Unter der Stadt: Ehemaliges Postamt könnte künftig die neue Krankenhaus-Verwaltung beherbergen Durch den Sahne-Eingang

Delmenhorst. „Postamt“ steht von außen an dem ehrwürdig wirkenden Backsteinbau an der Louisenstraße 35 in Delmenhorst. Doch Briefe oder Pakete wurden hier schon seit Jahrzehnten nicht mehr abgefertigt.
16.09.2015, 00:00
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Durch den Sahne-Eingang
Von Mareike Meyer

„Postamt“ steht von außen an dem ehrwürdig wirkenden Backsteinbau an der Louisenstraße 35 in Delmenhorst. Doch Briefe oder Pakete wurden hier schon seit Jahrzehnten nicht mehr abgefertigt. „Das hier ist der Sahne-Eingang“, sagt Susanne Selke, als sie die Seitentür des Gebäudes öffnet. Schnell wir klar, was sie damit meint: Die Kacheln auf der Erde bilden ein zweifarbiges Mosaik, durch die großen Fenster im Treppenhaus flutet Licht herein, und eine hölzerne Treppe schlängelt sich über mehrere Etagen bis zu einem kleinen Turm nach oben. „Der Haupteingang ist nicht so schön“, ergänzt Selke. Die Leiterin des Wirtschaftsdienstes beim Delmenhorster St.-Josef-Stift führt weiter in das Gebäude hinein.

Es geht vorbei an einem alten Schalter in Richtung eines schmalen Flures. Sechs Räume gehen davon ab. Alle sind massiv und haben auf Kopfhöhe ein kleines Fenster. „Das sind die alten Zellen. In den Achtzigern wurde hier ein Teil der Polizei untergebracht“, schildert Selke. Wann das Gebäude erbaut wurde, wisse sie nicht genau. Irgendwann zwischen 1870 und 1890 sei es als Hauptpostamt entstanden. Eine der Zellentüren ist schwarz verkohlt. Ein Insasse habe den Raum kurz vor dem Auszug der Polizei aus der Louisenstraße 35 in Brand gesetzt.

Heute gehört der Bau zur katholischen Gemeinde. Susanne Selke vom St.-Josef-Stift hat den Schlüssel, weil die Klinik mit dem Gedanken spielt, das Gebäude zu kaufen. Die Lage bietet sich an. Der „Sahne-Eingang“ befindet sich in direkter Nachbarschaft zum St.-Josef-Stift. „Wenn wir mit dem Klinikum zusammengehen, brauchen wir auch mehr Platz für die Verwaltung“, sagt Selke. Das könnte also die nächste Verwendung für das rote Bauwerk mit dem kleinen Turm werden.

Über eine Steintreppe führt Selke in den Keller, der sieben Räume umfasst. In einem von ihnen steht ein Notstromaggregat. Die kleinen Kellerfenster sind vergittert, von den niedrigen Decken hängen Spinnenweben. „Es ist ein bisschen gruselig hier“, stellt Susanne Selke fest und leuchtet mit dem Licht ihres Handys in den nächsten Raum. Hier stehen alte Regale aus Holz, vielleicht das ehemalige Archiv der Polizei oder der Ort, an dem Pakete gelagert wurden, als an der Louisenstraße 35 noch die Post untergebracht war.

Ein niedriger Balken ist mit rot-weißem Absperrband markiert, um zu vermeiden, dass sich jemand den Kopf stößt. Eine Tür weiter stehen zwei Schreibpulte einsam in einem großen Kellerraum. Die Tischplatten fehlen. An der Wand lehnt ein Brett mit vielen Schlüsseln, die augenscheinlich schon lange nicht mehr benutzt wurden.

„Das Gebäude steht unter Denkmalschutz“, sagt Susanne Selke auf dem Weg zurück zum „Sahne-Eingang“. „Es müsste viel daran gemacht werden“, ergänzt sie. Im lichtdurchfluteten Treppenhaus atmet man kurz tief ein und bemerkt, wie gruselig es in diesem Keller wirklich war.

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