergrunds nicht immer so fähig seien, langfristig Kontakte zu pflegen, meint der Pädagoge. Langer will mögliche Berührungsängste abbauen. Die Nachbarn hat er schon eingeladen und mit auf eine Tour durch Haus und Garten genommen. Für die nahe Zukunft ist ein Tag der offenen Tür in Planung, damit sich interessierte Bassumer ein Bild von der pädagogischen Arbeit mit Kindern machen können.

Neben den halbstationären Fünf-Tage-Betreuungen betreibt das Wichernstift insgesamt acht vollstationäre Wohngruppen. In der Regel stellen die Eltern einen Antrag auf Hilfe zur Erziehung beim Jugendamt. Dabei sind die Problemhintergründe vielschichtig. Es gäbe Alleinerziehende, die der Erziehungsalltag überfordere oder schwierige Erziehungssituationen mit älteren Kindern, etwa wenn ein Elternteil eine neue Partnerschaft eingehe. Eine Fremdbetreuung wird aber nur in Einzelfällen notwendig - das Angebot an Unterstützungen für junge Menschen ist vielfältig. 'Wir gehen auch in die Familien hinein, machen aufsuchende Arbeit oder unterstützen die Kinder in Nachmittagsgruppen', beschreibt Langer die verschiedenen Hilfen. Ziel, so der Geschäftsführer, sei immer die Rückführung zum Elternhaus. Darum bedeutet Hilfe zur Erziehung für Langer stets intensive Elternarbeit: 'Auch die Eltern müssen sich verändern', sagt er.

Informationen über Arbeit

Wer sich näher über die pädagogische Arbeit informieren möchte, kann Claus Langer telefonisch unter Telefon 04221/852301 im Wichernstift erreichen.

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