Ausbildungsprojekt am Josef-Hospital Eine Klinikstation in der Hand von Schülern

16 angehende Gesundheits- und Krankenpfleger haben für eine Woche eine Station in der Urologie des Josef-Hospital in Delmenhorst geleitet. Dabei machten sie durchaus Eindruck.
06.02.2020, 17:37
Lesedauer: 3 Min
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Von Nico Brunetti

„Man kann ohne Übertreibung sagen: Wir sind die beliebtesten Arbeitskräfte auf dem Arbeitsmarkt“, sagte Joshua Gohlke. Ihm ist bewusst, in welcher Situation sich seine Branche befindet. Der Personalmangel im Pflegebereich ist in aller Munde, auch die negativen Seiten des Berufes wie beispielsweise die hohe Arbeitsbelastung sind in der Öffentlichkeit ständig präsent. Den 22-Jährigen stört das aber wenig. Für ihn ist der Entschluss, eine Ausbildung zum Gesundheits- und Krankenpfleger zu machen, immer noch die Richtige: „Für mich ist der Sinn das Schöne. Außerdem sind die Möglichkeiten an Weiterbildung und Studiengängen extrem groß, falls man sich neu orientieren möchte.“ Eine Überzeugung, die auch viele seiner 15 Klassenkameraden der Krankenpflegeschule Delmenhorst teilen. Mit ihnen nahm er nun an einem Ausbildungsprojekt teil. Gemeinsam leiteten sie für eine Woche die Station 39 in der Urologie des Josef-Hospitals Delmenhorst.

Zu ihnen zählt auch die 20 Jahre alte Michelle Ulpts. „Auch wenn es manchmal schwer ist und man Negatives hört, macht es Spaß“, sagte sie zum Abschluss der Woche am Donnerstag. Zu diesem Zeitpunkt befanden sich die angehenden angehenden Gesundheits- und Krankenpfleger in den letzten Stunden des Projektes, sodass schon eine Bewertung möglich war. Laut Christopher Kesting, Lehrkraft für Pflegeberufe, haben sich die Schüler gut angestellt: „Ich bin zufrieden und da kann ich für das ganze Lehrerteam sprechen. Wir haben uns gerade schon ausgetauscht.“

Fachkräfte nehmen Neues an

Das bekräftigte auch Lydia Möller, die stellvertretende Stationsleiterin der Urologie. „Für Schüler war die Qualität gut. Sie waren außerdem sehr wissbegierig und haben bei Unsicherheiten immer gefragt“, beschrieb die 52-Jährige. Die Kommunikation sei somit etwas, das den Fachkräften auf der Station die Begleitung der Schüler sehr entspannt gemacht habe. Denn daneben erweiterte der Kurs der Krankenpflegeschule auch nach und nach sein Wissen. „Am Anfang war es mehr unsere Aufgabe, ihnen eine Orientierung zu bieten und ihnen zu zeigen: Wie mache ich was? Da fehlten viele Vorkenntnisse zum Spezifischen in der Urologie“, sagte Möller.

Sie gab aber auch zu, auch etwas von den Auszubildenden angenommen zu haben. Diese nutzten nämlich ihre Freiheit aus und veränderten Stationsgegebenheiten – und die Idee, fortan jede Schicht für seine Schicht die Tabletten machen zu lassen, wird nun auch zukünftig in die Abläufe der Station integriert. „Das behalten wir bei. Das erleichtert die Kontrolle der Medikamente, sie lassen sich dadurch leichter zuordnen“, sagte Möller. Es war nicht die einzige Idee der Schüler. Sie entschieden zudem, die Patientenübergabe bei Schichtwechsel am Bett des Patienten und nicht wie sonst in einem geschlossenen Raum durchzuführen. Des Weiteren wurde in dieser Woche mit dem Bezugspflegesystem „Primary Nursing“ gearbeitet. „Jeder Patient hat eine Bezugspflegekraft – von der Aufnahme bis zur Entlassung“, erklärte Ulpts. Das ist aber etwas, das die Klinik nicht dauerhaft leisten kann. „Das liegt an der Masse, das ist so nicht umsetzbar“, berichtete Möller.

Kontrolle, aber keine Überwachung

In der täglichen Arbeit war die große Betreuung aber durchaus hilfreich, sodass sich die Patienten in der Hand von Schülern wohlfühlten. „Sie fanden das super“, betonte Gohlke, der seine praktische Ausbildung an der Helios Klinik Wesermarsch in Nordenham absolviert. Trotz des baldigen Endes der zweieinhalbjährigen Ausbildung im September kam die Kontrolle durch die Fachkräfte nicht zu kurz. „Überwiegend waren sie schon eigenverantwortlich unterwegs. Aber es gibt eine Endkontrolle, die durchgeführt werden muss, um die Sicherheit des Patienten zu gewährleisten“, berichtete Kesting. Alle einigten sich laut der Lehrkraft aber auf eine Regel: „Feedback und keine Überwachung.“

Grundsätzlich ist Kesting ein großer Fan des Ausbildungsprojektes Schülerstation, das im Delmenhorster Josef-Hospital nun schon zum zwölften Mal stattfand. „Ich bin überzeugt von dem Projekt. Es ist total gut, theoretische Inhalte in der Praxis umzusetzen. Für die Schüler ist es die Chance, Dinge auszuprobieren und das hat diesmal ziemlich gut geklappt. Es gab auch keine Konflikte“, sagte er. So seien die Lernerfolge sichtbar, wie Gohlke bestätigte. „Wir haben große Fortschritte gemacht und sehr davon profitiert, dass wir alle zueinander so offen waren“, meinte der 22-Jährige. Das galt vor allen für die Organisation der Station. So lernten die Schüler Dinge wie das Erstellen der Dienstpläne, die Festlegung der Arbeitsabläufe oder die Entwicklung der Fragebogen zur Patientenbefragung.

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