Neuer Pfarrer in St. Marien

Ein Pfarrer geht auf Tournee

Das Portait: Guido Wachtel erhält im September seine offizielle Pfarreinführung für die katholische Kirche in Delmenhorst und Ganderkesee.
23.08.2018, 06:46
Lesedauer: 3 Min
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Ein Pfarrer geht auf Tournee
Von Annika Lütje
Ein Pfarrer geht auf Tournee

Noch nicht im Talar, aber das kommt noch – schließlich wird Guido Wachtel ja auch erst in zweieinhalb Wochen offiziell zum Pfarrer von St. Marien eingeführt.

Ingo Möllers

Guido Wachtel geht auf Tournee – "auf Antrittstournee", wie er selbst sagt. Am Sonntag, 9. September, wird der 49-Jährige ganz offiziell der neue Pfarrer von St. Marien, der katholischen Kirche in Delmenhorst und Ganderkesee. Und dann bewegt Wachtel erst einmal ein großes Thema: "Ich möchte in der ersten Zeit vor allem meinen neuen Wirkungsbereich kennenlernen", sagt er und erläutert: "Jede Gemeinde hat ihren eigenen Charakter und ganz eigene Traditionen. Deshalb werde ich erst einmal alle Kirchen und gewählten Gremien besuchen."

Wachtel weiß, wovon er da spricht. Immerhin war er 13 Jahre lang Pfarrer in Vreden im Westmünsterland. Er weiß also, wie man sich in einer Gemeinde so einrichtet, dass sie ein Zuhause wird. "Ich habe mich dort über den dienstlichen Bereich hinaus sauwohl gefühlt", sagt er.

Doch in der katholischen Kirche ist es durchaus normal, dass ein Pfarrer hin und wieder einen Ortswechsel vornimmt. "Ich bin in der Vergangenheit schon ein paar Mal gefragt worden, ob ich mir nicht einen Wechsel vorstellen könnte. Es war also klar, dass demnächst einer ansteht. Und dieses Mal hatte ich auch keinen Grund Nein zu sagen", erzählt Wachtel verschmitzt.

Vreden – nur andersherum

Man hört es schon heraus: Er wechselt mit einem lachenden und einem weinenden Auge. "Ich finde den Wechsel aber dennoch spannend", sagt er und fügt hinzu: "Es ist aufregend, sich darauf einzulassen und sich einzuarbeiten. Hier oben in Delmenhorst befinden wir uns ja auch eher in der Diaspora. Ich habe das in Vreden so erklärt: 'Delmenhorst ist wie Vreden, nur andersherum. In Delmenhorst sind 13 Prozent der Bevölkerung katholisch, in Vreden sind 13 Prozent nicht katholisch.'"

Aber diesen 13 Prozent – immerhin 12 000 eingetragenen Mitgliedern – möchte Wachtel sich voll und ganz widmen. Er arbeitet gerne mitten im Gemeindeleben und möchte die Menschen von der Kindstaufe bis zur Beerdigung begleiten.

Er selbst hat "die klassische katholische Karriere" gemacht, wie der gebürtige Recklinghäuser selbst sagt. Messdiener, Gruppenleiter, Chormitglied – Wachtel hat alles mitgemacht. Schon früh entstand durch seine aktive Kirchenarbeit der Wunsch, selbst Pfarrer zu werden.

Und so führte er seine "katholische Karriere" dann auch fort. 1988 begann er sein Studium der Theologie in Münster. 1990 und 1991 studierte er in München weiter. Etwas ganz Besonderes aber war dann sein Studium in Rom, das er von 1991 bis 1997 absolvierte.

"Ich habe dort an der ältesten päpstlichen Universität studiert und am Collegium Germanicum gelebt", erzählt er. Doch damit nicht genug: Seine Priesterweihe erhielt er 1996 ebenfalls in Rom. Aber nicht von irgendjemandem, sondern vom damaligen Kardinal Joseph Ratzinger, der 2005 Papst wurde.

Nach seinem Studium, im Jahr 1997, kehrte Wachtel ins Bistum Münster zurück und besetzte bis 2001 eine Kaplanstelle in Coesfeld. Seine zweite Kaplanstelle trat er anschließend in Moers an, wo er bis 2005 blieb. Von dort aus ging es für ihn als Pfarrer nach Vreden.

Zwischenzeitlich hatte er überlegt, ob er nicht seine wissenschaftliche Laufbahn weiter verfolgen, möglicherweise einen Doktortitel anstreben sollte. Doch stattdessen entschied er sich für eine Ausbildung in geistlicher Begleitung. Seelsorgliche Gespräche waren ihm dann doch wichtiger – und sie liegen ihm. "Ich glaube, dass ich ein guter Zuhörer bin", sagt der Pfarrer.

Mittleres Management

Nun also Delmenhorst. Der Offizialatsrat Bernd Winter kommt extra aus Vechta, um bei Wachtels Pfarreinführung am 9. September die Ernennungsurkunde vorzulesen. Dann wird der Neue öffentlich befragt, ob er bereit ist, diesen Dienst anzunehmen und anschließend zu seinem Priesterstuhl geführt.

Dann beginnt die eigentliche Arbeit. Wachtel spricht sich gern mit anderen Menschen ab, plant lieber, statt aus dem Chaos zu agieren, und behält gerne den Überblick. Das muss er auch, denn "so eine Gemeindeleitung ist schon mittleres Management", sagt er.

Wachtels Augenmerk soll darauf liegen, wie die Zukunft der Gemeinde aussehen könnte und wie man mehr Lebendigkeit "rund um die einzelnen Kirchtürme ermöglichen" kann, erzählt er. Mehr Menschen in die Kirchen zu locken, sei sowieso immer ein Ziel. "Wobei schon viele Mitglieder zu verschiedenen Anlässen die Kirche aufsuchen – nicht nur zur Weihnachtsmesse an Heiligabend", räumt er ein und ergänzt: "Die Türen der Kirche stehen immer offen. Und selten ist sie ganz leer."

Kultur der Aufmerksamkeit

Eine weitere Aufgabe ist der Umgang mit den erschütternden Nachrichten über Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche. Hier gilt es, das Vertrauen der Menschen in die Institution zurückzuerlangen. "Wenn man so einen hohen moralischen Anspruch wie die katholische Kirche hat, ist die Fallhöhe natürlich hoch", sagt Wachtel. "Deshalb müssen wir eine Kultur der Aufmerksamkeit und vollkommene Offenheit etablieren", fügt er hinzu.

Jede Gemeinde muss ein sogenanntes institutionelles Schutzkonzept schreiben, alle Mitarbeiter werden auf Sensibilität geschult. "Wir müssen ein Bewusstsein für die Opfer und die Täter bekommen", sagt Wachtel. Und weiter: "Wir müssen den Opfern immer zuhören und dürfen die Täter nicht wie Halbgötter behandeln. Und wir müssen ein Gleichgewicht von Nähe und Distanz herstellen."

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