Blick in die Landkreise rund um Bremen

Schulen: Keine Fördermittel aus dem Digitalpakt ohne Konzept

Wie es an den Schulen in den niedersächsischen Landkreisen um Bremen mit den Fördermitteln des Digitalpaktes aussieht: Ein Blick nach Diepholz, Delmenhorst, Osterholz, Verden und Rotenburg.
08.09.2020, 05:00
Lesedauer: 5 Min
Zur Merkliste
Von Vo unseren Regionalredaktionen
Schulen: Keine Fördermittel aus dem Digitalpakt ohne Konzept

Die Schulen müssen technisch aufrüsten, um im digitalen Zeitalter mithalten zu können. Doch die Fördermittel gibt es nur unter bestimmten Voraussetzungen.

Julian Stratenschulte

Die deutschen Schulen müssen technisch aufrüsten, um im digitalen Zeitalter mithalten zu können. Deshalb investieren Bund und Länder im Rahmen des Digitalpaktes bereits seit über einem Jahr rund 5,5 Milliarden Euro in die technische Aufrüstung der Schulen und entsprechende Fortbildungen der Mitarbeiter (siehe Seite 1).

Doch diese Fördermittel aus dem Digitalpakt Schulen gibt es nur unter bestimmten Voraussetzungen. „Man braucht dafür aus den einzelnen Schulen ein pädagogisches Medienkonzept“, erklärt Fabian von Weyhe, Fachbereichsleiter Bildung und Freizeit bei der Gemeinde Weyhe. Aus diesem müsse dann der Schulträger einen Medienentwicklungsplan erstellen.

Darüber hinaus gebe das Förderprogramm den Schulträgern grundsätzlich eine gewisse Umsetzungsreihenfolge vor. So werden etwa mobile Endgeräte und Präsentationsmedien wie zum Beispiel interaktive Tafeln oder Displays nur dann gefördert, wenn die Infrastruktur in den Schulen deren Einsatz auch ermöglicht. Sprich: Erst müssen die technischen Voraussetzungen vor Ort stimmen.

Lesen Sie auch

Landkreis Diepholz

Der Landkreis Diepholz befindet sich als Schulträger deswegen derzeit in der Umsetzung einer flächendeckenden WLAN-Ausstattung in den Schulen. Außerdem wurden im August 2020 bereits Hardware-Beschaffungen in Auftrag gegeben. „Für die sich bereits in der Umsetzung befindlichen Schulen werden demnächst die ersten Förderanträge gestellt“, erklärt Kreisrat Wolfram van Lessen.

In der Gemeinde Weyhe sind im vergangenen Jahr alle Schulen in Trägerschaft der Gemeinde begangen worden. So konnten inzwischen sämtliche Ist-Zustände der technischen Ausstattung ermittelt worden. Aus der Ist-Analyse wurde inzwischen der Bedarf ermittelt. Nun kann eine entsprechende Kostenermittlung stattfinden.

Stadt Delmenhorst

Rund 4,8 Millionen Euro – genauer gesagt 4 793 617 Euro – der Fördermittel gehen nach Delmenhorst. Das sei die maximale Fördersumme, heißt es aus dem Rathaus. Jede Schule der Stadt musste ein Medienbildungskonzept erstellen, um alles weitere kümmere sich die Verwaltung beziehungsweise ein eigens eingestellter IT-Projektmanager.

Die Stadt als Schulträger bekommt über die gesamte Förderdauer, also bis Ende 2023, die Fördersumme ausgeschüttet. Der IT-Projektmanager stimmt den Medienentwicklungsplan mit den Medienbildungskonzepten und den Bedarfsmeldungen der jeweiligen Schulen ab. Der Schulträger übernehme zudem die Verwaltung, Beantragung und Bestellung notwendiger Ausstattung, die aus den Mitteln des Digitalpakts finanziert wird.

Lesen Sie auch

Dabei sei die Handhabung der Förderrichtlinie als unkompliziert wahrgenommen worden. „Nach der Antragstellung besteht die Möglichkeit, online den Verfahrensstand zu prüfen. Nach den bisherigen Erfahrungen der Stadtverwaltung Delmenhorst erfolgt eine zeitnahe Bescheidung“, erklärt Stadtsprecher Timo Frers. Und so konnten die Mittel bereits „in der gesamten Bandbreite von Instrumenten der digitalen Infrastruktur bis hin zu Endgeräten genutzt“ werden.

Doch nicht nur die Anschaffung neuer Geräte und der Ausbau der Infrastruktur müssen zwischen dem IT-Projektmanager und den einzelnen Schulen koordiniert werden, sondern auch die Fortbildung der Lehrkräfte. Denn nicht jeder Lehrer, der ein Tablet in der Hand hat, kann auch automatisch damit umgehen.

Landkreis Osterholz

Von den fast 2,4 Millionen Euro, die dem Landkreis Osterholz aus dem Digitalpakt zustehen, hat die Verwaltung bisher 140 000 Euro abgerufen. Wie Landkreis-Sprecherin Jana Lindemann mitteilte, wurde das Geld in die Medienausstattung des neuen Oberstufenhauses am Gymnasium Lilienthal gesteckt sowie in einen Umbau am Gymnasium Osterholz-Scharmbeck.

