Marita Landgraf hat Leitung der jungen Kunstinitiative Copartikel übernommen / Projekt mit Willms-Gymnasium Die Vermittlungs-Künstlerin

Marita Landgraf ist die Nachfolgerin von Piotr Rambowski bei Copartikel, der jungen Kunstinitiative der Städtischen Galerie Haus Coburg. "Jung, kreativ, sexy will Kunst!" lautet der Slogan. Und Marita Landgraf ergänzt es mit ihrem programmatischen Ansatz noch um das Attribut klug.
18.07.2013, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Andreas D. Becker

Marita Landgraf ist die Nachfolgerin von Piotr Rambowski bei Copartikel, der jungen Kunstinitiative der Städtischen Galerie Haus Coburg. "Jung, kreativ, sexy will Kunst!" lautet der Slogan. Und Marita Landgraf ergänzt es mit ihrem programmatischen Ansatz noch um das Attribut klug.

Delmenhorst. Marita Landgraf wirkt belebend. Auf das Haus Coburg, dessen Freundeskreis und auch auf Copartikel. Nicht, dass die junge Kunstinitiative Belebung gebraucht hätte, sie hat immer gut funktioniert und war kreativ. Aber Marita Landgraf als neuer Kopf hinter der Nachwuchsarbeit im Haus Coburg setzt etwas andere Akzente als Piotr Rambowski vor ihr. Manchmal ist ein neuer Blickwinkel, ein etwas anderer Ansatz einfach wichtig und richtig. Und ja: belebend.

Ein Beispiel für diesen neuen, ehrgeizigen, arbeitsintensiven Ansatz ist das von der 32-Jährigen geplante Satellitenprojekt zur nächsten Ausstellung im Haus Coburg. Wenn "Ina Weber. Hier" zu sehen ist, will sie Delmenhorst und Bremen verbinden, Delmenhorster nach Bremen zum Satelliten im Projektraum des Lloydhofs und Bremer nach Delmenhorst zur Mutterbasis ziehen. Das ist mindestens ambitioniert. "Ich will Copartikel damit in Bremen bekannt machen", sagt sie.

Seit Anfang dieses Jahres ist sie das Gesicht von Copartikel, ein halbes Jahr hat sie nun schon Erfahrungen gesammelt, daran mitgewirkt, das städtische Kunstmuseum vor allem für jüngere Besucher zu öffnen und den Spaß an der Auseinandersetzung mit Kultur zu vermitteln. Sie ist zufrieden, obwohl es ein mühsames Geschäft ist. "Aber die Arbeit, die ich da rein stecke, lohnt sich auch wirklich. Es kommen immer tolle Sachen dabei heraus." Die jüngsten dieser "Sachen" sind die kleinen Zeichenrobotor, die zusammen mit dem Kritzelclub gebastelt wurden. Oder die aufwendige Broschüre "Zeichenkurs: Büropartikel oder ,Wie die Grinsekatze entstand’", die zur Astrid-Brandt-Ausstellung erarbeitet wurde. Darin ist zu sehen, wie die Kinder nach und nach ihre eigenen Zeichnungen zu Papier bringen.

Zu Copartikel kam Marita Landgraf über ihren eigentlichen Job, eine halbe Stelle im Künstlerhaus Bremen als Assistentin der künstlerischen Leiterin Stefanie Böttcher. Wie das so ist in der kleinen Kunstszene: Ihre Chefin kennt Galerie-Leiterin Annett Reckert, man redet und kommt auf so Ideen. Zum Beispiel auf die, dass Marita Landgraf Piotr Rambowski bei Copartikel beerben könnte. "Gleich das erste Gespräch mit Annett Reckert hat gut funktioniert", sagt die 32-Jährige. Also fing sie einfach mal an – und genießt die Freiheit, ihre Ideen umzusetzen. Annett Reckert lässt ihr freie Hand bei der Kunstvermittlung.

Sie hat auch deswegen Spaß, weil diese Aufgabe genau das ist, was Marita Landgraf machen möchte: Den Menschen Kunst näherbringen. Deswegen kam sie nach Bremen, wo sie ein Masterstudium mit genau diesem Schwerpunkt absolvierte: Kunst- und Kulturvermittlung. Zuvor hatte sie in Erfurt schon Kunst und Anglistik studiert, ihr Augenmerk in der Praxis lag auf Druckgrafiken und Plastiken. Was passt. Schließlich hatte sie in ihrer Heimatstadt Halle an der Saale eine Ausbildung zur Goldschmiedin gemacht – und so irgendwie schon das Skulpturale und das Filigrane der Grafiken miteinander vereint.

Ein weiteres Vermittlungsprojekt schiebt Marita Landgraf nach den Sommerferien an. Dann wird ein Geschichts-Seminarkurs des Gymnasiums an der Willmsstraße zu drei Delmenhorster Malern in der Nazi-Zeit arbeiten: Fritz Stuckenberg, Fritz Fuhrken und Gerd Meyer. "In diesem kleinen Forschungsprojekt wollen wir gucken, ob Werke von ihnen beschlagnahmt oder in der Ausstellung zur ,Entarteten Kunst’ gezeigt wurden", erzählt sie. Es wird auf jeden Fall spannend, was die Schüler unter ihrer Anleitung herausfinden, denn zu allen drei Malern gestaltet sich die Forschungslage bislang recht übersichtlich. Es wird also bei dem Projekt, bei dem die Gymnasiasten an das wissenschaftliche Arbeiten herangeführt werden, vielleicht einiges Interessantes ans Tageslicht kommen.

Erste Forschungsergebnisse werden im Rahmen der Langen Nacht der Jugend im Rathaus gezeigt. "Wir werden dafür einen Kubus bauen und zeigen einen Zwischenstand, was wir herausgefunden haben", sagt Marita Landgraf. Die Lange Nacht, die am 27. September im Rathaus stattfindet und mit der unter anderem an die Schandtaten des nationalsozialistischen Regimes erinnert werden soll, war auch der Anstoß für die Zusammenarbeit mit der Schule. "Es liegt ja auf der Hand, das im Haus Coburg zu machen, auch weil wir Bilder der Maler hier in der Sammlung haben. Und für die Schüler ist es sicherlich interessant, mal außerhalb der Schule zu arbeiten."

Im Copartikel-Rahmenprogramm zur Ausstellung "Frederik Foert. On A Clear Day You Can See Forever" wird am Donnerstag, 25. Juli, ab 18 Uhr ein Film über das Universalgenie Leonardo da Vinci, der Maler und Erfinder, Pionier der Medizin und Wissenschaft war, gezeigt. Mehr Infos zu Copartikel unter www.facebook.com/copartikel.

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