Die Verwaltung hat einen Imagefilm drehen lassen, um zu zeigen, dass Delmenhorst besser als sein Ruf ist Echt, unverfälscht, augenzwinkernd

Delmenhorst. 133 Sekunden fürs Selbstbewusstsein sind es, sagt Timo Frers, Sprecher der Stadt Delmenhorst. 133 Sekunden Delmenhorst, wie es wirklich ist, unverstellt.
18.11.2016, 00:00
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Echt, unverfälscht, augenzwinkernd
Von Andreas D. Becker

Delmenhorst. 133 Sekunden fürs Selbstbewusstsein sind es, sagt Timo Frers, Sprecher der Stadt Delmenhorst. 133 Sekunden Delmenhorst, wie es wirklich ist, unverstellt. „#echtDelmenhorst“ lautet der Hashtag dazu. Die Verwaltung hat einen Imagefilm drehen lassen, nicht einen, der einfach nur aufzählt, was es an kulturellen Höhepunkten, an industriellen Vorzeigeprojekten und an schönsten Ecken in der Stadt gibt. „Wir haben auch die ganz typischen Klischees vermieden“, sagt Frers. Nirgends erklingt also „Delmenhorst“ von „Element of Crime“, nirgends geht es um Sarah Connor. Im Film sind stattdessen Birgit Johannsen, Vito Mandurino und Kea Petersen zu sehen, drei Delmenhorster, die einfach frei von der Leber weg erzählen, was ihnen an der Stadt gefällt. Und was vielleicht auch nicht.

„Ich denke, die Stadt stellt sich so da, wie sie ist“, sagt Frers. „Authentisch, ehrlich, augenzwinkernd – echt Delmenhorst eben. Es ist eine sympathische Stadt.“ So jedenfalls kommt der Film rüber, der an zwei Tagen an fast 40 Orten vom Oldenburger Schwarzseher-Team gedreht wurde. Natürlich ist das Team dabei auch zu den Perlen der Stadt gegangen, ließ die Protagonisten durch die Graft oder über die Nordwolle laufen (beziehungsweise die Rollkunstläuferin Kea Petersen rollen).

Aber es gibt auch skurrile Details in dem Film. „Ich habe immer wieder gehört, dass es erstaunlich viele Fahrschulen in Delmenhorst gibt“, sagt Schwarzseher und Regisseur Amon Thein. Was im ersten Moment wirklich seltsam klingt. „Aber wenn man das mal nachschlägt: Es gibt wirklich viele“, sagt Sarah Sontag aus dem Medienbüro der Stadt, die die Dreharbeiten begleitete. Also schwebt Kea Petersen an zahlreichen Fahrschulen in der Stadt vorbei. Oder ruckelt. Im Making of, das bei der Filmvorführung auch gezeigt wurde und das wie der Film selbst auch auf Youtube zu sehen ist, klagt sie über das viele Kopfsteinpflaster, über das sie fahren muss.

Ihre Hauptdarsteller hat sich die Stadt so ausgesucht, dass sich eigentlich jeder Delmenhorster wiederfinden kann. Als Erste wurde Birgit Johannsen angesprochen, die den Stadion-Kiosk betreibt. „Ich konnte mir gar nichts darunter vorstellen“, erinnert sie sich, als auf einmal die Stadtmitarbeiter vor ihr standen. Aber dann hat sie zugesagt, ziemlich schnell, auch ohne Vorstellung, was da kommen mag. Wird schon gut werden. Und es wurde gut. „Wir haben bei den Dreharbeiten ganz viel gelacht.“ Ihr war es auch sehr wichtig, dass sie ihre Botschaft loswerden konnte: „Ich lebe gern in Delmenhorst, ich fühle mich hier richtig wohl.“

Im Film sagt sie es, während sie mit dem Fahrrad durch ein Wohngebiet fährt. Eine Szene, die beim Dreh ein wenig Aufregung auslöste, wie Sarah Sontag berichtet. Ein Nachbar wunderte sich, warum da auf einmal so viele Menschen auf der Straße auftauchten und warum da aus einem Auto heraus gefilmt wurde. Er rief die Polizei. Als die Beamten erschienen, war alles schnell gut. Das Team erklärte sich, die Gesetzeshüter fuhren wieder. „Die Delmenhorster Polizei war sehr nett“, meinte Thein.

Sarah Sontag hat sich bei der Vorbereitung besonders gefreut, dass die drei Hauptdarsteller alle sofort zugesagt haben. „Sie haben sich geehrt gefühlt“, erzählt sie. Neben Birgit Johannsen hatten sie mit Kea Petersen eine sehr junge und erfolgreiche Sportlerin ausgesucht, die allerdings nicht unbedingt aus einer großen Sportart kommt. Aber Rollkunstlauf hat Tradition in der Stadt, und erst kürzlich wurde sogar die Rollkunstlaufbahn im Stadion für sehr viel Geld komplett instand gesetzt. Zudem wählte das Team jemanden aus, der stellvertretend für die Migranten in der Stadt steht. Und auch Vito Mandurino, der in der Innenstadt ein italienisches Restaurant betreibt, musste nicht lange überlegen, ob er dabei ist.

Dass die Protagonisten eben nicht die üblichen Vertreter aus dem öffentlichen Leben sind, die man fast täglich in der Zeitung oder bei anderen Anlässen sieht, war den Machern ganz wichtig. „Es sollte frei von politischen Größen und anderen bekannten Gesichtern sein“, sagte Oberbürgermeister Axel Jahnz. Und: „Der Film hat mir ganz große Freude bereitet. Ich bin überzeugt, dass wir etwas Gutes gemacht haben.“ Über das Budegt schwieg sich das Team aus. „Wir haben nicht einmal die Hälfte unseres Etats für Medienarbeit ausgegeben“, verriet Sarah Sontag. Und wie hoch der sei, könne jeder im Haushalt der Stadt nachlesen. Dort tauchen für dieses Jahr 25 000 Euro auf.

Am Beginn der Dreharbeiten standen übrigens lange Interviews mit den Hauptdarstellern, in denen sie über ihr Delmenhorst erzählten. Die O-Töne waren Basis, um überhaupt erst einen Drehplan zu erstellen, zudem wurden sie natürlich als Erzähl-, sogenannte Off-Texte unter den Film gelegt. Das Video ist auch auf der Homepage der Stadt zu finden, die städtischen Tochterfirmen sollen es auch nutzen, zudem gibt es einen Stadt-Channel auf Youtube.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+