Frank Scheffka sammelt alles zu den Spielen Ein Olympia-Museum im Dachgeschoss

Delmenhorst. Frank Scheffka ist olympia-süchtig. Deshalb sammelt er alles, was auch nur entfernt mit den Spielen zu tun hat. Auf seinem Dachboden sieht es aus wie in einem Olympia-Museum. Unter anderem finden sich dort mehr als 2500 Autogramme von Promis und Sportlern.
17.02.2010, 05:14
Lesedauer: 3 Min
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Von Andreas D. Becker

Delmenhorst. Frank Scheffka ist es gewohnt, mit wenig Schlaf auszukommen. Der Mann hat Medizin studiert und früher in Krankenhäusern gearbeitet, es gibt kaum ein besseres Training in Sachen Schlafentzug. Das zahlt sich im Moment deswegen aus, weil es ihm nichts ausmacht, auch spät nachts vor dem Fernseher zu sitzen, also dann, wenn in Vancouver gerade die Eiskunstläufer und Curling-Teams um Olympisches Edelmetall kämpfen. Frank Scheffka will unbedingt live dabei sein, er ist - man muss es wohl so hart sagen - Olympia-süchtig.

Wie es meistens bei solchen Geschichten ist, fing auch diese ganz harmlos an. Los ging es mit Gerd Wessig, der 1980 bei den Olympischen Spielen in Moskau Gold im Hochsprung für die DDR gewann. 'Wessig kommt wie ich aus Schwerin', sagt Scheffka. 'Als er mit Weltrekord damals gewann, hat die ganze Stadt gefeiert.' Scheffka erinnert sich gut daran. Damals bekam er auch ein Buch über die Olympischen Spiele geschenkt. Und das Bild von Wessig, diesem Zweimetereins-Riesen vom SC Traktor Schwerin, dem Schweriner Helden, wollte Scheffka signiert haben. Bei einem Prominenten-Fußballspiel kickte auch Wessig mit, Scheffka bekam sein Autogramm.

Was danach geschah, lässt sich am besten in Zahlen verdeutlichen. In Scheffkas Olympia-Buch von damals finden sich mittlerweile rund 900 Unterschriften, insgesamt sind es um die 25000, fein säuberlich eingerahmt oder in Alben eingeklebt. Im Dachgeschoss von Scheffkas Haus stehen 27 Schränke, für jede Disziplin gibt es Ordner, es ist ein wahrscheinlich auf der Welt einmaliges Archiv gewachsen. Und für ganz spezielle Sportler gibt es sogar Einzelordner, Katarina Witt hat so einen, die Doppel-Olympiasiegerin, die in Sarajevo und Calgary ganz oben auf dem Treppchen stand. Zig Fotos hat Scheffka gesammelt, und natürlich hat er auch ein Exemplar der wahrscheinlich am besten verkauften deutschen Playboy-Ausgabe abgeheftet.

Sporthistorische Leckerbissen

Der Reiz von Scheffkas Sammlung besteht aber nicht nur in der Autogramm-Sammlung, sein Haus ist ein sporthistorischer Fundus, der seinesgleichen sucht. Aus einer Vitrine im Wohnzimmer holt Frank Scheffka eine Bronzemedaille. 'Die hat Elfriede Kaun 1936 in Berlin im Hochsprung gewonnen', sagt er. Er hat die Medaille vor eine Schwarzweißaufnahme von ihr gehängt. Und daneben liegt noch eine grandiose Seltenheit, eine schlichte Visitenkarte, auf die Rückseite ist eine Unterschrift gekrickelt. 'Die ist von Spiridon Louis', sagt Scheffka. Der Grieche war der Erste, der olympisches Gold im Marathonlauf gewann, 1896 war das, bei den ersten Olympischen Spielen der Neuzeit. 1936 kam er als Ehrengast zu den Spielen in Berlin. 'Man hatte ihm extra beigebracht, seinen Namen zu schreiben', erzählt Scheffka, der ganz nebenbei auch eine wandelnde Sport-Enzyklopädie ist.

Neben seinem Ehrgeiz, Unterschriften zu sammeln, bekam seine Sammelleidenschaft 1997 einen weiteren Schub. 'Ich wollte meine Sammlung nie nur im Schuhkarton verstecken, ich wollte sie zeigen.' In Oldenburg hatte er Gelegenheit dazu, viele weitere Expositionen folgten. 'In Magdeburg habe ich allein 600 Quadratmeter mit der Geschichte des deutschen Sports zugepflastert. Ein Mann kam allein acht Mal, um sich alles durchzulesen', erzählt der zweifache Familienvater.

Immer wieder kamen natürlich auch ehemalige Sportler in seine Schauen - und waren oft so begeistert, dass sie ihm ihre Erinnerungsstücke für seine Sammlung schickten. 'Sie fühlen sich geehrt, dass sie durch mich nicht in Vergessenheit geraten', weiß Scheffka. Über die Ausstellungen und seine Vorstandsarbeit in der Vereinigung ehemaliger Leichtathleten hat er unzählige Sportler persönlich kennengelernt. Und auch gute Verbindungen zum Deutschen Leichtathletik-Verband aufgebaut, der ihm zum Beispiel Karten für die Weltmeisterschaft in Berlin besorgte. 'Dort habe ich mich unter anderem mit Edwin Moses getroffen.' Die 400-Meter-Hürden-Legende aus den USA brachte Scheffka einige Plakate mit, eines hängt nun im Archiv, 'U R the man', hat Moses draufgeschrieben. Diese Kleinigkeiten sind es, die die Sammlung so bedeutend machen. Theo Rous, Ehrenpräsident des DLV, nannte Scheffka das 'Gedächtnis der Leichathletik'.

Die Leichtathletik hat es dem Sammler besonders angetan, aber im Grunde haben alle olympischen Disziplinen einen Platz in seinem Herzen. In Vancouver verfolgt er besonders Eiskunstlaufen, aber er kennt auch fast alle wichtigen Sportler aus der Szene. Der ehemalige Paarlauf-Olympiasieger Maxim Marinin war im vergangenen Jahr zu Gast bei Scheffkas, auf Fotos ist zu sehen, wie der Russe und die Familie im Garten sitzen und grillen.

Als nächstes plant er übrigens eine Ausstellung zu einem selbst für viel Sportinteressierte eher abseits liegenden Thema, den Paralympics. Auch dazu sammelt Scheffka, vom 4. bis 6. März ist eine kleine Schau im IWK-Gebäude an der Lahusenstraße zu sehen, zur Eröffnung am 4. März um 17 Uhr werden die Paralympics-Teilnehmer Tanja Schulz, Horst Beyer und Alke Behrens kommen.

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