Nordwolle-Museum Delmenhorst Erinnerung an bedeutende Persönlichkeiten

Mit der Eröffnung der Sonderausstellung "Frauenorte Niedersachsen – Über 1000 Jahre Frauengeschichte" soll an die Geschichten außergewöhnlicher Frauen in Niedersachsen erinnert werden
19.04.2018, 17:41
Lesedauer: 3 Min
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Erinnerung an bedeutende Persönlichkeiten
Von Nastassja Nadolska

Delmenhorst. 30 große Plakate sind in der Turbinenhalle in Delmenhorst zu sehen. Auf diesen Plakaten stehen verschiedene Geschichten bestimmter Frauen in Niedersachsen. Es sind Frauen, die in ihrem Leben viel riskiert und geleistet haben und teilweise bis heute noch als Vorbilder gelten. Allerdings seien diese in der Gesellschaft kaum bis gar nicht bekannt.

Mit der Eröffnung der Sonderausstellung "Frauenorte Niedersachsen – Über 1000 Jahre Frauengeschichte" in dieser Woche im Nordwestdeutschen Museum für Industriekultur in Delmenhorst soll an diese Frauen nicht nur erinnert, sondern das kulturelle Erbe in der Erinnerungskultur der Städte, Regionen und im Land verankert werden. "All diese Frauen haben unseren Weg in die Politik, Gesellschaft und Wirtschaft gelegt. Sie sind Vorbilder, und wir wollen das Interesse an diesen Frauen wecken", sagte Gabriele Beckmann, Mitglied des Fachbeirats Frauenorte in Niedersachsen, bei der Eröffnung.

Die Ausstellung erinnert an 30 niedersächsische Frauen, die Außergewöhnliches geleistet haben. Thematisch gegliedert in vier Schwerpunkte – Eroberinnen des politischen Terrains, Pionierinnen in Bildung und Beruf, Schöpferinnen von Kunst und Kultur und Akteurinnen zwischen den Konfessionen – beleuchtet die Wanderausstellung auf Plakaten die Biografien.

Unter anderem sind es Frauen wie Helene Lange aus Oldenburg, die in ihren jungen Jahren dafür sorgte, dass Frauen heutzutage ihr Abitur absolvieren dürfen. Anita Augspurg aus Verden setzte sich für die Einführung des Frauenwahlrechts ein und engagierte sich in der internationalen Frauenfriedensbewegung gegen den Krieg. Cato Bontjes van Beek aus Bremen schloss sich in ihrem kurzen Leben einer Widerstandsgruppe an und kämpfte gegen die Unmenschlichkeit des nationalsozialistischen Regimes. An die sie erinnert heute ein Gymnasium in Achim.

Der Ort, an dem die Ausstellung bis zum 15. Mai zu sehen ist, wurde nicht zufällig ausgewählt. "Es ist ein Thema, das uns im Haus wichtig ist. 50 Prozent des Personals auf dem Nordwolle-Gelände waren Frauen. Damit die Geschichten dieser Frauen nicht in Vergessenheit gerät, haben wir dafür gesorgt, dass Delmenhorst im September zukünftig auch ein Frauenort wird", erzählte Museumsleiter Carsten Jöhnk stolz, der gemeinsam mit der Stadt Delmenhorst in Kooperation mit der städtischen Gleichstellungsbeauftragten Träger dieses Projekts ist.

Die Frau, die in Delmenhorst nicht vergessen werden soll, ist Ruth Müller. Sie stehe für eine Generation von Frauen, die nach dem Zweiten Weltkrieg auf der Nordwolle erwerbstätig waren und die als Fabrikarbeiterinnen in der Textilindustrie die schlechter bezahlten und weniger angenehmen Arbeiten verrichteten. Bis auf einzelne Ausnahmen waren die Vorarbeiter, Meister, Obermeister Männer. Anhand der Person Ruth Müller kann nach Ansicht des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) die Veränderung der Stellung der Frau innerhalb der Gesellschaft außerordentlich gut verdeutlicht werden. Müller stehe stellvertretend für die Arbeiterin, die Gewerkschafterin und Betriebsrätin der Nordwolle, die sich um die Rechte der Frauen am Arbeitsplatz und in der Gesellschaft stark gemacht habe, es war ein Kampf um soziale Teilhabe und Akzeptanz. Auch werde man an ihr die Geschichte der Migrantinnen nachzeichnen können, weil Ruth Müller selbst eine aus Niederschlesien Vertriebene war.

Mit der Initiative, deren Ursprungsidee aus Sachsen-Anhalt stammt, öffnete der Landesfrauenrat seit 2008 neue Wege im Kulturtourismus. In der Ausstellung werden landesweit Stadt- und Regionalgeschichten aus dem Blick historischer Frauenpersönlichkeiten erzählt. Dabei geht es um ihre Leistungen, die sie auf dem politischen, kulturellen, sozialen, wirtschaftlichen oder wissenschaftlichen Gebiet vollbracht haben. "Die feste Verankerung der Frauengeschichten soll in der Stadtkultur einen Eingang finden", forderte Gabriele Beckmann.

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