Kommentar zu Problemblocks in Delmenhorst Die Wichtigkeit des Wohnraumschutzgesetzes

Um die verwahrlosten und stromlosen Häuser in Düsternort will sich die Besitzerin, eine Immobiliengesellschaft, jetzt kümmern. Doch wie ernst ist diese Aussage, fragt sich unser Redakteur Andreas D. Becker.
Lesedauer: 2 Min
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Die Wichtigkeit des Wohnraumschutzgesetzes
Von Andreas D. Becker

Wie dringend nötig es ist, dass die Landesregierung in Hannover das sogenannte Wohnraumschutzgesetz mit Nachdruck auf den Weg bringt, zeigt sich erneut in Delmenhorst. Nachdem es schon einmal im Wollepark so weit gekommen ist, dass Menschen in unwürdigsten Zuständen in arg verkommenen Wohnungen hausen mussten, wiederholt sich das Ganze jetzt in Düsternort. Seit dem Sommer leben die Menschen dort ohne Strom, die Heizung geht auch nicht. Die Umgebung der Gebäude ist vermüllt.

Der Besitzer, eine große Firma mit Immobilien in fünf Bundesländern, hat versprochen, die Probleme abzustellen. Und zwar sofort. Oder vielmehr: Sofort nachdem die Stadt dem Unternehmen die Auflage erteilt hat, rund um die Uhr eine Brandwache einzurichten, um die Sicherheit der Menschen zu gewährleisten. Die Lage in den Häusern ist seit Monaten prekär. Das spricht nicht dafür, dass das Unternehmen ein Interesse daran hat, wirklich etwas zu ändern.

Was ebenfalls dafür spricht: Delmenhorst ist kein Einzelfall, in Nordrhein-Westfalen ist das Unternehmen den Behörden bereits massiv aufgefallen. Missstände scheinen in den Gebäuden, die der Degag, der Deutschen Grundbesitz AG mit Sitz in Hannover, gehören und von der Altro Mondo mit Sitz in Ronnenberg bei Hannover verwaltet werden, häufiger vorzukommen. Die Worte, die die nordrhein-westfälische Bauministerin gefunden hat, sind eindeutig. Und es will schon etwas heißen, wenn sich eine Ministerin hinstellt und ein einzelnes Unternehmen gezielt anprangert.

Wie man in der Immobilienverwaltung tickt, lässt sich auch gut an der Reaktion auf Berichterstattung ablesen. Journalisten erhalten von Anwälten aus einer großen Kölner Kanzlei lange Schreiben, gespickt mit Drohungen. Auch dürfen Anfragen nicht an die Pressestelle gerichtet werden, sondern gehen nur direkt über die Anwälte. Das Unternehmen nimmt offensichtlich viel Geld dafür in die Hand, dass Berichterstattung über die katastrophalen Zustände in Delmenhorst behindert, am liebsten wahrscheinlich verhindert werden soll, anstatt in den Gebäudebestand zu investieren.

Was ebenfalls aufhorchen lässt, ist die Argumentation: Altro Mondo stellt sich selbst als Opfer dar – als Opfer von Vandalen. Die allein haben dafür gesorgt, dass nun alles so schlimm sei. Aber es stellt sich die Frage: Wann und warum kommt es zu Vandalismus in diesem Ausmaß? Meist ist er eine unmittelbare Folge von Verwahrlosung. Eben weil die Zustände in den Gebäuden schon schlimm waren, gab es keine Hemmungen mehr, sie weiter zu verschlechtern. Es ist eine Abwärtsspirale. Wie es anders geht, zeigt zum Beispiel die städtische Wohnungsbaugesellschaft GSG, die in direkter Nachbarschaft Häuser in Düsternort verwaltet. Die Menschen dort haben Strom. Die Gebäude sind intakt, nichts ist vermüllt. Was wahrscheinlich daran liegt, dass sich die GSG sich um ihren Bestand kümmert.

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