Politiker beraten die Erstellung eines entsprechenden Konzeptes im kommenden Umweltausschuss Die Stadt will Klimaschützer werden

Delmenhorst. Delmenhorst soll klimafreundlicher werden. Deswegen haben die Grünen den Antrag gestellt, für die Stadt ein Klimaschutzkonzept erstellen zu lassen. Den Fahrplan zu einem geringeren Kohlendioxidausstoß hat die Verwaltung nun in einer Vorlage skizziert, über die der Planungs- und Umweltausschuss auf seiner nächsten Sitzung am 10. März, 17 Uhr, im Großen Sitzungssaal des Rathauses beraten wird.
05.03.2011, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Andreas D. Becker

Delmenhorst. Delmenhorst soll klimafreundlicher werden. Deswegen haben die Grünen den Antrag gestellt, für die Stadt ein Klimaschutzkonzept erstellen zu lassen. Den Fahrplan zu einem geringeren Kohlendioxidausstoß hat die Verwaltung nun in einer Vorlage skizziert, über die der Planungs- und Umweltausschuss auf seiner nächsten Sitzung am 10. März, 17 Uhr, im Großen Sitzungssaal des Rathauses beraten wird.

Der Fachdienst Umwelt geht davon aus, dass die Erstellung des Konzeptes die Stadt gut 52000 Euro kosten wird. Erarbeitet werden soll das Konzept in Zusammenarbeit mit der Kasseler Agentur "Eyedexe", die unter anderem schon die energetische Neuausrichtung der hessischen Kleinstadt Wolfhagen begleitet hatte. Die Hessen gewannen im vergangenen Jahr den Wettbewerb "Energieeffiziente Stadt 2010" des Bundesministeriums für Bildung und Forschung, was bedeutet, dass sie in den kommenden fünf Jahren jährlich bis zu einer Million Euro aus Berlin überwiesen bekommen. Damit werden die Ansätze des Projekts "Energenial" umgesetzt und auf ihre Praxistauglichkeit geprüft.

Das zeigt: Über Klimaschutz nachzudenken und in ihn zu investieren, kann sich lohnen. Wobei die Kosten für die Erstellung des Konzeptes natürlich nicht die einzigen bleiben werden. Zu einem Klimaschutzkonzept gehört es zum Beispiel auch, die CO2-Bilanz der kommunalen Liegenschaften aufzupolieren, das heißt, dass die Stadt viel Geld für die energetische Sanierung all ihrer Gebäude in die Hand nehmen muss. Ein Großteil solcher Baumaßnahmen werden aber vom Bund finanziell unterstützt.

Nicht nur ein finanzieller Gewinn

Auf der anderen Seite stehen dann die gegenzurechnenden Gewinne, und zwar nicht nur in Form von Preisen. Zum ersten bringt Klimaschutz bereits kurzfristig einen finanziellen Gewinn, weil die Stadt nach einer Sanierung ihrer Gebäude weniger Geld für Energiekosten ausgeben wird, was bei stetig steigenden Preisen für Öl oder Gas eine nicht zu vernachlässigende Größe darstellt. Zum zweiten schlägt ein Imagegewinn zu Buche, denn "die Kommune beweist das Wahrnehmen ihrer Funktion in der Daseinsvorsorge und zeigt sich zukunftsfähig", schreiben die "Eyedexe"-Berater in ihren "Methodischen Vorschlägen", die den Umweltpolitikern mit den Ausschussunterlagen zugegangen sind und die unserer Zeitung vorliegen. Zum dritten kann sich die Umsetzung eines solchen kommunalen Klimaschutzkataloges auch positiv auf die örtliche Wirtschaft auswirken, wenn die Sanierungsarbeiten vor allem von ortsansässigen Handwerkern ausgeführt werden: Klimaschutz als kleines Konjunkturpaket.

Die wichtigsten Aufgaben der Stadt sind laut "Eyedexe", mit gutem Beispiel im Klimaschutz-Prozess voranzuschreiten, vielfältige Anstöße zu geben und lokale Akteure zu vernetzen. Dabei ist es entscheidend, vor allem auch die privaten Hausbesitzer zu erreichen - da sie den Großteil der Delmenhorster Immobilien besitzen, wird Klimaschutz ohne sie nicht funktionieren. "Die Verringerung des Heizwärmebedarfs durch die energetische Sanierung der Alt-Wohngebäude im privaten und im Besitz der Wohnungsbaugesellschaften weist den vergleichsweise höchsten Wirkungsgrad in der CO2-Bilanz auf", betonen die Energieexperten von "Eyedexe". Ein zweiter wichtiger Punkt in einem städtischen Energiekonzept muss dann der Individualverkehr sein, also Konzepte, die die Bürger dazu einladen, weniger mit dem eigenen Auto zu fahren.

Energetische Sanierung und ein neues Mobilitätsmanagement waren auch die Schwerpunkte, mit denen Wolfhagen die Jury des Ministeriums überzeugte. Wobei dort das Problem der energetischen Sanierung des Altbaubestandes noch drängender als in Delmenhorst war. Die Kommune erarbeitete darüber hinaus ein Konzept für mehr Elektromobilität und entwickelte Ideen, wie die kommunale Stromversorgung zukünftig stärker aus regenerativen Energiequellen gespeist werden kann. Zudem ist es in Wolfhagen gelungen, die Bürger und Hausbesitzer mit ins Boot zu holen.

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