Das Antragsverfahren mit dem Land Niedersachsen sei problemlos verlaufen. Dass das meiste Geld noch gar nicht geflossen ist, liegt Lindemann zufolge an einer klaren Maßgabe, die man sich in Osterholz zu eigen gemacht hat: keine Investition ohne Technik- und Pädagogik-Konzept. Zurzeit erstelle ein Fachbüro für die sechs Schulen in Landkreis-Trägerschaft einen Beschaffungsplan; parallel feilen die Kollegien am Einsatz der Geräte im Unterricht.

In Osterholz-Scharmbeck ist die Antragstellung für alle städtischen Schulen, sieben Grund-und zwei Sekundarschulen, in Vorbereitung. „Wir arbeiten permanent daran“, sagt Susanne Fedderwitz. Die Fachbereichsleiterin Bildung und Erziehung bei der Stadt betont, dass sich schließlich nicht jede Schule um die Digital-Förderung bewerben kann. Vielmehr geschehe das, sozusagen im Paket, durch die Kommune.

Lesen Sie auch

Um den tatsächlichen Bedarf festzustellen, sind im Rathaus unter Beteiligung aller Bereiche Arbeitsgruppen gebildet worden. Denn bevor ein PC im Lehrbetrieb sinnvoll betrieben werden könne, müsse „viel Geld in Wand und Leitung fließen“, erläutert Fedderwitz. „Jeder Raum muss schließlich WLAN-fähig sein.“ Dieser Umstand werde von Außenstehenden oft vergessen. Fest stehe, dass laut Richtlinien-Schlüssel aus dem Digitalpakt insgesamt 1 117 256 Euro für die Stadt Osterholz-Scharmbeck bereitstünden. Und darum bewerbe man sich demnächst.

Zeit gebe es noch: „Das Programm läuft bis 2024“, betont die Fachbereichsleiterin aus Osterholz-Scharmbeck. In der Samtgemeinde Hambergen wurde noch kein Antrag gestellt, wie Kämmerer Marco Ehrichs mitteilt. Grund sind die Planungen, die vor einem Antrag abgeschlossen werden müssen. Hauptsächlich soll die Versorgung mit WLAN verbessert werden. Dafür will die Samtgemeinde ein Planungsbüro beauftragen. Bisher ist das nicht erfolgt. Laut Ehrichs besteht an allen Schulen Bedarf. Hambergen werde Mittel beantragen.

Landkreis Verden

Die Fördergelder des Digitalpakt Schule sind im Landkreis Verden auf großen Zuspruch gestoßen. In Zusammenarbeit mit dem Landkreis und der Stadt Verden, als jeweiligen Schulträger, konnten die unterschiedlichen Schulen digital aufgerüstet werden. Neben Whiteboards sind auch Laptops oder Tablets angeschafft worden, die den Schülern als Lernhilfe dienen sollen.

Während im Nordkreis das Cato Bontjes van Beek-Gymnasium Whiteboards und Laptops erhalten hat, sind im Domgymnasium Verden, das im Südkreis liegt, die alten Whiteboards gegen neue ausgetauscht worden. Zudem hat das Domgymnasium ebenfalls Laptops bestellt. „Unser Ziel war es, dass alle Schulen gleichermaßen ausgestattet werden“, erzählt Stefan Krolle, Schulleiter des Cato Bontjes van Beek-Gymnasiums.

Landkreis Rotenburg

Fördermittel aus dem Digitalpakt Schule hat auch der Landkreis Rotenburg beantragt. Für die kreiseigenen Schulen sind nach Auskunft der Behördensprecherin Christine Huchzermeier 3,2 Millionen Euro vorgesehen. Der Landkreis als Schulträger beabsichtige, bis zum Jahr 2024 weitere Förderanträge zu stellen. Bisher sei eine knappe Million Euro beantragt worden. „Die genauen Förderbedingungen waren zunächst nicht klar formuliert“, weiß Christine Huchzermeier, im August hätten dann aber alle Schulträger im Kreis Rotenburg die endgültige Fassung erhalten. Die Schulen, die eine Förderung aus dem Digitalpakt bekommen, hätten knapp vier Wochen nach Antragstellung einen Bescheid erhalten.

Ein Teil des eine Million Euro umfassenden Volumens soll in die Aufrüstung des WLAN an den Berufsbildenden Schulen im Landkreis fließen. Andere Schulen wollen laut Huchzermeier ebenfalls in den Ausbau der WLAN-Infrastruktur investieren oder das Geld für interaktive Tafelsysteme ausgeben. Um von den Zuschüssen des Bundes zu profitieren, muss der Bedarf genau erklärt werden. Der ist offenbar im Kreis Rotenburg erfasst, jetzt sind die Schulen laut Huchzermeier dabei, Konzepte zu erarbeiten.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+