Bauernhof bietet Milch zum Selberzapfen an Dörte und Wolfgang Rademacher stellen Automaten auf

Delmenhorst. Wenn eine Expansion wegen baurechtlicher Vorgaben nicht mehr möglich ist, müssen neue Pfade beschritten werden, um zusätzliche Einnahmequellen zu erschließen: Ab sofort bieten die Rademachers "Rohmilch zum Selberzapfen" an. Allerdings nicht aus der Kuh, sondern aus einem Kühlautomaten.
27.01.2010, 18:20
Lesedauer: 2 Min
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Dörte und Wolfgang Rademacher stellen Automaten auf
Von Kai Purschke

Delmenhorst. Wenn eine Expansion wegen baurechtlicher Vorgaben nicht mehr möglich ist, müssen neue Pfade beschritten werden, um zusätzliche Einnahmequellen zu erschließen. Das ist dem Hof Rademacher in der Annenheider Straße (Hausnummer 268) bereits vor fünf Jahren mit 'Blumen zum Selberpflücken' gelungen - und jetzt wieder. Ab sofort bieten die Rademachers 'Rohmilch zum Selberzapfen' an. Allerdings nicht aus der Kuh, sondern aus einem Kühlautomaten.

Dass Stillstand Rückschritt ist, gilt auch für die Landwirtschaft. Dörte und Wolfgang Rademacher wissen das nur zu gut und so überlegen sie ständig, wie sie ihre Existenz sichern können. 'Denn schließlich müssen wir ja noch 30 Jahre bis zur Rente arbeiten', erzählt die 39-jährige Dörte Rademacher. Der Milchviehbetrieb, 60 Kühe sorgen für die Produktion, liegt zwischen Gewerbe- und Wohngebiet und muss sich deshalb mit Einschränkungen arrangieren. 'Hühner dürften wir nicht halten und weitere Ställe bauen auch nicht', nennt Dörte Rademacher zwei Beispiele.

Auch in Elmeloh steht ein Automat

Also haben ihr Mann Wolfgang (41) und sie ein gutes halbes Jahr hin und her überlegt, ob sie anderweitig investieren sollen. 'Den Kühlautomaten haben wir in einer Fachzeitschrift gesehen', erinnert sich der Landwirt an den Stein des Anstoßes. Aber hier war er nirgends zu bekommen, einzig ein Schweizer Unternehmen vertreibt den zwei Meter hohen und einen Meter breiten Kühlautomaten, der mit einer 50-Liter-Milchkanne bestückt werden kann. Die Rademachers wagten die Investition in Höhe von rund 10000 Euro, ebenso wie der befreundete Hof Eilers in Elmeloh.

Damit sind die beiden Höfe im Norden eine absolute Ausnahme, wie Undine Pages von der Landesvereinigung der Milchwirtschaft erklärt. 'In Bayern beispielsweise gibt es davon mehrere. Aber da wurden sie auch bezuschusst', erklärt sie. Zumindest die ersten Hundert, wenngleich die Zahl ihres Wissens nach nie erreicht worden sei.

Die Frischmilch-Zapfanlage steht seit wenigen Tagen in einer neuen Holzhütte zwischen dem Bauernhaus und der Blumenwiese. 'Die Beschilderung ist noch nicht ganz optimal', erklärt Dörte Rademacher, die es aber nicht schlimm findet, wenn sich Kunden versehentlich vor dem Wohnhaus der Rademachers einfinden. 'Da kann man gleich Fragen beantworten.' Die Gefäße für die Frischmilch muss jeder selbst mitbringen, ein Liter tagesfrische Rohmilch kostet 70 Cent. Der Automat kann kein Geld wechseln, aber wer beispielsweise einen Euro einwirft, bekommt auch für die 30 Cent noch Milch. Wer keine Flasche dabei hat, kann in der Hütte eine erstehen. Täglich zwischen 8 und 20 Uhr können Milchfreunde in Eigenregie die weiße Leckerei zapfen. Die Rademachers empfehlen, die Milch innerhalb von drei Tagen zu verbrauchen und sie vor dem Verzehr auf mindestens 70 Grad zu erhitzen. Außerdem sollte sie nicht wärmer als fünf Grad gelagert werden.

Die unbehandelte Milch landet gar nicht erst in der riesigen Milchwanne, sie wird direkt täglich in eine 50-Liter-Flasche abgefüllt und sofort gekühlt. 'Sie hat einen Fettgehalt von 4,5 Prozent und einen Eiweißgehalt von 3,5 bis 4 Prozent', schildert Dörte Rademacher. Der Automat sei rechtlich abgesichert und von der Amtsveterinärin abgenommen. Dörte Rademacher bezeichnet ihn schon als 'unser zweites Standbein'. Und eben weil Stillstand Rückschritt bedeutet, liebäugelt sie bereits mit einer neuen Idee. 'In der Holzhütte ist ja noch Platz, vielleicht kommt deshalb im Sommer noch ein Hofladen hinzu', überlegt sie laut. Aber das ist Zukunftsmusik.

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