Klimaschutz in Delmenhorst

Ein Mittwoch für die Zukunft

Obwohl es Mittwoch und nicht Freitag war, demonstrierten Schüler in Delmenhorst für eine andere Klimapolitik. Zuvor befragten sie Politiker, wie ihre Antworten auf die drängendsten Fragen unserer Zeit sind.
19.06.2019, 18:38
Lesedauer: 3 Min
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Ein Mittwoch für die Zukunft
Von Andreas D. Becker
Ein Mittwoch für die Zukunft

Ausnahmsweise mal eine Schüler-Klima-Demo, die Teil des Unterrichts war, und nicht an einem Freitag stattfand, konnten Besucher der Delmenhorster Innenstadt am Mittwochmittag erleben.

Ingo Möllers

„Politik fängt bei uns an. Die da oben müssen merken, dass es so nicht weitergeht“, sagte Lea Görgens. Politik war in diesem Fall vor allem Klimaschutz- und Umweltpolitik. Das Thema trieb die Schüler der Integrierten Gesamtschule Delmenhorst am Mittwoch um. Ein Wahlpflichtkurs des zehnten Jahrgangs hatte deswegen zu einer Podiumsdiskussion eingeladen. Und schließlich noch zu einer kleinen Kundgebung vor dem Rathaus auf dem Brunnenplatz aufgerufen. Es war quasi „Wednesday for Future“. „Wir müssen etwas tun. Damit wir später zufrieden sein können, mit dem, was wir haben“, rief Dana Pape ihren Mitschülern zu.

Es war eine illustre Polit-Truppe, die sich die IGS-Schüler für ihr Podium eingeladen hatten. Für die FDP reiste gar der Ganderkeseer Bundestagsabgeordnete Christian Dürr an, die Grünen schickten ihre Bundestagskandidatin aus dem Jahr 2017, Christina-Johanne Schröder, aus der Wesermarsch, während SPD und CDU auf ihre Ratsmitglieder Bettina Oestermann beziehungsweise Bastian Ernst setzten. Für die Linke saß Jade-Friederike Bätge in der Runde. Lediglich die AfD war der Einladung nicht gefolgt. „Was einiges über ihre Position zu dem Thema aussagt“, resümierte Lea Görgens schließlich.

„Ist Delmenhorst klimabewusst?“, lautete in der Mensa dann die Frage des Vormittags. Durchaus, wie eine Umfrage in der Innenstadt der Schüler ergeben hatte. Zumindest wenn es um die Theorie geht. Auf die Frage „Wären Sie bereit, etwas gegen den Klimawandel zu machen?“, antworteten immerhin 75 Prozent der Befragten, dass sie es seien. Bei der praktischen Umsetzung haperte es dann aber schon. Ein Verhalten, was sich auch in der Diskussion ablesen ließ. FDP-Mann Christian Dürr, der übrigens seine Diplomarbeit über den Klimawandel geschrieben hat, fasste es für das Podium so zusammen: „Beim Ziel gibt es zwischen uns keinen Dissens. Aber es gibt Unterschiede bei den Instrumenten.“

Nun ist es politisch eher ein Leichtes und bequem, sich zum Übereinkommen von Paris, in dem die Klimaziele definiert wurden und eigentlich eine verbindliche Einigung zur Kohlendioxid-Reduktion festgeschrieben wurde, zu bekennen. Dagegen scheint es der Politik weit schwerer zu fallen, auch entsprechende Maßnahmen umzusetzen. Was unter anderem daran liegt, dass man unterschiedliche Wege vor Augen hat, wie man den CO2-Ausstoß verringern könnte. Während also die FDP einen „harten CO2-Deckel“ möchte, also eine Obergrenze für den Ausstoß des Treibhausgases (ohne zu verraten, wie eine Überschreitung der vorgegebenen Werte unterbunden werden sollte), sprachen sich Christina-Johanne Schröder und Jade-Friederike Bätge für eine CO2-Besteuerung aus. Darüber könnten beispielsweise Produkte, die in der Herstellung viel Kohlendioxid verursachen, teurer gemacht werden. Es wäre ein Steuerungselement, um Kunden auch zu klimafreundlicheren Produkten zu lenken.

Der Vormittag war vor allem ein Schlagabtausch der bundespolitischen Positionen, mauer sah die Bilanz da aus, als es um den Klimaschutz vor Ort ging. Bettina Oestermann verwies darauf, dass die SPD immerhin den Antrag eingebracht habe, die Stelle des Klimaschutzmanagers neu zu schaffen. Was sie nicht sagte: Ihre Partei hatte auch zugestimmt, den Vertrag des alten Klimaschutzmanagers im Rahmen der Krankenhausrettung erst einmal nicht zu verlängern. Aber es wurde deutlich: Ein wirkliches Klimaschutzprogramm fehlt in Delmenhorst.

Die Forderungen der IGS-Schüler und der Teilnehmer der Innenstadtumfrage taugten als Lackmustest für die städtische Klimapolitik. Einen dichter getakteten Busverkehr in der Stadt wünschten sich viele, damit sie überhaupt umsteigen würden; bessere Fahrradwege, mehr Grünflächen. Zwar bringt die städtische Tochterfirma Delbus ab 2020 tagsüber ein verbessertes Liniennetz auf die Straße, aber Geld für noch mehr Bus in der Stadt war die Politik bislang nicht gewillt auszugeben. Auch der Ausbau der Fahrradwege hinkt weit hinter dem eigentlichen Sanierungsbedarf hinterher. Und für eine der ökologisch wichtigsten Grünflächen der Stadt, Pultern/Langenwisch, will die Politik einen Bebauungsplan aufstellen lassen, um dort Gewerbe anzusiedeln. Das dürfte eine Richtung sein, mit der die Schüler nicht zufrieden sind.

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