Straffälligenhilfe Delmenhorst Vorreiter Ein Projekt mit großem Erfolg

„Geldverwaltung statt Vollstreckung von Ersatzfreiheitsstrafe“ – so heißt das Projekt der Straffälligenhilfen in ganz Niedersachsen. Bei diesem werden Menschen bei der Resozialisierung unterstützt.
06.09.2017, 18:17
Lesedauer: 3 Min
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Von Maurice Reding

Delmenhorst/Verden. Die Straffälligenhilfe Delmenhorst kann seit ihrem Bestehen 1980 auf viele Geschichten zurückblicken. Eine überaus positive ist das Projekt „Geldverwaltung statt Vollstreckung von Ersatzfreiheitsstrafe“. Bei diesem soll eine individuelle Betreuung und Beratung verhindern, dass Menschen, die eine Geldstrafe nicht bezahlen können, ins Gefängnis müssen. Seit 2010 gibt es das Projekt an mittlerweile 14 Standorten in neun Landgerichtsbezirken in Niedersachsen. Am Dienstagnachmittag ist mit dem Landgerichtsbezirk Verden der zehnte hinzugekommen.

Die Niedersächsische Justizministerin Antje Niewisch-Lennartz war extra nach Delmenhorst gekommen, um den offiziellen Startschuss für das Projekt für den Landgerichtsbezirk Verden zu geben. Damit steht jetzt dieses Angebot in zehn von elf Landgerichtsbezirken zur Verfügung. Für die Ausweitung des Projekts auf den Landgerichtsbezirk Verden sind für die Jahre 2017 und 2018 zusätzliche Mittel durch den Landtag bereit gestellt worden.

Antje Niewisch-Lennartz freute sich über den Startschuss: „Das Projekt ist eine niedersächsische Erfolgsgeschichte. Ich danke dem Diakonischen Werk, der Caritas und dem Paritätischen Wohlfahrtsverband als Träger der Straffälligenhilfe für ihr Engagement für dieses Projekt. Durch die wertvolle Arbeit der Anlaufstellen kann in vielen Fällen die Vollstreckung von Ersatzfreiheitsstrafen von vornherein vermieden werden.“ Die Grünen-Politikerin betonte zudem, dass Verurteilte, die ihre Geldstrafe nicht bezahlen können, nicht ins Gefängnis gehören. „In der kurzen Zeit ihres Aufenthalts kann der Grundgedanke der Resozialisierung nicht verwirklicht werden. In solchen Fällen schadet die Haft“, sagte sie.

Bei dem Projekt werden laut Kai Kupka vom Diakonischen Werk der evangelisch-lutherischen Kirche in Oldenburg Erfolge auf mehreren Ebenen erzielt. „Erstens werden die Geldstrafen bezahlt und zweitens werden Hafttage gespart. Viele Verurteilte sind mit der Zahlung der Geldstrafe schlicht überfordert. Gerade sie nehmen unser Angebot sehr gerne an. Insgesamt haben die Menschen, die seit 2010 zu den Anlaufstellen gekommen sind, über 160 000 Hafttage gespart“, sagte Kupka.

Im Jahr 2016 wurden durch die Anlaufstellen für Straffällige landesweit 1923 zu Geldstrafen Verurteile betreut. Davon wurden etwa 24 Prozent der Betreuungen erfolgreich abgeschlossen, etwa 74 Prozent der Fälle sind bereits teilweise erfolgreich. Lediglich etwa zwei Prozent sind gescheitert. „Das zeigt, dass das Projekt mit gutem Erfolg geführt wird“, sagte Kupka.

Einer, der an diesem Projekt maßgeblich beteiligt war, ist Axel Zuber. Über 30 Jahre hat der 66-Jährige in der Anlaufstelle in Delmenhorst gearbeitet. Obwohl er eigentlich schon im Ruhestand war, kehrte er für den Startschuss des Projektes im Landgerichtsbezirk Verden nochmal zurück. „Mir hat mein Job immer Spaß gemacht, deshalb bin ich gerne zurückgekommen“, sagte Zuber. Von Justizministerin Niewisch-Lennartz wurde er als „Keimzelle des Projektes für Niedersachsen“ bezeichnet. Und auch Franz-Josef Franke, Leiter des Diakonischen Werks Delmenhorst/Oldenburg-Land, lobte Zuber. „Er ist ein Glücksfall für das Projekt“, sagte Franke.

Das Projekt wird auch von der Staatsanwaltschaft Verden mitgetragen. „Ich freue mich, dass die Verurteilten jetzt auch in unserem Bezirk eine Anlaufstelle haben. Hier können sie bei der Bezahlung ihrer Geldstrafen individuell die notwendige Hilfe finden. Durch die Unterstützung bei der Regelung ihrer Finanzen wird auch einer erneuten Straffälligkeit vorgebeugt“, erläuterte Angelika Gresel-Appelbaum, Leiterin der Staatanwaltschaft Verden.

Der Gesamtbetrag der von den Anlaufstellen an die Staatsanwaltschaften überwiesenen Summen der Geldstrafen beliefen sich im Jahr 2016 auf rund 486 000 Euro. Durch die Vermeidung der Vollstreckung von Ersatzfreiheitsstrafen konnten allein im vergangenen Jahr rund vier Millionen Euro an Haftkosten eingespart werden. Ein Hafttag verursacht nämlich in Niedersachsen Kosten von rund 150 Euro. „Dann stecken wir das Geld lieber in solche Projekte als in die Hafttage“, sagte Niewisch-Lennartz.

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