Rund 450 Arbeiter gehen auf die Straße Erneut Warnstreik bei Atlas in Delmenhorst

Delmenhorst/Ganderkesee. Es war wohl der letzte Warnschuss, den die Gewerkschaft IG Metall und die in ihr organisierten Arbeiter der Atlas Maschinen GmbH am Montag abfeuerten. Gut 450 der rund 650 Beschäftigten legten die Arbeit nieder, zum zweiten Mal innerhalb von vier Wochen.
Lesedauer: 2 Min
Zur Merkliste
Von Andreas D. Becker

Delmenhorst/Ganderkesee. Es war wohl der letzte Warnschuss, den die Gewerkschaft IG Metall und die in ihr organisierten Arbeiter der Atlas Maschinen GmbH am Montag abfeuerten. Gut 450 der rund 650 Beschäftigten legten die Arbeit nieder, es war bereits der zweite Warnstreik innerhalb von vier Wochen.

Mit Bussen kam die Belegschaft aus den Werken Vechta und Ganderkesee nach Delmenhorst. Über die Stedinger Straße marschierten die Atlas-Arbeiter zum Bismarckplatz, wo es eine Kundgebung gab.

Die IG Metall hatte vorgesorgt und das Köfferchen mit den Streikdevotionalien rausgeholt. So trugen die meisten der Arbeiter rote Schirmmützen mit dem IGM-Logo, viele bliesen in ihre roten IG-Metall-Trillerpfeifen, zudem wurden Flugblätter verteilt, auf denen ein freundlich grinsender Kranwagen das Schild 'Wir wollen unseren Tarifvertrag' hält.

Und die Gewerkschafter waren zufrieden mit der Mobilisierung. 'Gerade wenn man bedenkt, dass einige wegen Krankheit fehlen und wegen der Ferien Urlaubszeit ist', meinte der Betriebsratsvorsitzende Werner Magnus.

Auch Hartmut Tammen-Henke, Geschäftsführer der IG Metall Oldenburg, sprach davon, rund 80 Prozent der Belegschaft aus der Produktion mobilisiert zu haben, sei ein guter Wert. Der wohl auch dafür spricht, dass der Vorstand der IG Metall, der seit gestern in Frankfurt am Main tagt, sein Okay zur Durchführung einer Urabstimmung und notfalls eines unbefristeten Streiks geben wird.

'Aber wir wollen den Arbeitskampf verhindern', betonte Tammen-Henke erneut. Immer noch hoffen er und alle Beteiligten, dass es zu Gesprächen mit dem neuen Atlas-Chef Fil Filipov komme. Bisher hatte dieser alle Termine platzen lassen oder Gesprächsangebote ausgeschlagen. Er dulde keinerlei Einmischung von außerhalb in seine Geschäftsführung, lautet sein Standardargument. Zudem hatte er seinen Mitarbeitern in Offenen Briefen mit dem Verlust des Arbeitsplatzes gedroht, wenn sie sich weiterhin von der IG Metall instrumentalisieren lassen.

Doch obwohl Filipov verbal den ganz dicken Knüppel rausgeholt hat, hat er es nicht geschafft, seine Arbeiter zu verunsichern. 'In der Not rauft man sich zusammen', sagt einer der Vechtaer Kollegen, die extra nach Delmenhorst gereist sind. 120 Beschäftigte sind hergekommen, die Hallen in Vechta waren leer, als es morgens per Bus nach Delmenhorst ging. Sie alle wollen nur eins: größtmögliche Sicherheit in Form eines Tarifvertrags. 'Wir haben ja schon ein

Angebot gemacht, kostenlos mehr zu arbeiten. Aber trotzdem setzt sich Filipov nicht mit uns an einen Tisch', klagen sie. Und ein wenig unsicher sind sie schon, wie Filipov reagiert, wenn die Arbeiter ernst machen. Sie trauen dem gebürtigen Bulgaren alles zu. Mit der klaren Betonung auf 'alles'.

Bei der Kundgebung gab es neben den Reden der Metaller auch zahlreiche Solidaritätsadressen. Die kämpferischste lieferte Friedhelm Neumann, noch Betriebsratsvorsitzender der Aircraft Services Lemwerder (ASL), bevor dort am Jahresende die Lichter ausgehen: 'Ihr müsst diesen Kampf führen', rief er den Metallern zu. Und mit Blick auf den in der Branche schon gefürchteten Filipov meinte er: 'Dieser Sklaventreiber gehört in die Pampa geschickt.'

Immer wieder betonten die Redner, dass auch Filipov die in Deutschland geltenden Gesetze einhalten und akzeptieren müsse. Unterstützung erfuhren die Streikenden von Delegationen von Atlas Weyhausen aus Wildeshausen, der Manitowoc Crane Group aus Wilhelmshaven, der Premium Aerotec aus Nordenham sowie vom Deutschen Gewerkschaftsbund, von Verdi und von der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten.

Filipov war für eine Stellungnahme gestern nicht zu erreichen, er weilt zurzeit in Chicago und wird erst Anfang nächster Woche zurück in Deutschland sein. Der Werksleiter Delmenhorst, Gerhard Frerichs, wollte sich zum Warnstreik gestern auf Anfrage nicht äußern.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Einwilligung und Werberichtlinie

Ich erkläre mich damit einverstanden, dass die von mir angegebenen Daten dazu genutzt werden, regelmäßig per E-Mail redaktionelle Inhalte des WESER-KURIER seitens der Chefredaktion zu erhalten. Die Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Ich kann diese Einwilligung jederzeit formlos mit Wirkung für die Zukunft widerrufen, z.B. per E-Mail an widerruf@weser-kurier.de.
Weitere Informationen nach Art. 13 finden Sie unter https://www.weser-kurier.de/datenschutz

Schließen

Das Beste mit WK+