Gedenken der Reichspogromnacht Ein niemals vergessenes Ereignis

Die Jüdische Gemeinde Delmenhorst hat mit einem umfangreichen Programm der Reichspogromnacht vor 79 Jahren gedacht. Dazu zählten ein Gottesdienst, Reden, ein Gedenkgang und eine Lesung.
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Von Maurice Reding

Delmenhorst. Mit einem umfangreichen Programm hat die Jüdische Gemeinde Delmenhorst am Donnerstag der Reichspogromnacht vor 79 Jahren gedacht. In dieser überfielen bekanntlich die Nationalsozialisten jüdische Gotteshäuser und Geschäfte in Deutschland, Österreich und der Tschechoslowakei und steckten diese in Brand. Außerdem wurden tausende Juden misshandelt, verhaftet und getötet. Neben einem ökumenischen Gottesdienst am Mittwochabend fand am Donnerstag in Delmenhorst ein Gedenkgang zum Jüdischen Friedhof an der Syker Straße sowie eine Lesung mit der Autorin Jaqueline Roussety statt.

Los ging es am Donnerstagmorgen aber mit einer Gedenkveranstaltung in der Synagoge der Jüdischen Gemeinde, zu der zahlreiche Gäste kamen. Pedro Benjamin Becerra, erster Vorsitzender der Gemeinde, freute sich besonders über eine Sache: „Ich finde es toll, dass so viele Kinder da sind.“ Die Veranstaltung zeige, dass eine große Verbundenheit zwischen der Stadt und den dort lebenden Juden bestehe.

Becerra betonte in seiner Rede, dass die Veranstaltung nicht in Vergessenheit geraten dürfe. „Wir müssen Kinder und Jugendliche mitnehmen, damit wir immer wieder an diese schrecklichen Taten erinnern“, sagte er. An die Delmenhorster appellierte Becerra, dass sie eine Verpflichtung hätten, verfolgte Menschen mit offenen Armen zu empfangen. „Da bin ich stolz auf unsere Stadt, weil wir die Kriegsflüchtlinge direkt aufgenommen haben“, sagte er.

Auch Oberbürgermeister Axel Jahnz richtete ein paar Worte an die Besucher. „Die Reichspogromnacht war eine Nacht voller Schrecken und Brutalität. Sie zeigte, dass Juden als nichts mehr galten“, sagte er. Jahnz zeigte sich erfreut, dass es viele Delmenhorster gebe, die gegen Rassisten und Rechtsextremisten auftreten. „Das ist ein gutes Zeichen“, sagte er.

Die Gedenkveranstaltung fand erstmals in der Synagoge der Gemeinde statt. Das hatte einen Hintergrund: Im vergangenen Jahr verließ die Gemeinde das Rathaus, wo die Veranstaltung zuvor stattgefunden hatte, nachdem einige AfD-Ratsmitglieder aufgetaucht waren. „Wir wollten nicht, dass Rechtspopulisten bei so einer Veranstaltung dabei sind. Deshalb sind wir damals geschlossen herausgegangen“, sagte Becerra.

Im Anschluss an die Gedenkveranstaltung fand dann der Gedenkgang zum Jüdischen Friedhof an der Syker statt. Das Programm rundete Jaqueline Roussety ab, die aus ihrem Buch „Wenn das der Führer sähe“ vorlas. In diesem beschreibt die Autorin in schonungsloser Offenheit, welche Auswirkungen der Faschismus auf Familienstrukturen bis heute hat.

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